Der VanEck Seltene Erden ETF springt am Dienstag um 3,18 Prozent nach oben und erreicht 12,38 Euro. Der Sprung kommt nicht aus dem Nichts. Wochenlang hatte der Fonds Wert verloren, zuletzt lag das Minus auf Monatssicht bei 25,41 Prozent.
Diese Erholung ist damit die erste sichtbare Gegenbewegung nach einer Phase extremer Schwäche. Der RSI von 29,6 zeigte zuletzt eine stark überverkaufte Marktlage an. Genau solche Situationen begünstigen technische Rebounds wie den heutigen.
Der Blick auf die längerfristige Bilanz zeigt allerdings, wie tief der Fonds gefallen ist. Vom 52-Wochen-Hoch bei 18,76 Euro, erreicht am 11. Mai, trennen den ETF noch immer knapp 34 Prozent. Auf Jahressicht bleibt trotzdem ein Plus von 45,13 Prozent stehen – ein Hinweis darauf, wie stark der vorangegangene Anstieg ausgefallen war, bevor der Ausverkauf einsetzte.
MP Materials als Belastungsfaktor
Ein zentraler Grund für die Schwäche der vergangenen Wochen liegt bei MP Materials, einer der größten Positionen im zugrundeliegenden Index. Die Aktie hat im vergangenen Jahr rund 23 Prozent verloren und damit schlechter abgeschnitten als vergleichbare Werte der Branche.
Trotz dieser Schwäche bleibt die Bewertung ambitioniert. MP Materials handelt mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 23,2 – der Durchschnitt der Metall- und Bergbau-Branche liegt bei 2,8, vergleichbare Unternehmen kommen im Schnitt auf 2,0. Diese Diskrepanz sorgt für Diskussionen darüber, wie viel geopolitisches Zukunftspotenzial im Kurs bereits eingepreist ist.
Genau hier setzt die zweite Unsicherheit an. MP Materials gilt als strategisch wichtiger Baustein in den Lieferketten für Seltene Erden außerhalb Chinas. Jüngste Schlagzeilen zu Exportkontrollen zeigen, wie stark geopolitische Spannungen die Bewertung solcher Positionen beeinflussen können.
China-Exportkontrollen als Dauerthema
Die Unsicherheit um chinesische Exportbeschränkungen bleibt der größte strukturelle Risikofaktor für die gesamte Branche. Die Internationale Energieagentur warnte kürzlich vor drastischen Folgen einer vollständigen Umsetzung dieser Beschränkungen. Bis zu 6,5 Billionen Dollar an nachgelagerter Produktion außerhalb Chinas könnten gefährdet sein.
Besonders betroffen wären laut der Behörde die Automobil-, Hightech-, Verteidigungs- und Energiebranche. USA und Europa tragen zusammen fast die Hälfte des potenziellen Schadens bei sieben schweren Seltenerdelementen. Diese Abhängigkeit erklärt einen Großteil der Nervosität, die den Sektor seit Wochen begleitet.
Die hohe Schwankungsbreite bleibt das prägende Merkmal des Segments. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 42,90 Prozent bewegt sich der ETF in einem Bereich, der scharfe Abverkäufe ebenso zulässt wie kräftige Gegenbewegungen – so wie am heutigen Handelstag. Ob daraus mehr wird als eine kurzfristige technische Erholung, hängt maßgeblich von der Entwicklung bei MP Materials und der weiteren Regulierung chinesischer Exportkontrollen ab.
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