VanEck Semiconductor ETF: 1,3 Billionen Dollar ausgelöscht

Der VanEck Semiconductor ETF legt nach massiven Verlusten wieder zu. Analysten bleiben uneins über die weitere Entwicklung der Halbleiterbranche.

Auf einen Blick:
  • Erholung nach Milliarden-Verlusten
  • Lam Research mit Rekordplus
  • Nvidia dominiert ETF-Portfolio
  • Uneinigkeit über weitere Entwicklung

Fast 1,3 Billionen Dollar Marktwert innerhalb weniger Tage ausgelöscht — und dann eine Erholung, die genauso heftig ausfällt wie der Absturz zuvor. Der VanEck Semiconductor UCITS ETF zeigt gerade, wie nervös die Chipbranche derzeit tickt. Am Freitag schloss der Fonds bei 89,23 Euro, ein Plus von 0,92 Prozent.

Auf Monatssicht bleibt trotzdem ein Minus von 12,50 Prozent stehen. Seit Jahresbeginn steht der ETF dennoch mit 67,51 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht hat er sich mit einem Anstieg von 114,26 Prozent mehr als verdoppelt.

Nach dem Crash die Kehrtwende

Die Erholung folgt auf eine brutale Verkaufswelle. Starke Quartalszahlen von Microsoft und Lam Research lösten eine breite Rally aus, die zuvor abgestrafte Halbleiterwerte mit zweistelligen Kurssprüngen belohnte. Lam Research schoss um 18 Prozent nach oben — der beste Handelstag seit 1999.

Speicherchip-Hersteller zogen ebenfalls kräftig an. Samsung warnte, die Knappheit bei Speicherchips könnte bis 2028 anhalten. Micron legte um 18 Prozent zu, Sandisk sogar um 26 Prozent, nachdem beide zuvor wegen enttäuschender Zahlen von SK Hynix unter Druck geraten waren.

Die Rally setzte sich fort. Intel kletterte um 13 Prozent auf 92,67 Dollar, AMD gewann ebenfalls 13 Prozent auf 483,55 Dollar. Taiwan Semiconductor stieg um 7 Prozent auf 399,36 Dollar. Der iShares Semiconductor ETF legte um 8 Prozent zu.

Vorausgegangen war eine der schwächsten Wochen der Branche seit Jahren. 20 der wertvollsten Chip-Unternehmen der Welt verloren zusammen rund 1,3 Billionen Dollar an Börsenwert. Allein AMD büßte etwa 110 Milliarden Dollar ein, Taiwan Semiconductor rund 119 Milliarden Dollar.

Stimmung statt schlechter Zahlen

Die Korrektur hatte weniger mit schwächelnden Geschäftszahlen zu tun als mit einem Vertrauensverlust. Michael Field, Chefstratege für Aktien bei Morningstar, bringt es so auf den Punkt: „Simply put, it’s loss of confidence.“ Er sieht für viele KI-Werte weiterhin Aufwärtspotenzial, weist aber darauf hin, dass deren Bewertungen stark von weit in der Zukunft liegenden Cashflows abhängen.

Charlie Dai, Analyst bei Forrester, ordnet den Ausverkauf anders ein. Er sieht die Sorge im Raum, dass die Investitionen in KI-Infrastruktur schneller ihren Höhepunkt erreichen könnten als bislang erwartet.

Sundeep Gantori, Investmentchef für Aktien bei Standard Chartered, liefert eine konstruktivere Lesart. Die Stimmung habe sich nach Medienberichten über Chinas Ambitionen bei Speicherchips und Lithografie-Anlagen eingetrübt. Der Markt biete aber weiterhin genug Raum für mehrere Anbieter gleichzeitig, so seine Einschätzung — der KI-Investitionszyklus stütze weiterhin die führenden Technologiekonzerne.

Nvidia dominiert das Portfolio

Ein Blick auf die Fondsstruktur zeigt, warum einzelne Aktien die Gesamtperformance so stark bewegen können. Ende Juli bestand der Referenzindex des ETF aus 26 Positionen — mit erheblicher Konzentration an der Spitze:

  • Nvidia: rund 21,70 Prozent des Nettovermögens
  • Taiwan Semiconductor: 9,51 Prozent
  • Broadcom: 6,74 Prozent
  • Die zehn größten Positionen zusammen: über 71 Prozent

Damit machen allein die drei Schwergewichte fast 38 Prozent des Portfolios aus. Eine Kursbewegung von 10 Prozent bei Nvidia verschiebt den Fondswert bereits um etwa 2,2 Prozent.

Die Bewertung bleibt nach dem historischen Anstieg der vergangenen Jahre hoch. Laut VanEck-Factsheet liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Portfolios bei rund 48,64, das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei 13,38. Diese Niveaus lassen wenig Puffer für breit angelegte Gewinnenttäuschungen.

Gespaltene Prognosen für den Rest des Jahres

An der Wall Street gehen die Meinungen für die kommenden Monate weit auseinander. JPMorgan erwartet eine sommerliche Kaufgelegenheit bei Chip-Aktien. Morgan Stanley rechnet dagegen mit einem harten zweiten Halbjahr 2026 für die Branche.

Positionierungsdaten deuten zudem darauf hin, dass der Trade vor der Korrektur außergewöhnlich überlaufen war. Eine Fondsmanager-Umfrage von Bank of America ergab, dass die überwiegende Mehrheit der befragten Manager Long-Positionen in globalen Halbleiterwerten als den am stärksten überfüllten Trade überhaupt einstufte.

Der Fonds notiert derzeit rund 19,74 Prozent unter seinem Zwölfmonatshoch von 111,18 Euro, liegt aber immer noch fast 120 Prozent über seinem Jahrestief von 40,70 Euro. Ob die aktuelle Erholung eine echte Trendwende markiert oder nur eine Verschnaufpause innerhalb einer breiteren Konsolidierung ist, bleibt nach einer der schärfsten Korrekturen der Branchengeschichte offen.

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