Der Energiekonzern Uniper blickt nach einem erfolgreichen ersten Halbjahr deutlich optimistischer auf das laufende Geschäftsjahr. Das Unternehmen hat die Untergrenze seiner Prognose für das bereinigte Nettoergebnis angehoben und reagiert damit auf eine Stabilisierung im operativen Geschäft. Vor allem der Wegfall massiver negativer Sondereffekte im Gashandel, die das Vorjahr belastet hatten, trug maßgeblich zur Ergebnisverbesserung bei.
Am Dienstag konkretisierte Uniper die Ziele für 2026: Das Management erwartet nun ein bereinigtes Nettoergebnis zwischen 500 Millionen und 600 Millionen Euro. Beim bereinigten EBITDA wird eine Spanne von 1,1 Milliarden bis 1,3 Milliarden Euro angestrebt.
Die am Dienstag gemeldeten Zahlen für das zweite Quartal unterstreichen diesen Trend. Das bereinigte EBITDA kletterte in diesem Zeitraum auf 711 Millionen Euro, nachdem im Vorjahresquartal lediglich 379 Millionen Euro erzielt worden waren. Laut Reuters konnte der operative Gewinn in den ersten sechs Monaten des Jahres nahezu verdoppelt werden.
Strategische Neuausrichtung und langfristige Sicherung
Parallel zur finanziellen Erholung treibt Uniper den Umbau seines Portfolios voran. Das Unternehmen plant, das Geschäft mit Rechenzentren massiv auszuweiten. Hierfür wurden bereits Standorte identifiziert, die für Verkäufe oder Vermietungen an spezialisierte Entwickler infrage kommen. Diese Strategie soll helfen, vorhandene Infrastruktur effizienter zu nutzen und neue Einnahmequellen jenseits des klassischen Energiehandels zu erschließen.
Um die langfristige Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sicherte sich der Konzern zudem neue Bezugsquellen für Flüssigerdgas (LNG). Am 30. Juli schloss Uniper einen Vertrag mit einer Laufzeit von 20 Jahren für Lieferungen aus dem kanadischen Ksi-Lisims-Projekt ab.
Trotz dieser Fortschritte mahnte der Uniper-Chef zur Wachsamkeit hinsichtlich der kommenden Wintermonate. Er warnte vor potenziell zu niedrigen Füllständen der deutschen Gasspeicher und nannte einen Zielwert von 70 % bis November als wichtige Orientierung.
Ein weiteres Risiko für die Preisstabilität bleibt laut Reuters die geopolitische Lage: Sollte die Straße von Hormus geschlossen werden, müsse mit anhaltend hohen Gaspreisen gerechnet werden.
Bewegung in der Eigentümerstruktur
An der Börse wird die Entwicklung des Versorgers positiv aufgenommen. Die Aktie notiert aktuell bei 47,00 Euro, was einer Wertsteigerung von 44 % seit Jahresbeginn entspricht. Durch diese Rallye hat sich das Papier deutlich von längerfristigen Trendlinien abgesetzt und liegt nun 20 % über seinem 200-Tage-Durchschnitt. Damit rückt auch die Frage nach der künftigen Eigentümerstruktur wieder in den Fokus der Anleger.
Medienberichten zufolge gibt es konkrete Signale für einen geplanten Ausstieg des Staates. Der Bund soll Kaufinteressenten dazu aufgefordert haben, Gebote für das Unternehmen abzugeben. Dies deutet darauf hin, dass der Prozess zur Reprivatisierung des nach der Energiekrise verstaatlichten Konzerns an Fahrt gewinnt.
Uniper selbst gab zudem an, von aktuellen hydrologischen Herausforderungen wie niedrigen Wasserständen derzeit nicht in seinem Betrieb beeinträchtigt zu sein.
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