Der Entzug der britischen Marktzulassung für den Chikungunya-Impfstoff IXCHIQ trifft das Biotech-Unternehmen Valneva wirtschaftlich kaum. Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hat die Genehmigung für Reisende nach einer Überprüfung durch die Commission on Human Medicines widerrufen. Valneva teilte mit, dass das Unternehmen die Entscheidung zwar inhaltlich ablehnt, aber keine Rechtsmittel dagegen einlegen wird.
Am Aktienmarkt sorgte der behördliche Schritt dennoch für Verunsicherung. Das Papier verliert am heutigen Donnerstag 4,5 Prozent auf 2,46 Euro.
Keine Rückrufkosten und geringe Umsatzeffekte
Die wirtschaftlichen Einbußen durch das Aus im Vereinigten Königreich bleiben überschaubar. Valneva hatte den Impfstoff dort Mitte 2025 eingeführt. Wegen einer schwachen Nachfrage im Reisesegment vertrieb das Unternehmen das Vakzin bereits seit mehreren Monaten nicht mehr aktiv.
Da sich derzeit keine Dosen mehr auf dem britischen Markt befinden, fallen für Valneva keine Rückrufkosten an. Das Management erwartet lediglich minimale Auswirkungen auf die künftigen Gesamterlöse. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2025 erzielte der Impfstoff einen Erlös von 8,4 Millionen Euro, nach 3,7 Millionen Euro im Jahr 2024.
Für die Gesamterlöse des Konzerns spielen andere Produkte eine größere Rolle. Im Geschäftsjahr 2025 wies Valneva einen Produktumsatz von 157,9 Millionen Euro aus. Der gesamte Konzernumsatz belief sich auf 174,7 Millionen Euro. Für das Jahr 2026 bestätigte das Management das Umsatzziel für Produkte von 135 bis 150 Millionen Euro.
Internationale Zulassungen bleiben intakt
Behördliche Sonderwege wie in Großbritannien bedeuten nicht zwangsläufig das Aus auf anderen Kontinenten. Die MHRA begründete ihren Schritt mit einer Neubewertung bereits bekannter Sicherheitsdaten. Neue Sicherheitssignale stellte die Behörde nach Angaben von Valneva nicht fest.
Das Unternehmen stuft das Nutzen-Risiko-Profil des Vakzins bei vorschriftsmäßiger Anwendung weiterhin als günstig ein. In anderen Kernmärkten hat die britische Neubewertung vorerst keine Folgen.
Die Marktzulassungen in der Europäischen Union, in Kanada sowie in Brasilien bleiben unverändert bestehen. Sowohl die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA als auch Health Canada hielten an den Genehmigungen fest und passten lediglich die Produktinformationen an.
Fokus auf endemische Regionen
Für die weitere Vermarktung rücken Regionen in den Mittelpunkt, in denen das Virus dauerhaft auftritt. Im Rahmen einer laufenden Pilot-Impfkampagne in Brasilien erhielten bisher über 61.000 Menschen im Alter von 18 bis 59 Jahren die Impfung. Neue Sicherheitsbedenken traten dort laut Unternehmensangaben nicht auf.
Weltweit wurden bisher rund 187.000 Dosen von IXCHIQ verabreicht. Der Rückzug aus dem britischen Reisemarkt beendet die Zulassungsdebatten allerdings nicht vollständig.
In den Vereinigten Staaten hatte die Aufsichtsbehörde FDA die Zulassung im August 2025 wegen schwerwiegender unerwünschter Ereignisse ausgesetzt, woraufhin Valneva die US-Anträge später zurückzog. Künftig konzentriert sich das Unternehmen bei der Vermarktung vor allem auf Regionen mit endemischer Verbreitung.
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