Ein Konzern, zwei völlig unterschiedliche Geschäfte — und plötzlich stellt sich die Frage, ob sie überhaupt noch zusammengehören. Valmet hat am Freitag nicht nur Quartalszahlen vorgelegt, die über den Erwartungen lagen. Der finnische Prozesstechnik-Konzern lässt parallel prüfen, ob eine Aufspaltung in zwei eigenständige, an der Nasdaq Helsinki notierte Unternehmen mehr Wert schaffen würde als die aktuelle Struktur.
Zahlen schlagen Prognosen
Im zweiten Quartal stieg der Nettoumsatz um 6 Prozent auf 1,32 Milliarden Euro und übertraf damit selbst die optimistischste Analystenschätzung. Das vergleichbare EBITA kletterte ebenfalls um 6 Prozent auf 152 Millionen Euro, die Marge blieb mit 11,5 Prozent stabil und lag über dem Konsens von 11,3 Prozent. Der Auftragseingang fiel dagegen um 10 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro — vor allem, weil Großprojekte im Biomaterial-Geschäft ausblieben, auch wenn sich die Bestellungen dort im Quartalsvergleich bereits wieder erholten.
Warum eine Trennung überhaupt zur Debatte steht
Der eigentliche Auslöser für die Kursreaktion liegt in den Strukturdaten hinter den Segmenten. Process Performance Solutions, das Automatisierungs- und Flow-Control-Geschäft, kommt auf eine EBITA-Marge von gut 20 Prozent und liefert mittlerweile 48 Prozent des Konzern-EBITA — bei weniger als 30 Prozent des Umsatzes. Rund 70 Prozent der Aufträge stammen inzwischen aus Branchen außerhalb der klassischen Zellstoff- und Papierindustrie.
Biomaterial Solutions and Services dagegen bleibt auf Zellstoff, Papier, Karton, Tissue und Energie fokussiert, mit einer Marge von knapp 10 Prozent und einem hohen Serviceanteil am Auftragsvolumen. Diese Kluft in Wachstumsprofil und Kapitalbedarf ist der Kern der Überlegung: Der Verwaltungsrat will prüfen, ob getrennte Strategien und eine eigene Kapitalallokation für beide Sparten mehr Wert heben als die gemeinsame Struktur. Vorstandschef Pekka Vauramo betonte, eine Trennung komme nur infrage, wenn sie eindeutig im Interesse der Aktionäre liege. Eine Garantie für eine Transaktion gibt es nicht — ein Update soll spätestens mit den Jahreszahlen 2026 folgen.
Führungswechsel im Finanzressort
Am selben Tag meldete Valmet einen Wechsel an der Finanzspitze. Pia Aaltonen-Forsell, zuletzt CFO bei Finnair und zuvor unter anderem bei Outokumpu und Ahlström-Munksjö tätig, übernimmt den Posten spätestens Ende Januar 2027. Sie folgt auf Katri Hokkanen, deren Abschied bereits im März angekündigt worden war.
Die Jahresprognose für 2026 bleibt unverändert: Umsatz auf Vorjahresniveau von 5,2 Milliarden Euro, vergleichbares EBITA stabil bis leicht steigend gegenüber 620 Millionen Euro im Jahr 2025. Bis zur nächsten Bilanzvorlage entscheidet sich, ob aus der Prüfung ein konkreter Trennungsplan wird — oder ob Valmet als ein Konzern mit zwei sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten weitermacht.
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