Ein chinesisches KI-Modell reicht aus, um Milliarden an Marktwert zu vernichten. Der VanEck Semiconductor UCITS ETF schloss am Freitag bei 92,15 Euro, ein Minus von 1,01 Prozent. Binnen einer Woche verlor der Fonds 8,83 Prozent, binnen 30 Tagen fast zehn Prozent.
Damit steckt der Sektor offiziell im Bärenmarkt. Der zugrunde liegende Philadelphia Semiconductor Index ist mittlerweile 20 Prozent von seinem Rekordhoch entfernt. Für die Chipbranche war es die schlechteste Woche seit dem Zoll-Schock im April 2025.
Moonshot schockt den Markt
Der Auslöser kam aus Shanghai. Das chinesische Startup Moonshot präsentierte auf der World Artificial Intelligence Conference sein neues Modell Kimi K3 — nach Einschätzung von Marktbeobachtern das größte frei verfügbare KI-Modell weltweit. Entwickler können es herunterladen und selbst betreiben.
Die Nachricht traf einen ohnehin nervösen Markt. Investoren stellen zunehmend infrage, ob die enormen Ausgaben für KI-Infrastruktur wirtschaftlich noch zu rechtfertigen sind. Parallel dazu drehte das Kapital in Richtung konjunktursensibler Aktien und weg von den hoch bewerteten Tech-Titeln.
Hinzu kam geopolitischer Druck. Die Ölpreise zogen wegen der Spannungen im Nahen Osten deutlich an, WTI-Rohöl stieg um 3,7 Prozent auf 81,88 Dollar je Barrel. Das verunsicherte die Märkte zusätzlich.
Schwergewichte unter Druck
Die größten Positionen im ETF-Portfolio traf es am härtesten. Applied Materials, Lam Research, Intel, KLA Corp und Arm Holdings verloren jeweils rund vier Prozent. Micron und Nvidia gaben mehr als zwei Prozent nach.
Im Verlauf des Freitags kauften einige Investoren die Schwäche. Nvidia begrenzte sein Minus auf zwei Prozent, AMD, Broadcom und Intel schlossen zwar tiefer, aber über ihren Tagestiefs. Marvell und Qualcomm schafften es sogar knapp über die Nulllinie zurück.
Das Ausmaß des Ausverkaufs bleibt trotzdem beträchtlich. Seit dem 22. Juni haben Halbleiteraktien weltweit rund 3,3 Billionen Dollar an Marktwert eingebüßt. Zusätzlichen Druck brachte Taiwan Semiconductor Manufacturing: Der Auftragsfertiger kündigte höhere Investitionsausgaben an als erwartet, unter anderem wegen gestiegener Maschinenpreise.
Der Gesamtmarkt zieht mit
Die Schwäche im Chipsektor zog den breiten Markt mit nach unten. Der marktbreite Index verlor am Freitag 1,01 Prozent auf 7.457,69 Punkte, der Nasdaq Composite fiel um 1,4 Prozent auf 25.520,24 Zähler. Der Dow Jones gab 406,55 Punkte ab, ein Minus von 0,77 Prozent, und schloss bei 52.146,42.
Für die Woche summierten sich die Verluste: S&P 500 minus 1,6 Prozent, Nasdaq minus 2,9 Prozent, Dow minus 0,9 Prozent. Der VanEck-ETF selbst verzeichnete damit die dritte Verlustwoche in vier Wochen.
Die längere Perspektive
Trotz des scharfen Rückgangs bleibt die Jahresbilanz beeindruckend. Der ETF steht seit Jahresbeginn noch immer bei plus 72,99 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar bei plus 119,09 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 111,18 Euro, erreicht am 30. Juni, trennen den Fonds aktuell 17,12 Prozent.
Technisch notiert der ETF unterhalb seines 50-Tage-Durchschnitts von 97,27 Euro, aber weiterhin deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 68,06 Euro. Der 14-Tage-RSI liegt bei 41,9 — ein Wert, der weder überkauft noch überverkauft signalisiert. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 60 Prozent zeigt aber: Der Sektor bleibt extrem nervös.
Die Rally der vergangenen zwölf Monate hat den Chipsektor an ambitionierte Bewertungen herangeführt. Jetzt zeigt sich, wie schnell neue Konkurrenz aus China und Zweifel an der KI-Investitionsdynamik diese Bewertungen infrage stellen können.
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