DAX tritt nach Chip-Schreck auf der Stelle
Der DAX hat sich gestern kaum bewegt und nach zwei Gewinntagen mit einem Minus von 0,07 Prozent geschlossen – weiterhin oberhalb der Marke von 25.000 Punkten. Auslöser für die Zurückhaltung war eine Meldung aus China: Der Speicher-Chip-Hersteller CXMT soll technologisch deutlich aufgeholt haben, was Befürchtungen schürte, westliche Speicherhersteller könnten nicht nur den chinesischen Markt, sondern auch international an Boden verlieren. Das drückte Halbleiterwerte rund um den Globus, auch in Deutschland. Infineon verlor 2,1 Prozent, in der zweiten Reihe ging es deutlicher abwärts: Elmos Semiconductor verlor 6,3 Prozent, Aixtron verlor spürbar, der Waferhersteller Siltronic 2,4 Prozent. Dabei fällt auf, dass offenbar ohne genauen Blick auf die jeweiligen Geschäftsmodelle verkauft wurde – Aixtron ist Maschinenbauer für die Halbleiterfertigung, bei dem sich ein Zusammenhang zu den chinesischen Fortschritten nicht unmittelbar erschließt. Entsprechend dürften bald Gegenbewegungen möglich sein.
An der Wall Street zeigte sich ein ähnliches Bild: Der Dow Jones schloss 0,35 Prozent tiefer, der S&P 500 trat auf der Stelle, der Nasdaq 100 gab 0,31 Prozent nach. Auch hier belastete die CXMT-Meldung die Chipwerte. Micron verlor 3,6 Prozent – nachvollziehbar, da das Unternehmen ein direkter Konkurrent ist. Härter traf es Applied Materials mit einem Minus von 6,7 Prozent, wobei hier zusätzlich ein Investorentag stattfand, bei dem konkrete Zahlen ausblieben.
Etwas Halt gab dem Markt der Chef der New Yorker Notenbank, der angesichts der hohen Teuerung in diesem Jahr noch eine weitere Zinserhöhung für angemessen hält, für 2027 aber keinen weiteren Schritt für nötig erachtet.
Für den heutigen Tag zeichnet sich ein freundlicheres Bild ab: Der DAX notierte vorbörslich leicht im Plus, Tokio und Seoul gingen jeweils mit knapp einem Prozent Gewinn aus dem Handel. Nach dem Sell-off im Halbleiter- und KI-Bereich dürften vor allem Positionsanpassungen den Ton angeben.
Banken verdienen mehr – und werden trotzdem abgestraft
Die Berichtssaison ist angelaufen, heute folgen Bank of America und Morgan Stanley. Gestern haben bereits vier Großbanken ihre Zahlen vorgelegt und zusammen deutlich mehr verdient als vor einem Jahr. Die Umsätze stiegen insgesamt spürbar. Treiber sind der Finanzierungsbedarf rund um künstliche Intelligenz, schwankende Aktienmärkte und eine robuste Konsumfreude der Verbraucher.
Klarer Gewinner des Tages war Goldman Sachs: Die Investmentbank übertraf die Gewinnerwartungen deutlich. Der Umsatz legte spürbar zu – das zweitbeste Quartal der Firmengeschichte. Auch das Aktiengeschäft wuchs kräftig.
Bei JPMorgan lief es weniger rund: Der Gewinn stieg zwar auf rund 15,3 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie lag mit 5,57 Dollar aber unter den Erwartungen. Der Umsatz von gut 50 Milliarden Dollar lag über den Erwartungen, unter anderem trotz eines Verlusts von knapp 660 Millionen Dollar mit Wertpapieren im eigenen Bestand.
Die Citigroup übertraf die Erwartungen zwar ebenfalls, der Gewinnsprung von rund 40 Prozent wirkt aber größer als er ist, da im Vorjahresquartal eine Abschreibung im Zusammenhang mit der mexikanischen Tochter Banamex das Ergebnis belastet hatte. Trotz starker Zahlen fiel die Aktie.
Wells Fargo lag beim Gewinn knapp über, beim Umsatz leicht unter den Erwartungen. Da die Prognose für den Zinsüberschuss nicht angehoben wurde, sank die Aktie.
Der Grund für die Kursreaktionen trotz operativer Stärke liegt am Anleihenmarkt: Die Renditen langlaufender Staatsanleihen notieren auf dem höchsten Stand seit einem Vierteljahrhundert. Der Konflikt im Nahen Osten, die hartnäckige Inflation und Sorgen um die Staatsfinanzen bremsen das Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen. Höhere Zinsen sind für Banken ein zweischneidiges Schwert – sie verdienen zwar mehr an Krediten, müssen aber auch mehr für Einlagen zahlen, während die Kreditnachfrage unter einer möglichen Konjunkturabkühlung leiden könnte. Der Finanzchef von JPMorgan warnte vor einer signifikanten Abschwächung, sollte die Fed die Zinsen weiter anheben. Jamie Dimon merkte sinngemäß an, niemand wisse, wann das derzeit gute Umfeld ende. Der KBW-Nasdaq-Bank-Index hat zuletzt spürbar an Boden verloren.
Berkshire mit Gewinnserie, Microsoft auf Rekordhoch
Bei Berkshire Hathaway gab es zuletzt eine bemerkenswerte Serie von neun Gewinntagen in Folge bei der B-Aktie. Vor Kurzem hatte Warren Buffett den Vorsitz im Verwaltungsrat an seinen Sohn Howard übergeben. Viele Anleger hatten einen Kursabschlag befürchtet, doch die aktuelle Serie deutet darauf hin, dass der Markt den Generationswechsel akzeptiert hat. In einer Phase steigender Zinsen und schwankender Technologiewerte gilt Berkshire vielen als Stabilitätsanker.
Microsoft markierte unterdessen ein neues Rekordhoch auf Schlusskursbasis – das erste seit Ende Oktober 2025. Die Marktkapitalisierung stieg über die Marke von 4 Billionen Dollar. Microsoft hat seinen KI-Assistenten Co-Pilot erweitert und profitiert von der Cloud-Plattform Azure. Analysten von Barclays und Morgan Stanley bekräftigten ihre positiven Einschätzungen zu dem Titel.
ASML: Produktion kommt mit der Nachfrage nicht hinterher
ASML hat heute früh Zahlen vorgelegt, die die Dynamik im Halbleitersektor unterstreichen. Der Umsatz erreichte im dritten Quartal einen Rekordwert, ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn hat sich auf rund 5 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Für das Gesamtjahr rechnet der niederländische Konzern mit 44 bis 45 Milliarden Euro Umsatz.
Die eigentliche Botschaft des Tages: ASML kann die Nachfrage in den kommenden zwei Jahren mit den bisherigen Produktionsplänen nicht vollständig bedienen. Einige Kunden wollen bereits Aufträge für die Jahre 2029 oder 2030 platzieren. ASML ist weltweit der einzige Hersteller der modernsten Belichtungsmaschinen für die Chipproduktion, und da zwischen Bestellung und Auslieferung mehr als ein Jahr liegt, gilt das Unternehmen als Frühindikator für die Branche.
Lufthansa vor Entscheidung in Lissabon
Im Bieterrennen um die portugiesische Staats-Airline TAP scheint eine Vorentscheidung gefallen zu sein. Medienberichten zufolge soll die Lufthansa den Zuschlag für 44,9 Prozent der Anteile erhalten, die Regierung in Lissabon will heute darüber entscheiden. Ausschlaggebend dürfte gewesen sein, dass die Lufthansa den Kaufpreis in bar zahlen will und über die solidere Finanzlage verfügt. Strategisch ergibt der Deal Sinn, da TAP stark auf Brasilien und Südamerika ausgerichtet ist – Lissabon könnte so zu einem weiteren Drehkreuz für den Konzern werden.
Chinas Robotermarkt: Ein Geschäft mit Billionen-Potenzial
Im Zentrum des heutigen Ausblicks steht der chinesische Robotermarkt. Laut Morgan Stanley könnte das Geschäft mit humanoiden Robotern bis 2050 auf ein Volumen von mehr als 5 Billionen Dollar wachsen. Im ersten Halbjahr 2026 stammten 97 Prozent aller weltweit ausgelieferten humanoiden Roboter von chinesischen Herstellern. Besonders hervorzuheben ist das Pekinger Startup LinkerBot, das mehr als 80 Prozent der modernsten Roboterhände weltweit liefert.
Chinas Vorsprung hat strukturelle Gründe: Peking verfolgt seit mehr als zehn Jahren eine nationale Robotikstrategie, und der Boom bei Elektroautos hat eine umfassende Zuliefererkette für Motoren und Sensoren geschaffen. Die USA wiederum haben ihren Trumpf bei Software und den leistungsfähigsten Chips.
Für deutsche Anleger, die an diesem Trend partizipieren wollen, ist der bekannteste Name Unitree – allerdings nur am Star Market in Shanghai notiert und damit schwer zugänglich. Leichter erreichbar sind Werte mit Parallel-Listings in Hongkong, etwa UBTech Robotics. Auch Dobot und Horizon Robotics sind über die Börse Hongkong sowie deutsche Handelsplätze handelbar. Neben diesen Pure Plays gibt es Unternehmen wie XPeng, die humanoide Roboter planen, oder E-Commerce-Konzerne wie JD.com, die autonome Logistiksysteme betreiben.
Auf US-Seite wäre Tesla am direktesten betroffen, da die Abhängigkeit von chinesischen Zulieferern erheblich ist. Nvidia liefert Chips für die physische KI, Alphabet forscht über Google DeepMind an entsprechenden Technologien, und Amazon setzt bereits Roboter des Anbieters Agility ein. China hat demnach bei der Hardware einen klaren Vorsprung – die Kombination mit leistungsfähiger Software steht in diesem Bereich noch aus.
Am Nachmittag stehen die US-Inflationsdaten sowie Zahlen von Bank of America und Morgan Stanley an, zudem wird aus Lissabon die Entscheidung über die Fluglinie TAP erwartet.
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