Valneva Aktie: 6,2-Millionen-Verkauf in Nantes

Valneva verschärft den Sparkurs, verkauft den Standort Nantes und meldet einen auf 63,3 Mio. Euro gestiegenen Halbjahresverlust. Derweil hofft der Konzern auf die Zulassung des Lyme-Impfstoffs.

Auf einen Blick:
  • Globales Sparprogramm mit Stellenabbau
  • Standortverkauf in Nantes für 6,2 Mio. Euro
  • Nettoverlust steigt auf 63,3 Mio. Euro
  • EMA validiert Zulassungsantrag für Lyme-Impfstoff

Valneva zieht nach einem schwierigen ersten Halbjahr die Kostenbremse. Der Impfstoffhersteller hat ein globales Sparprogramm umgesetzt, das den Cash-Verbrauch durch einen deutlichen Stellenabbau, die Neupriorisierung von Forschungsaktivitäten und gestraffte globale Abläufe reduzieren soll.

Parallel dazu verkauft das Unternehmen seinen Standort in Nantes für 6,2 Millionen Euro an die Kommune Nantes Métropole. Eine vorläufige Vereinbarung ist unterzeichnet, der Abschluss der Transaktion wird für September 2026 erwartet.

Verlust verdreifacht, Kasse trotzdem stabil

Die Zahlen zum ersten Halbjahr, die am Donnerstag veröffentlicht wurden, zeigen die Kehrseite der laufenden Umbrüche. Der Produktumsatz lag bei 64,0 Millionen Euro und damit im Rahmen der Erwartungen, doch der Nettoverlust stieg auf 63,3 Millionen Euro – nach 20,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Ursache sind eine niedrigere Bruttomarge infolge geringerer Verkaufs- und Fertigungsvolumina sowie einmalige Belastungen bei den Herstellungskosten, darunter Vertragsauflösungskosten rund um IXCHIQ und Abschreibungen auf Lagerbestände.

Trotz des höheren Verlusts bleibt die Liquiditätslage robust. Zum 30. Juni 2026 verfügte Valneva über 121,5 Millionen Euro an Kasse. Das Unternehmen führt die solide Position auf die Restrukturierungsmaßnahmen, ein diszipliniertes Cash-Management sowie auf Bruttoerlöse von 37 Millionen Euro aus einer im zweiten Quartal 2026 abgeschlossenen Privatplatzierung zurück.

Die Jahresprognose für 2026 wurde bestätigt: Erwartet werden Produktumsätze zwischen 135 und 150 Millionen Euro sowie Gesamterlöse von 145 bis 160 Millionen Euro.

Lyme-Impfstoff bleibt der große Hoffnungsträger

Während das operative Geschäft unter Druck steht, richtet sich der Blick der Anleger weiter auf die Pipeline. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat die Zulassungsantrag für PF-07307405 validiert, den gemeinsam mit Pfizer entwickelten Lyme-Borreliose-Impfstoffkandidaten auf Basis von sechs Varianten des Oberflächenproteins OspA.

Grundlage ist eine in der Phase-3-Studie VALOR beobachtete Wirksamkeit von mehr als 70 Prozent. Pfizer hat nach eigenen Angaben bereits mit Regulierungsbehörden über mögliche Zulassungswege gesprochen und sich optimistisch zu den Genehmigungsaussichten geäußert. Entscheidungen werden innerhalb der kommenden zwölf Monate erwartet.

Auch beim Chikungunya-Impfstoff IXCHIQ tut sich etwas abseits der etablierten Märkte. In Brasilien läuft seit Februar 2026 gemeinsam mit dem Instituto Butantan eine Pilotkampagne, im Rahmen derer bislang rund 50.000 Erwachsene im Alter von 18 bis 59 Jahren geimpft wurden. Ziel ist eine Abdeckung von 20 bis 40 Prozent der Zielbevölkerung.

Die Kampagne dient als Basis für Studien zu Sicherheit und Wirksamkeit nach der Marktzulassung, einschließlich spezieller Untersuchungen zu Schwangerschaften und HIV-infizierten Personen. Bereits im Mai hatte die lokal produzierte Version des Impfstoffs unter dem Namen „Butantan-chik“ die Zulassung in Brasilien erhalten.

Kurs bleibt volatil

An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus Zulassungsfantasie und operativem Verlust in hoher Schwankungsbreite wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 2,94 Euro, nach einem Kursanstieg von 38 Prozent binnen 30 Tagen. Über die vergangene Woche stand dagegen ein Rückgang von 4,1 Prozent zu Buche.

Die 30-Tage-Volatilität liegt bei 88 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der Markt die anstehenden regulatorischen Entscheidungen als entscheidenden Kurstreiber einpreist, während das operative Geschäft vorerst zweitrangig bleibt.

Im Juni hatte zudem Dr. Gerd Zettlmeissl den Vorsitz des Verwaltungsrats übernommen – ein personeller Wechsel an der Unternehmensspitze in einer Phase, in der Valneva zugleich restrukturiert und auf die nächste große Zulassungsentscheidung wartet.

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