Ausgangslage
Valneva steht vor einem Termin, der über die kurzfristige Richtung der Aktie entscheiden dürfte. Am morgigen Donnerstag legt der Impfstoffhersteller seine Halbjahreszahlen für 2026 vor und will zugleich Updates zum Chikungunya-Impfstoff IXCHIQ sowie zur Phase-3-Studie VALOR für den Lyme-Borreliose-Kandidaten liefern.
Der Kurs ist dem Termin bereits deutlich vorausgelaufen: Am Dienstag schloss die Aktie 8,58 Prozent im Plus bei 2,53 Euro, binnen 30 Tagen summiert sich das Plus auf 12,00 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 73,2 signalisiert dabei eine bereits überkaufte Marktlage – Anleger preisen offenbar positive Nachrichten ein, noch bevor sie vorliegen.
Befeuert wurde die Rally von TD Cowen. Die Analystin Tara Bancroft nahm die Coverage am Dienstag mit einem „Buy“-Rating und einem Kursziel von 12,00 US-Dollar auf und verweist auf das Blockbuster-Potenzial des mit Pfizer entwickelten Lyme-Impfstoffkandidaten LB6V. Bancroft rechnet bis 2035 mit Lizenzeinnahmen von 590 Millionen Euro aus diesem Programm.
Die entscheidende Frage
Für Anleger läuft die Entscheidung auf eine einzige Frage hinaus: Bestätigt der Halbjahresbericht, dass Valneva seine im Mai gesenkte Umsatzprognose von 145 bis 160 Millionen Euro für 2026 halten kann, oder droht angesichts der schwächelnden Reiseimpfstoff-Nachfrage eine weitere Korrektur nach unten? Die Prognose war bereits im Mai von ursprünglich 155 bis 170 Millionen Euro reduziert worden.
Analysten erwarten für das zweite Quartal einen Verlust von rund 0,19 US-Dollar pro Aktie bei einem Umsatz von etwa 43,9 Millionen US-Dollar. Ob diese Werte erreicht werden, entscheidet, ob die aktuelle Kursbewegung ein nachhaltiger Trendwechsel ist oder eine überzogene Vorab-Spekulation, die sich nach den Zahlen wieder zurückbildet.
Bullisches Szenario
Bestätigt Valneva am Donnerstag stabile IXCHIQ-Verkäufe und liefert belastbare Fortschrittsmeldungen zur VALOR-Studie, hätte die Aktie einen doppelten Hebel. Pfizer hatte in seiner Quartalspräsentation Anfang August die Zusammenarbeit an LB6V (intern als PF-07307405 bezeichnet) bekräftigt und auf eine in Phase-3-Studien gezeigte Wirksamkeit von über 70 Prozent verwiesen.
Ein glaubwürdiges Signal, dass das Lyme-Programm auf Kurs bleibt, würde die Bewertungsthese von TD Cowen stützen, die maßgeblich auf diesem Kandidaten aufbaut.
Zusätzlich hat sich das institutionelle Interesse zuletzt verbreitert: Ende Juli hatten unter anderem JPMorgan Chase, XTX Topco und Marex Group ihre Positionen initiiert oder verändert, die gemeldete institutionelle Eigentümerquote liegt bei rund 11,39 Prozent.
Ein positiver Zahlenausweis könnte diesen Zustrom verstetigen und die Aktie über ihren 50-Tage-Durchschnitt von 2,26 Euro hinaus weiter Richtung des 200-Tage-Durchschnitts von 3,27 Euro tragen.
Bärisches Szenario und Risiko
Das Risiko liegt im operativen Kerngeschäft, nicht im Zukunftsversprechen von LB6V. Die im Mai gesenkte Umsatzprognose wurde ausdrücklich mit einer schwachen Nachfrage nach Reiseimpfstoffen begründet – einem Bereich, der kurzfristig für die laufenden Einnahmen entscheidend ist, während LB6V erst über Jahre Wert generieren soll.
Bestätigt der Bericht am Donnerstag eine weitere Verschlechterung bei IXCHIQ oder bleibt die VALOR-Studie hinter den Erwartungen zurück, dürfte der jüngste Kursanstieg schnell wieder abschmelzen. Der bereits stark überkaufte RSI-Wert von 73,2 unterstreicht, dass die Aktie kaum Puffer für Enttäuschungen hat.
Zur Erinnerung: Trotz der jüngsten Erholung liegt Valneva seit Jahresbeginn noch immer mit 31,95 Prozent im Minus, und der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 5,36 Euro aus dem vergangenen August bleibt mit über 50 Prozent enorm. Die hohe annualisierte Volatilität von 37,51 Prozent zeigt zudem, wie schnell sich das Bild drehen kann.
Ausblick
Solange Valneva am Donnerstag keine negativen Überraschungen bei IXCHIQ liefert und der Fahrplan für VALOR intakt bleibt, dürfte das von TD Cowen skizzierte Langfrist-Narrativ um LB6V die Aktie stützen und weiteres institutionelles Interesse anziehen.
Kippt dagegen die operative Guidance erneut nach unten oder bleiben belastbare Studiendaten aus, droht der jüngste Kursschub als reine Vorab-Spekulation zu enden – mit entsprechendem Rückschlagpotenzial angesichts der bereits überkauften technischen Lage.
Der nächste konkrete Prüfstein ist der Halbjahresbericht am morgigen Donnerstag, 13. August, um 9:00 Uhr Ostküstenzeit: Er wird zeigen, welches der beiden Szenarien die kommenden Wochen bestimmt.
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