Der VanEck Semiconductor UCITS ETF erlebt einen der abrupteren Stimmungswechsel seiner jüngeren Handelsgeschichte. Nach Wochen mit kräftigen Zuflüssen kehrten Anleger dem Fonds zuletzt in großem Stil den Rücken.
Am 19. August verließen den in den USA gehandelten Schwesterfonds SMH nach Medienberichten 1,8 Milliarden Dollar, drei Tage später kamen laut Berichten weitere 402,9 Millionen Dollar an Abflüssen hinzu. Beide Bewegungen folgen auf massive Zuflüsse Ende Juli, als der Fonds an zwei aufeinanderfolgenden Tagen 906,6 Millionen Dollar und 767,0 Millionen Dollar einsammelte.
Diese Kehrtwende fällt in eine Phase, in der die Chipbranche insgesamt Gewinne mitnimmt. Medienberichten zufolge wurde am 17. August ein technisches Verkaufssignal ausgelöst, seither gab die europäische UCITS-Notierung deutlich nach.
Der Schlusskurs von 88,45 Euro am Montag liegt rund 20 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 111,18 Euro, das erst Ende Juni erreicht wurde – ein Hinweis darauf, wie schnell sich die zuvor euphorische Stimmung gedreht hat.
Bewertung spiegelt Höhepunkt des Zyklus
Analysten von Seeking Alpha attestierten dem Fonds am 12. August, zwar erstklassige Halbleiterunternehmen zu bündeln, gleichzeitig aber Bewertungen aufzuweisen, die für einen zyklischen Höhepunkt der Branche sprechen.
Diese Einschätzung liegt inzwischen über zwei Wochen zurück und lässt sich angesichts der seither einsetzenden Abflüsse eher als Vorbote denn als aktuelle Meinung lesen – die Marktbewegung der vergangenen Tage hat sie bereits teilweise bestätigt.
Der Fonds bildet den MarketVector US Listed Semiconductor 10% Capped Screened Index nach, gefiltert nach ESG-Kriterien und mit einer Obergrenze von zehn Prozent je Einzeltitel. Diese Streuungsregel begrenzt zwar Klumpenrisiken einzelner Chipkonzerne, schützt aber nicht vor branchenweiten Kapitalabzügen, wie sie zuletzt zu beobachten waren.
Die Gesamtsumme des verwalteten Vermögens lag laut VanEck am 21. August bei 8,6 Milliarden Dollar, bei einer Wertentwicklung seit Jahresbeginn von 70,38 Prozent zu diesem Stichtag.
Wettbewerber setzt auf gehebelte Wetten
Bemerkenswert ist, dass der Anbieter REX Ende der Vorwoche dreifach gehebelte Wertpapiere auf einen Index auflegte, der die Wertentwicklung des VanEck Semiconductor ETF nachbildet – ein Produkt, das laut Berichten auf ein Jahresplus von 60 Prozent im US-Fonds aufsetzt.
Solche Hebelprodukte gedeihen typischerweise in Phasen hoher Schwankungsbreite, wie sie der Sektor derzeit durchläuft, und signalisieren, dass professionelle Anbieter trotz der jüngsten Verkaufswelle weiterhin auf kurzfristige Ausschläge im Halbleitersegment setzen.
Für Anleger im europäischen UCITS-Vehikel bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Der Fonds bleibt mit einer laufenden Kostenquote von 0,35 Prozent pro Jahr ein thesaurierendes Produkt, das Dividenden automatisch reinvestiert. Die Entscheidung zwischen kurzfristiger Vorsicht angesichts der Mittelabflüsse und langfristigem Vertrauen in den strukturellen Wachstumstrend der Chipbranche dürfte die kommenden Wochen prägen.
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