VanEck Semiconductor ETF: 12 Prozent in sieben Tagen nach Erholung

Der Halbleiter-ETF erholt sich nach einem historischen Einbruch und notiert nur noch knapp unter dem Allzeithoch. KI-Investitionen treiben die Kurse.

Auf einen Blick:
  • Kräftige Erholung nach Broadcom-Schock
  • Micron und AMD als Top-Positionen
  • Marvell-Aufnahme in S&P 500 steht bevor
  • KI-Boom beflügelt Equipment-Hersteller

Der Halbleitersektor hat in wenigen Wochen einen kompletten Stimmungswandel erlebt. Erst ein historischer Einbruch, dann eine ebenso kraftvolle Erholung — und der VanEck Semiconductor UCITS ETF steht mittendrin.

Vom Absturz zur Erholung

Am 5. Juni brach der PHLX Semiconductor Index um 10 Prozent ein. Es war der tiefste Tagesverlust seit März 2020. Auslöser war Broadcoms KI-Umsatzprognose für das dritte Quartal: 16 Milliarden Dollar statt der erwarteten 17,2 Milliarden. Rund 1,3 Billionen Dollar an Börsenwert verschwanden an einem einzigen Tag. Equipment-Hersteller wie ASML, KLA, Applied Materials und Lam Research verloren zwischen 5 und 6 Prozent.

Der Ausverkauf hielt nicht lange. Am 11. Juni trieb Trumps diplomatischer Durchbruch mit dem Iran die Stimmung schlagartig um. AMD, Micron, Arm Holdings und Marvell Technology legten jeweils 6 Prozent oder mehr zu. Micron kletterte in den Folgesitzungen um über 9 Prozent. Intel sprang 8,5 Prozent nach oben — Alphabet hatte den Konzern beauftragt, 3 Millionen hauseigene Chips zu fertigen.

Der ETF notiert aktuell bei 102,44 Euro, ein Plus von 2,44 Prozent auf Tagesbasis. In den vergangenen sieben Handelstagen summiert sich das Kursplus auf gut 12 Prozent. Vom Allzeithoch bei 106,00 Euro trennen ihn noch 3,4 Prozent.

Die Treiber im Portfolio

Micron Technology ist mit rund 13,9 Prozent die größte Position im ETF, AMD folgt mit etwa 11,6 Prozent. Beide Namen standen im Zentrum des Kurseinbruchs — und der Erholung.

AMDs Zahlen für das erste Quartal 2026 liefern die fundamentale Grundlage: 10,25 Milliarden Dollar Umsatz, 38 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Rechenzentrumsgeschäft wuchs um 57 Prozent auf 5,78 Milliarden Dollar. Der freie Cashflow stieg um 253 Prozent.

Nvidia legte für das Geschäftsjahr 2026 einen Umsatz von 215,9 Milliarden Dollar vor — ein Plus von 65 Prozent. Die KI-Nachfrage bleibt damit strukturell intakt.

Marvell, S&P 500 und der Computex-Effekt

Ein konkreter Katalysator steht unmittelbar bevor. Marvell Technology wird am 22. Juni in den S&P 500 aufgenommen. Das zwingt Indexfonds und ETFs, die Aktie mechanisch zu kaufen. Marvell hat seinen Wert im laufenden Jahr bereits verdreifacht.

Den spektakulärsten Moment lieferte Computex Anfang Juni in Taipeh. Nvidia-Chef Jensen Huang trat gemeinsam mit Marvell-CEO Matt Murphy auf die Bühne und sagte: „Ladies and gentlemen, the next trillion-dollar company“ — und zeigte auf Murphy. Marvell-Aktien stiegen daraufhin an einem einzigen Tag um 32,5 Prozent. Kein Wunder, dass der S&P-Aufnahme nun besondere Aufmerksamkeit gilt.

Neben Marvell werden auch NXP Semiconductors und Coherent in den S&P 500 aufgenommen — beide lösen dieselbe Kaufmechanik aus.

Equipment-Hersteller profitieren vom KI-Boom

Hinter den Chip-Designern laufen die Maschinenbauer des Sektors. KLA Corp. hat seinen Aktienkurs 2026 bislang mehr als verdoppelt — ein Plus von 112 Prozent. Im Quartal bis März erzielte das Unternehmen einen bereinigten Gewinn je Aktie von 9,40 Dollar bei einem Umsatz von 3,42 Milliarden Dollar. Analysten hatten 9,17 Dollar und 3,37 Milliarden erwartet.

Der Hintergrund: Microsoft, Google, Meta, Amazon und Oracle investieren zusammen mehr als 400 Milliarden Dollar jährlich in Rechenzentren. Diese Ausgaben fließen direkt in die Auftragsbücher von ASML, Applied Materials, Lam Research und KLA — mit Sichtweite bis in die Orderbücher für 2027.

Jahresperformance ohne Vergleich

Der ETF hat seit Jahresbeginn 86,4 Prozent zugelegt. Der Philadelphia Semiconductor Index steht im laufenden Quartal 61 Prozent im Plus, der S&P 500 nur 13 Prozent. Der US-Halbleiter-ETF SOXX kommt auf ein Jahresplus von knapp 100 Prozent — während Software-ETFs wie IGV 14 Prozent im Minus liegen.

Das Fondsvolumen beläuft sich auf rund 8,1 Milliarden Euro. Der ETF bildet den MarketVector US Listed Semiconductor 10% Capped Screened Index ab, thesauriert Dividenden und kostet 0,35 Prozent Jahresgebühr.

Mit Marvells Indexaufnahme am 22. Juni, Microns anstehenden Quartalszahlen und ungebrochenen KI-Investitionsbudgets der Hyperscaler hat der ETF in der zweiten Junihälfte mehrere konkrete Impulse vor sich.

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