Liebe Leserinnen und Leser,
der US-amerikanische IT-Riese IBM hat in der zurückliegenden Handelswoche einen Kurssprung von knapp 16% hingelegt – ausgelöst durch eine Meldung, die zeigt, dass das Unternehmen im Quantencomputing trotz vieler Newcomer weiterhin zu den Top-Adressen weltweit gehört.
Wer dem „IT-Dino“ nach schwachen Monaten die Treue hielt, wurde belohnt. Wer noch nicht investiert ist, sollte sich überlegen, ob das Papier vielleicht zur Beimischung fürs Depot geeignet ist.
IBM und Washington bauen Amerikas erste Quantenchip-Fabrik
Denn am vergangenen Donnerstag gab das Unternehmen gemeinsam mit dem US-Handelsministerium bekannt, dass man Amerikas erste eigenständige Quantenchip-Fabrik errichten werde. Sie heißt Anderon, wird in Albany im Bundesstaat New York angesiedelt und wird aus dem staatlichen CHIPS-Programm mit einer Milliarde US-Dollar ausgestattet. IBM selbst legt eine weitere Milliarde drauf.
Die neue Fabrik folgt einer gezielten Regierungsstrategie: Das globale Quantum-Rennen hat begonnen und die USA wollen unbedingt vor den Chinesen über die Ziellinie. IBM gilt in Washington dabei als der verlässlichste Partner. Insgesamt werden 2 Mrd. US-Dollar auf neun Quantenunternehmen verteilt – darunter D-Wave, Rigetti und GlobalFoundries. IBM erhält allerdings mit Abstand den größten Einzelbetrag.
Was ist eigentlich ein Quantencomputer?
Falls Sie sich schon immer gefragt haben, was „dieses Quantencomputer“ ist, versuche ich es Ihnen kurz und einfach zu erklären: Quantencomputer unterscheiden sich von klassischen Rechnern grundlegend. Während normale Computerprozessoren mit Nullen und Einsen rechnen, nutzen Quantenrechner die Gesetze der Quantenphysik, um viele Berechnungen gleichzeitig durchzuführen – ähnlich wie ein Schachspieler, der nicht einen Zug nach dem anderen prüft, sondern tausende Züge parallel überblickt. Das ermöglicht es, bestimmte Probleme – etwa in der Medikamentenentwicklung, der Materialforschung oder der Kryptografie – in einem Bruchteil der Zeit zu lösen, die klassische Computer benötigen würden.
Der Haken bisher: Die Chips ließen sich kaum in nennenswerter Stückzahl und gleichbleibender Qualität herstellen. Genau das Problem soll allerdings jetzt mit Anderon angegangen werden. Die Fabrik wird auf sogenannte supraleitende Quantenchips spezialisiert sein – die gleiche Technologie, die IBM bereits in seinen kommerziellen Quantensystemen einsetzt. Dabei soll die Produktion nicht nur IBMs eigenen Bedarf decken, sondern auch anderen Quantenunternehmen rund um den Globus als Fertigungspartner zur Verfügung stehen.
IBM offensiv: Frühe Käufer werden direkten Vorteil spüren
Beim jüngsten IBM Think-Kongress in Boston präsentierten Forscher der Cleveland Clinic und RIKEN zudem ein eindrucksvolles Praxisergebnis: Erstmals gelang die Simulation eines Proteinkomplexes mit 12.635 Atomen auf IBM-Quantenhardware – das größte derartige Experiment dieser Art. Was sich technisch anhört wie eine Randnotiz aus dem Forschungslabor, ist in Wirklichkeit ein handfestes Signal: Quantenrechner können heute schon Probleme lösen, die klassische Computer schlicht überfordern.
IBM-Chef Arvind Krishna geht davon aus, dass erste Partner des Unternehmens noch in diesem Jahr einen sogenannten Quantenvorteil erzielen werden – also einen Nachweis, dass Quantencomputer bei konkreten Aufgaben klassischen Rechnern überlegen sind. Das alles ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern erste Anwendungsnachweise werden bereits erbracht.
Firmenkunden als Geschäftsbasis – Quantum als Zukunftschance
Natürlich: Wir sind noch ein Stück weit entfernt von Quanten-Milliardengewinnen in IBMs Quartalsberichten. Doch bis es so weit ist, ist auch interessant zu sehen, was IBM abseits des Quantenthemas leistet. Das Unternehmen hat im ersten Quartal die Analystenerwartungen zu Umsatz und Gewinn geschlagen. Das Software-Segment wächst zweistellig, der KI-Auftragsbestand von 12,5 Mrd. US-Dollar legte im Quartal um 30% zu. Die Kundenbasis aus Großbanken, Versicherern und Behörden ist krisenfest und bindet sich durch komplexe IT-Infrastruktur langfristig an IBM. Mit der angekündigten Übernahme von Confluent für rund 11 Mrd. US-Dollar – einem Spezialisten für Echtzeit-Datenströme – stärkt IBM seine KI-Plattform.
Gestern hat IBM zudem einen neuen Fünfjahresvertrag mit Abertis unterzeichnet – einem der weltweit größten Autobahnbetreiber mit Präsenz in Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien. IBM übernimmt dabei die Modernisierung der gesamten IT-Infrastruktur des Konzerns und entwickelt digitale Portale und Apps für Endnutzer – von der Mautabrechnung bis zur Fahrzeugverwaltung. Das klingt unspektakulär, ist aber genau das Geschäft, das IBM so wertvoll macht. IT-Verträge mit Großkunden sorgen für einen gut planbaren Zahlungsstrom, da der Kunde nicht einfach das System zu einem anderen Anbieter migrieren kann.
Aktie auch nach dem Kurssprung noch nicht zu teuer
Nach der starken Wochenperformance liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 inzwischen bei gut 19 – das historische Mittel ist jedoch ein ganzes Stück höher. Bis zum durchschnittlichen Kursziel der Analysten ist es aktuell nicht mehr weit – es ist jedoch anzunehmen, dass das Kursziel nach dem positiven Newsflow der vergangenen Tage weiter steigen wird. IBM ist ein Unternehmen, das auf dem aktuellen Kursniveau diverse Chancen bietet.
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