Valneva hat am 14. August detaillierte Ergebnisse der Phase-3-Studie VALOR zu seinem gemeinsam mit Pfizer entwickelten Lyme-Impfstoffkandidaten PF-07307405 vorgelegt. Die Studie zeigte eine Wirksamkeit von über 70 Prozent bei Probanden ab fünf Jahren.
Die Daten folgten unmittelbar auf die Nachricht, dass die europäische Arzneimittelbehörde EMA den Zulassungsantrag für den Kandidaten validiert hatte – ein Schritt, der die Aktie an jenem Tag um bis zu 24 Prozent nach oben schnellen ließ.
Meilensteine und Lizenzstruktur bei Pfizer
Für Valneva ist der Lyme-Kandidat nach eigenen Angaben der bedeutendste Werttreiber im Portfolio. Unter der 2020 geschlossenen Partnerschaft hält Pfizer die exklusiven Vermarktungsrechte, während Valneva bei erfolgreicher Zulassung bis zu 143 Millionen US-Dollar an Meilensteinzahlungen sowie Lizenzgebühren von 14 bis 22 Prozent erhalten könnte.
Pfizer rechnet nach eigenen Angaben binnen der nächsten zwölf Monate mit Zulassungsentscheidungen sowohl in den USA als auch in Europa, wobei Europa voraussichtlich zuerst folgt.
Zahlen zum ersten Halbjahr belasten das operative Bild
Die Euphorie um den Impfstoffkandidaten kontrastiert mit der operativen Realität, die Valneva am 13. August mit den Halbjahreszahlen offenlegte. Der Produktumsatz lag bei 65,8 Millionen Euro Gesamtumsatz, der Nettoverlust weitete sich auf 63,3 Millionen Euro aus, nach 20,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Ursächlich waren eine geringere Bruttomarge durch niedrigere Verkaufs- und Fertigungsvolumina sowie Einmalbelastungen, darunter Kosten aus der Beendigung eines IXCHIQ-Vertrags und Abschreibungen auf Lagerbestände.
Trotz des höheren Verlusts bestätigte das Unternehmen seine Jahresprognose von 135 bis 150 Millionen Euro Produktumsatz und 145 bis 160 Millionen Euro Gesamtumsatz.
Die Kassenposition verbesserte sich zum 30. Juni auf 121,5 Millionen Euro, nach 109,6 Millionen Euro zum Jahresende 2025 – gestützt durch eine im Jahresverlauf abgeschlossene Kapitalerhöhung über 84 Millionen Euro, an der unter anderem Frazier Life Sciences, TCGX, Deep Track Capital und Perceptive Advisors beteiligt waren.
Sparkurs und Standortverkauf sollen Cash-Verbrauch bremsen
Parallel zur Fokussierung auf den Lyme-Kandidaten treibt Valneva eine globale Restrukturierung voran, die einen deutlichen Stellenabbau, die Neupriorisierung von Forschungsaktivitäten und eine Straffung der weltweiten Abläufe umfasst. Zusätzlich verkauft das Unternehmen seinen Standort in Nantes für 6,2 Millionen Euro; eine vorläufige Vereinbarung mit Nantes Métropole ist unterzeichnet, der Abschluss wird für September 2026 erwartet.
Auf der kommerziellen Seite verweist Valneva auf Fortschritte in Brasilien: Im Rahmen einer im Februar gestarteten Pilotkampagne mit dem Instituto Butantan wurden bislang rund 50.000 Erwachsene zwischen 18 und 59 Jahren gegen Chikungunya geimpft. Die lokal produzierte Version des IXCHIQ-Impfstoffs, vermarktet als „Butantan-chik“, erhielt im Mai die brasilianische Zulassung.
Analysten sehen Kursziel trotz schwächerer Zahlen kaum verändert
Simon Scholes von First Berlin Equity Research bekräftigte am 19. August seine Kaufempfehlung, senkte das Kursziel jedoch leicht von 4,50 auf 4,40 Euro. Begründet wurde der Schritt mit einer reduzierten Gewinnprognose für 2026 infolge eines schwächeren Bruttogewinns im zweiten Quartal sowie einer gestiegenen Netto-Verschuldung auf Pro-forma-Basis.
Die Aktie notierte zuletzt bei 2,85 Euro und damit rund 20 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 2,37 Euro, blieb aber etwa 11 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 3,22 Euro.
Zum 52-Wochen-Hoch von 5,34 Euro, erreicht am 1. Oktober 2025, fehlen weiterhin 47 Prozent – ein Zeichen dafür, dass die Zulassungshoffnung beim Lyme-Impfstoff die operative Schwäche bislang nur teilweise ausgleicht.
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