Ein einziges Quartalsergebnis von Shell reicht aus, um einen ganzen ETF zu bewegen. Der VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders UCITS ETF schloss am Donnerstag bei 55,34 Euro. Grund für den Schub: Eine der größten Energiepositionen im Fonds legte das stärkste Quartal seit Jahren hin.
Shells bestes Quartal seit 2022
Shell veröffentlichte am 30. Juli seine Zahlen für das zweite Quartal 2026. Der Ölkonzern meldete ein bereinigtes Ergebnis von 9,8 Milliarden Dollar. Das ist der beste Quartalswert seit dem zweiten Quartal 2022, als Shell nach Russlands Invasion in die Ukraine von explodierenden Öl- und Gaspreisen profitierte und 11,47 Milliarden Dollar verdiente.
CEO Wael Sawan führte die Stärke auch auf günstige Marktbedingungen zurück. Entscheidend sei aber die operative Umsetzung gewesen, betonte er gegenüber CNBC. Volatilität sei „das neue Normal“, so Sawan — Shell habe sich genau darauf vorbereitet, um in solchen Phasen zu bestehen.
Die operativen Kennzahlen untermauern das. Trotz Ausfällen im Nahen Osten erreichte Shell eine Rekordförderung in Brasilien und eine Rekordauslastung seiner Raffinerien. Der operative Cashflow lag bei 21,4 Milliarden Dollar. Zum 19. Mal in Folge kündigte der Konzern Aktienrückkäufe von mindestens 3 Milliarden Dollar an, dazu kam eine neue Zwischendividende für das Quartal.
Der Markt reagierte prompt: Die Londoner Shell-Aktie legte am Donnerstagmorgen um 1,5 Prozent zu. Seit Jahresbeginn steht das Papier rund 21 Prozent im Plus, bleibt damit aber hinter Konkurrenten wie BP, TotalEnergies, Exxon Mobil und Chevron zurück. Ein Energieanalyst bezeichnete die Quartalszahlen als „sehr stark“.
Warum ein Ölwert den ETF so stark bewegt
Der VanEck-Fonds bündelt 100 dividendenstarke Blue Chips aus Industrieländern. Die Gewichtung folgt dabei nicht der Marktkapitalisierung, sondern der Summe der gezahlten Dividenden. Das drückt Energiekonzerne und andere Hochdividendenwerte historisch in die Top-Positionen.
Shell zählt neben Exxon Mobil, Verizon, Nestlé, Pfizer und TotalEnergies zu den zehn größten Positionen. Zusammen mit Namen wie PepsiCo, Allianz, Novo Nordisk und Intesa Sanpaolo machen die zehn größten Werte mehr als ein Drittel des Portfolios aus. Diese Konstruktion gibt dem Fonds ein deutlich höheres Gewicht in Energie, Finanzen und Gesundheit als ein klassischer Weltindex nach Marktkapitalisierung. Starke Quartale von Ölmultis wie Shell oder TotalEnergies schlagen entsprechend stärker auf die kurzfristige Fondsentwicklung durch.
Fonds nahe am Rekordhoch
Shells Zahlen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der ETF ohnehin gut lief. Das 52-Wochen-Hoch von 55,50 Euro vom 29. Juli liegt nur knapp über dem aktuellen Kurs. Der Fonds notiert damit deutlich über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 52,84 Euro und seinem 200-Tage-Durchschnitt von 50,48 Euro.
Auf Jahressicht steht ein Plus von 15,20 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sind es 28,44 Prozent. Ein RSI von 72,9 signalisiert dabei eine überkaufte Marktlage — ein Warnsignal für mögliche kurzfristige Gegenbewegungen, auch wenn der fundamentale Rückenwind aus dem Energiesektor intakt bleibt.
Der Fonds setzt bei seiner Nachbildung des Morningstar Developed Markets Large Cap Dividend Leaders Index auf vollständige physische Replikation. Mit quartalsweisen Ausschüttungen und einem Branchenmix aus Energie, Finanzen und Gesundheit hängt seine Wertentwicklung eng an den Geschäftszahlen weniger großer Dividendenzahler. Shells Rekordquartal hat diese Abhängigkeit erneut sichtbar gemacht.
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