Valeros Rekordquartal führt bei Analysten nicht zu einer einheitlichen Neubewertung. Gestern hob Wells Fargo sein Kursziel an und bestätigte die positive Einstufung. BofA senkte dagegen das Ziel und blieb neutral. Entscheidend ist damit weniger die Stärke des jüngsten Ergebnisses als die Frage, wie dauerhaft die außergewöhnlich hohen Raffineriemargen sind.
Kursziele steigen nicht durchweg
Wells Fargo erhöhte das Kursziel von 485 auf 489 US-Dollar und bestätigte „Overweight“. Das Analysehaus hält damit an seiner positiven Einschätzung nach den Quartalszahlen fest.
BofA beurteilt die Aktie zurückhaltender. Zwar würdigte das Haus das deutlich über den Erwartungen liegende Ergebnis. Für eine positivere Einstufung reichte das aber nicht.
Das Kursziel sank von 471 auf 465 US-Dollar. Die Empfehlung lautet weiterhin „Neutral“. BofA verwies zugleich darauf, dass Valeros Raffineriesysteme in den sieben Tagen vor dem Bericht keine Vorjahressignale für eine nachlassende Nachfrage gezeigt hätten.
Eine Ausnahme sah das Haus bei den europäischen Heizölverkäufen. Dort belastete wärmeres Wetter den Absatz. Die unterschiedliche Bewertung der Aktie lässt sich damit nicht einfach auf eine bereits breit einbrechende Nachfrage zurückführen.
Hohe Margen tragen den Gewinnsprung
Valero hatte am Donnerstag für das dritte Quartal 2026 einen Nettogewinn von 6,8 Milliarden US-Dollar gemeldet. Im Vorjahresquartal waren es 1,1 Milliarden US-Dollar gewesen.
Der zentrale Ergebnistreiber war das Raffineriegeschäft. Laut Reuters begünstigten kriegsbedingte Lieferausfälle in Iran und der Ukraine die Margen. Der Gewinnsprung spiegelt damit auch außergewöhnliche Bedingungen auf der Angebotsseite wider.
Die Raffineriemarge stieg auf 39,24 US-Dollar je Durchsatzbarrel nach 13,14 US-Dollar im Vorjahresquartal. Das operative Ergebnis der Sparte erreichte 8,8 Milliarden US-Dollar.
Für Anleger ist diese Herkunft des Gewinns wesentlich: Ein starkes Quartal belegt die aktuelle Ertragskraft. Es beantwortet aber noch nicht, welches Margenniveau sich bei veränderten Lieferbedingungen halten lässt.
Auch außerhalb der Raffinerien verbesserte sich das Ergebnis. Erneuerbarer Diesel erwirtschaftete einen Betriebsgewinn von 353 Millionen US-Dollar nach einem Verlust von 28 Millionen US-Dollar. Das Ethanolgeschäft steuerte 272 Millionen US-Dollar Betriebsgewinn bei.
Damit waren alle drei Geschäftsbereiche profitabel. Die Ergebnisverbesserung beschränkte sich also nicht auf das Raffineriegeschäft, auch wenn dieses den mit Abstand größten Beitrag lieferte.
Hoher Mittelzufluss schafft Spielraum
Der operative Cashflow erreichte 6,9 Milliarden US-Dollar. Dividenden und Aktienrückkäufe entsprachen 52 Prozent des bereinigten operativen Cashflows. Ende September verfügte Valero über 9,8 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln.
Der hohe Mittelzufluss gibt dem Ergebnisboom eine zusätzliche Dimension: Valero kann nicht nur hohe Buchgewinne ausweisen, sondern zugleich Kapital an Aktionäre zurückgeben und Investitionen finanzieren.
Für 2026 plant das Unternehmen Investitionen von rund 2 Milliarden US-Dollar. Die Reparaturen an der Port-Arthur-Raffinerie sollen bis Jahresende abgeschlossen sein. Die veranschlagten Kosten betragen etwa 250 Millionen US-Dollar und dürften zu einem erheblichen Teil versichert sein.
Die Analystenreaktionen zeigen dennoch: Finanzielle Stärke und ein Rekordergebnis reichen nicht automatisch für eine uneingeschränkt positive Aktienbewertung. Der entscheidende Bewertungsmaßstab bleibt die Ertragskraft nach dem außergewöhnlichen Margenhoch.
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