Ein Gerichtsurteil aus Delaware hat United Therapeutics heute einen der stärksten Kurssprünge der vergangenen Zeit beschert. Die Aktie legte im Handelsverlauf zweistellig zu und stieg zeitweise bis auf 556,20 Dollar. Der Rivale Liquidia verlor im Gegenzug fast die Hälfte seines Börsenwerts.
Das Urteil im Detail
Das Bundesgericht gab United Therapeutics in zentralen Punkten recht. Die Ansprüche 1 und 14 des Patents 11,826,327 gelten als gültig und von Liquidia verletzt. Sie betreffen die Behandlung von pulmonaler Hypertonie bei Patienten mit interstitieller Lungenerkrankung (PH-ILD) durch inhaliertes Treprostinil, den Wirkstoff hinter Tyvaso.
Die übrigen vier geltend gemachten Ansprüche erklärte das Gericht für ungültig. Der Erfolg ist also nur ein Teilsieg, aber ein wirtschaftlich gewichtiger.
Denn das Urteil trifft Liquidias Produkt Yutrepia an einer empfindlichen Stelle. Die PH-ILD-Indikation macht rund die Hälfte des aktuellen Marktes des Präparats aus. Liquidia will beim US-Arzneimittelamt FDA beantragen, diese Indikation aus dem Etikett zu streichen, und zugleich in Berufung gehen.
Was noch offen ist
United Therapeutics hat in Nachverhandlungsschriften einen Unterlassungsanspruch gefordert, der Yutrepia über eine reine Etikettenänderung hinaus einschränken könnte. Binnen einer Woche müssen die Parteien dem Gericht Vorschläge für die Rechtsfolgen vorlegen.
Liquidia erklärt, die finanziellen Folgen ließen sich derzeit nicht beziffern. Die Aktie des Konzerns fiel zeitweise um knapp 50 Prozent auf 36,55 Dollar, der Handel wurde mehrfach unterbrochen.
Für United Therapeutics kommt der Erfolg zu einem günstigen Zeitpunkt. Das Unternehmen schließt gerade einen beschleunigten Aktienrückkauf über 477,6 Millionen Dollar ab, die letzte Tranche eines Programms über 2 Milliarden Dollar. Außerdem hat die FDA einen ergänzenden Zulassungsantrag für vernebeltes Tyvaso bei idiopathischer Lungenfibrose angenommen. Die Entscheidung wird für Ende April 2027 erwartet.
Das Analystenbild war zuletzt uneinheitlich. Goldman Sachs eröffnete die Bewertung mit „Sell“ und einem Kursziel von 321 Dollar, der breitere Konsens lag dagegen bei „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Ziel von 621 Dollar. Der Gerichtserfolg dürfte die Bewertung der Tyvaso-Franchise stützen, zumal der Gesamtmarkt nur moderat zulegte und der Pharmasektor leicht im Minus lag.
Die nächsten konkreten Termine sind die Vorschläge zu den Rechtsfolgen in einer Woche sowie die FDA-Entscheidung zu Tyvaso bei Lungenfibrose Ende April 2027.
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