Die Rally bei Seltene-Erden-Aktien am Dienstag war offenbar kein Signal für eine fundamentale Wende am physischen Markt. Das legt eine Einordnung von Branchenbeobachtern nahe, wonach die jüngste Erholung der Aktien nicht mit neuen Impulsen bei den tatsächlichen Rohstoffpreisen zusammenhängt.
Erholung ohne erkennbaren Auslöser
Der US-notierte Branchenindex REMX, auf dem Werte wie im VanEck Seltene Erden ETF (ISIN IE0002PG6CA6) basieren, legte am Dienstagvormittag um rund 4 Prozent zu – nach einem mehrwöchigen, steilen Rückgang. Medienberichten zufolge nannte die Berichterstattung keinen einzelnen neuen Auslöser für diese Erholung. Die Spotpreise für Seltene Erden blieben parallel auf hohem Niveau, während die Minenaktien über Wochen schwach blieben.
Das Analystenteam für kritische Rohstoffe bei Canaccord Genuity beschrieb diese Kluft zwischen hohen physischen Preisen und schwachen Produzentenaktien als „große Divergenz“ bei Seltenen Erden. Diese Einordnung erklärt, warum Stärke am physischen Markt bislang nicht in eine nachhaltige Erholung der Branchenaktien übersetzt wurde – ein Muster, das sich auch im VanEck-ETF widerspiegelt.
Kursbild bleibt angeschlagen
Der ETF schloss am Mittwoch bei 9,60 Euro, nach einem Plus von 0,9 Prozent auf Tagessicht. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 5,3 Prozent zu Buche, doch seit Jahresbeginn liegt das Papier mit 23 Prozent im Minus.
Zum 52-Wochen-Hoch von 18,76 Euro vom Mai klafft weiterhin eine Lücke von 49 Prozent – ein Abstand, der die Dimension des Abverkaufs seit dem Frühjahrshoch verdeutlicht.
Die Divergenz zwischen Spotpreisen und Aktienkursen dürfte ein zentraler Grund dafür sein, dass sich der ETF trotz zwischenzeitlicher Erholungsphasen nicht nachhaltig von seinen Tiefs lösen kann. Anleger, die auf steigende Rohstoffpreise setzen, bekommen über die Aktien der Förderunternehmen offenbar nur eingeschränkt Zugriff auf diese Preisentwicklung.
Substitutionsdruck aus der Chipindustrie
Zusätzlicher Stoff für Unsicherheit kommt aus der Halbleiterbranche. Taiwan Semiconductor Manufacturing Company fragte bei Ausrüstungslieferanten nach Motoren für die Fabrikautomatisierung, die ohne Magnete aus Seltenen Erden auskommen. Das berichtete Reuters. Hintergrund ist die Sorge vor Lieferrisiken durch chinesische Exportkontrollen.
Die Anfrage von TSMC ist kein Beleg für eine akute Verknappung, signalisiert aber anhaltende Nervosität großer Abnehmer gegenüber chinesischen Magnetmaterialien. Sollten Chiphersteller dauerhaft auf Alternativen umsteigen, würde das langfristig Nachfrage aus einem wichtigen Absatzmarkt für Seltene-Erden-Magnete kosten – ein Faktor, der die Bewertung von Förderunternehmen zusätzlich belasten könnte, selbst wenn die Spotpreise hoch bleiben.
Für den VanEck Seltene Erden ETF bedeutet das: Die Erholung der vergangenen Woche ändert wenig am grundsätzlichen Bild. Solange sich Spotpreise und Aktienkurse der Produzenten nicht wieder annähern, bleibt der Sektor anfällig für volatile Gegenbewegungen ohne tragfähiges Fundament.
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