USA sichern sich Venezuelas Öl, Fed-Chef Warsh sorgt für Zinsschock, dichte Berichtswoche mit Dell, Broadcom und HPE

Ein US-Ölvertrag mit Venezuela, Warshs Inflationskurs und Zahlen von Dell, Broadcom sowie HPE prägen die neue Börsenwoche.

Auf einen Blick:
  • USA sichern Mehrheit venezolanischer Ölfelder
  • Anteilige Verteilung des Deals bleibt offen
  • Warsh verschiebt Zinserwartungen deutlich nach oben
  • Dell, Broadcom und HPE berichten

Der Start in den September bringt für Anleger gleich mehrere Themen mit erheblicher Tragweite: einen geopolitisch brisanten Ölvertrag zwischen den USA und Venezuela, eine überraschend scharfe Rede des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh sowie eine der dichtesten Berichtswochen des Jahres mit Dell, Broadcom und Hewlett Packard Enterprise.

Rückblick: DAX auf Rekordniveau

Der DAX ist auf einem neuen Rekordniveau ins Wochenende gegangen und startet entsprechend positiv gestimmt in den neuen Monat. Die Geldpolitik bleibt nach der Rede von Kevin Warsh ein zentrales Thema, auch für den Euroraum, während der Iran-Konflikt im Hintergrund weiterhin ungelöst bleibt. Die zuletzt gesunkenen Ölpreise nehmen dabei einen Teil des Inflationsdrucks aus dem System. Insgesamt haben sich die Perspektiven für den deutschen Aktienmarkt aufgehellt: Robuste Unternehmensgewinne, bessere Konjunkturdaten und ein kräftig gestiegener IFO-Geschäftsklimaindex sprechen für weiteres Potenzial, auch wenn die politische Lage fragil bleibt.

USA übernehmen Kontrolle über venezolanische Ölreserven

Für die größten Schlagzeilen des Wochenendes sorgte ein Ölgeschäft der US-Regierung in Venezuela. Über eine Partnerschaft mit privaten Unternehmen sichert sich Washington die Mehrheit an Ölfeldern mit rund 65 Milliarden Barrel nachgewiesener Reserven, verteilt auf 17 strategische Felder mit 100-jährigen Förderkonzessionen. Ein US-Vertreter spricht von 55 Prozent Kontrolle über die effektive Fördermenge, das Öl soll zum Selbstkostenpreis an die USA gehen. Damit entstünde nach offizieller Darstellung der zweitgrößte private Ölkonzern der Welt nach Reserven, gleich hinter Saudi Aramco.

Bemerkenswert ist dabei weniger die schiere Größe als die Konstruktion selbst: Die USA treten hier faktisch als unternehmerischer Miteigentümer an einem ausländischen Rohstoffgeschäft auf, ein historisch beispielloser Vorgang. Verglichen wird dies mit der britischen Kontrolle über iranische Ölfelder vor rund 100 Jahren oder der Aufteilung irakischer Vermögenswerte unter westlichen Nationen nach dem Ersten Weltkrieg. Eingebettet ist der Deal in eine politische Strategie, die auf eine Wiederbelebung der Monroe-Doktrin für die westliche Hemisphäre abzielt.

Die interimistische Präsidentin Venezuelas hat das Abkommen bestätigt und von historischen Dimensionen gesprochen, mit Blick auf erwartete Steuereinnahmen von rund 209 Milliarden Dollar für das Land. Offen bleibt allerdings die genaue Aufteilung der Anteile zwischen beiden Ländern – ein Punkt, der bereits für Kritik sorgt.

Vorausgegangen war dem Deal eine Kette dramatischer Ereignisse: US-Streitkräfte hatten frühere venezolanische Machthaber um Nicolás Maduro festgesetzt, venezolanische Öltanker beschlagnahmt und zahlreiche Boote angegriffen, denen Drogenschmuggel vorgeworfen wurde. Dabei kamen mehr als 200 Menschen ums Leben. Der jetzige Ölvertrag markiert den vorläufigen wirtschaftlichen Schlusspunkt dieser monatelangen geopolitischen Kampagne. Zudem soll Washington über das Verteidigungsministerium in Gesprächen mit einem umstrittenen venezolanischen Energieinvestor gestanden haben, der als zentrale Vermittlerfigur gilt.

Für Anleger bleibt entscheidend: Das Konstrukt ist rechtlich und politisch keineswegs gesichert. Ökonomen weisen darauf hin, dass kaum ein Unternehmen bereit sein dürfte, milliardenschwere Investitionen in neue Förderkapazitäten zu stecken, solange unklar bleibt, ob eine künftige US-Regierung an dem Deal festhält oder eine mögliche demokratisch gewählte venezolanische Regierung ihn überhaupt anerkennen würde.

Die aktuelle Ausgangslage relativiert zusätzlich die Erwartungen: Zwar ist Venezuelas Ölförderung in diesem Jahr gestiegen, im Juli lag sie aber bei lediglich rund 1,16 Millionen Barrel pro Tag – weniger als die Hälfte dessen, was das Land vor einem Jahrzehnt gefördert hat. Der Rückgang resultiert aus dem Abzug westlicher Energiekonzerne, jahrelanger Unterinvestition und Korruption. Venezuela hat einen langen Weg vor sich, um wieder auf frühere Fördermengen zu kommen, was wohl auch für die neuen Felder gelten dürfte.

Washington als Unternehmer: Muster mit Intel, MP Materials und Trilogy Metals

Der Venezuela-Deal reiht sich in eine Serie von Fällen ein, in denen sich die US-Regierung zunehmend unternehmerisch engagiert. Intel etwa hält seit rund einem Jahr eine Staatsbeteiligung, der Aktienkurs hat sich seither mehr als vervierfacht. MP Materials, Anbieter von seltenen Erden, legte seit einer 400-Millionen-Dollar-Beteiligung des Verteidigungsministeriums im vergangenen Juli deutlich zu. Trilogy Metals wiederum sprang nach Ankündigung einer 10-prozentigen Staatsbeteiligung binnen weniger Tage von rund 2 auf über 10 Dollar, hat den Großteil dieser Gewinne inzwischen aber wieder abgegeben. Auch MP Materials notierte zwischenzeitlich deutlich unter seinem Zwischenhoch, und selbst Intel hat, obwohl vom allgemeinen Chip-Boom getragen, seit dem Sommerhoch spürbar an Wert verloren.

Eine Staatsbeteiligung ist demnach kein Garant für dauerhaft steigende Kurse – die Effekte erweisen sich meist als kurzlebig. Das heißt jedoch nicht, dass solche Werte grundsätzlich zu meiden wären. Wer investiert ist, sollte sich bewusst sein, dass ein erheblicher Teil der Kursfantasie an einer politischen Konstruktion hängt, die alles andere als gefestigt ist. Am Ende müssen die jeweiligen Unternehmen auch im operativen Geschäft überzeugen.

Warsh schockt Märkte mit scharfer Tonlage

Das zweite große Thema der Woche ist die Geldpolitik. Fed-Chef Kevin Warsh hat bei seinem ersten großen Auftritt in Jackson Hole eine deutlich schärfere Tonlage angeschlagen, als viele Marktteilnehmer erwartet hatten. Sein zentraler Satz sinngemäß: Das Preisstabilitätsziel von 2 Prozent sei fest und unveränderlich, Preisstabilität stelle sich nicht von selbst ein, und die Inflation kehre nicht automatisch zu ihrem Mittelwert zurück.

Bemerkenswert ist der Verweis auf den Preisindex der Konsumentenausgaben als Referenzgröße. Beim letzten Zinsentscheid Ende Juli hatte Warsh im Rahmen einer geldpolitischen Neuausrichtung angedeutet, man werde die Aussagekraft traditioneller Konjunkturdaten überprüfen – was an den Märkten teils als Hinweis auf eine künftig höhere Inflationstoleranz gedeutet wurde. Mit seiner Rede in Jackson Hole hat Warsh solchen Spekulationen nun einen Riegel vorgeschoben. Die aktuellen Teuerungszahlen bezeichnete er als besorgniserregender als die jüngste Entwicklung am Arbeitsmarkt und stellte klar, der Hauptfokus der Notenbank solle auf den Preisen liegen.

Die Reaktion an den Terminmärkten fiel deutlich aus: Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte bei der Fed-Sitzung Mitte September sprang nach der Rede von rund 35 Prozent auf rund 60 Prozent – eine erhebliche Verschiebung binnen weniger Stunden. An den Anleihemärkten zeigte sich die Bewegung vor allem am kurzen Ende der Zinskurve: Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen, ein sensibler Indikator für Zinserwartungen, sprang um zwölf Basispunkte nach oben und notiert damit über ihrem bisherigen Jahreshoch.

Dichte Berichtswoche: Dell, Broadcom und HPE im Fokus

Die begonnene Woche bringt eine der dichtesten Berichtssaisonwochen des Jahres, mit mehreren Namen, die zeigen dürften, wie tragfähig der aktuelle KI-Boom tatsächlich ist. Den Anfang macht am Dienstag Dell, gefolgt am Mittwoch von Broadcom und Hewlett Packard Enterprise. Analysten erwarten, dass sowohl Dell als auch HPE ihre Prognosen erneut anheben – getragen sowohl von der Nachfrage nach KI-Servern als auch von klassischer, nicht KI-bezogener Infrastruktur.

Die Wachstumserwartungen für den globalen Markt für KI-Server in diesem Jahr wurden binnen weniger Monate von rund 64 auf über 80 Prozent im Jahresvergleich angehoben. Auch die Wachstumserwartungen für klassische Server-Infrastruktur außerhalb des KI-Bereichs sind von etwa 22 auf über 30 Prozent gestiegen, gestützt durch besser als erwartete Ergebnisse anderer Unternehmen in diesem Segment.

Noch größere Aufmerksamkeit dürfte Broadcom am Mittwoch bekommen. Das Unternehmen hatte im vorvergangenen Quartal einen Umsatz im Bereich KI-Halbleiter von knapp 11 Milliarden Dollar gemeldet, ein Plus von 143 Prozent im Jahresvergleich, und für das kommende Quartal ein Wachstum von über 200 Prozent in Aussicht gestellt. Bemerkenswert ist die Auftragslage: Die im vergangenen Quartal eingegangenen KI-bezogenen Bestellungen sollen die tatsächlich ausgelieferte Umsatzsumme um ein Vielfaches überstiegen haben, was auf eine erhebliche Sichtbarkeit für die kommenden Jahre hindeutet. Gleichzeitig zeigt sich, wie nervös der Markt inzwischen auf alles reagiert, was mit der Finanzierung des KI-Booms zusammenhängt.

Mit der Zinsdiskussion, den geopolitischen Entwicklungen rund um Venezuela und den anstehenden Unternehmensberichten dürfte die neue Woche für spürbare Marktschwankungen sorgen.

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