Uniper hebt die Untergrenzen seiner Jahresprognose an und liefert damit den zweiten Beweis in Folge, dass sich das einstige Krisenunternehmen finanziell stabilisiert hat. Spannender als die Zahlen selbst ist aber, wohin das Management künftig wachsen will: an die Kraftwerksstandorte sollen Rechenzentren für die KI-Wirtschaft ziehen.
Gasgeschäft zieht die Bilanz nach oben
Im ersten Halbjahr verdoppelte sich das bereinigte operative Ergebnis nahezu auf 711 Millionen Euro, der bereinigte Nettogewinn stieg auf 388 Millionen Euro. Den größten Sprung lieferte das Gasgeschäft, weil kostenintensive Umbaumaßnahmen aus dem Vorjahr wegfielen und sich die Handelssparte von einem Verlust ins Plus drehte. Belastet wurde das Ergebnis dagegen von schwacher Wasserkraft in Deutschland und Schweden sowie einer ungeplant langen Reparatur am schwedischen Atomkraftwerk Oskarshamn 3, das im Juli wieder normal ans Netz ging.
Für das Gesamtjahr rechnet Uniper nun mit einem bereinigten Ebitda zwischen 1,1 und 1,3 Milliarden Euro sowie einem bereinigten Nettogewinn zwischen 500 und 600 Millionen Euro — die jeweiligen Untergrenzen wurden um 100 respektive 150 Millionen Euro angehoben. Nach eigenen Angaben hat der Konzern bereits knapp 60 Prozent des mittleren Zielwerts für das Gesamtjahr eingefahren. Der operative Cashflow lag mit fast zwei Milliarden Euro auf ungewöhnlich hohem Niveau, was das Unternehmen jedoch vor allem mit saisonalen Effekten begründet, die sich im zweiten Halbjahr wieder umkehren dürften.
Kraftwerksstandorte als KI-Immobilien
Vorstandschef Michael Lewis sieht in den bestehenden Netzanschlüssen an Uniper-Standorten einen Standortvorteil, den viele Rechenzentrums-Entwickler in Deutschland sonst jahrelang suchen müssten. Mehr als zehn Standorte seien bereits identifiziert, drei Projekte — zwei in Großbritannien, eines in Deutschland — befänden sich in fortgeschrittener Entwicklung. Ein erstes britisches Projekt sei bereits abgeschlossen, konkrete Details zu den übrigen Vorhaben will das Unternehmen wegen laufender Verhandlungen mit möglichen Partnern erst innerhalb der kommenden 18 Monate nennen. Auch Wettbewerber RWE treibt ähnliche Pläne auf eigenen Industriestandorten voran.
Parallel dazu bereitet sich Uniper auf die deutschen Kapazitätsauktionen vor: Für hydrogenfähige Gaskraftwerke an den Standorten Scholven und Staudinger will der Konzern 1,7 Gigawatt einbringen, die Preise mit dem Anlagenbauer Siemens Energy seien bereits fixiert. Die erste Auktionsrunde ist für den 8. September angesetzt.
Der Bund bleibt vorerst Mehrheitseigentümer, treibt aber den geplanten Verkauf seiner Anteile voran — sowohl ein Privatverkauf als auch ein Börsengang stehen laut Unternehmensangaben weiterhin als Optionen im Raum. Wie schnell sich der Staat aus seiner Krisenrettung von 2022 zurückzieht, dürfte auch davon abhängen, wie überzeugend Uniper die neuen Wachstumsfelder bis zum Jahresende mit konkreten Projekten unterlegen kann.
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