Die Unicredit-Aktie hat sich in den letzten Handelstagen zwischen 75 und 80 € stabilisiert. Wie geht es nun weiter in Sachen Commerzbank-Übernahme?
In der heißen Phase
Der Übernahmekampf um die Commerzbank hat in diesen Tagen eine kritische Phase erreicht. Das Ringen zwischen der italienischen Unicredit und der Commerzbank-Führung ist zu einer regelrechten Schlammschlacht um die Gunst der Aktionäre geworden.
Am Freitag, den 3. Juli 2026, läuft die verlängerte Frist für das offizielle Umtauschangebot der Unicredit endgültig ab. Die italienische Großbank bietet den Commerzbank-Aktionären 0,485 eigene Aktien im Tausch für ein Commerzbank-Papier.
Da der Aktienkurs der Commerzbank an der Börse derzeit höher notiert, als es dieses Umtauschverhältnis widerspiegelt, bietet das Angebot de facto keine Prämie. Für unabhängige Aktionäre wäre ein Umtausch aktuell ein Verlustgeschäft.
Beide Banken liefern sich derzeit einen heftigen Schlagabtausch darüber, wie erfolgreich das Angebot bisher war. Laut den Italienern wurde das Tauschangebot innerhalb der regulären Frist vonn knapp 12,5 Prozent der Commerzbank-Aktien angenommen. Zusammen mit ihren bisherigen Anteilen und Derivaten käme die Unicredit damit rechnerisch auf eine Machtbasis von rund 38 bis 41 Prozent.
In einem dringenden, offenen Brief an alle Aktionäre vom 26. Juni hat Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp die Zahlen der Italiener scharf attackiert und als irreführend bezeichnet. Die Commerzbank hat die Finanzaufsicht BaFin eingeschaltet. Die Argumentation der Frankfurter: Von den über 500.000 Privatanlegern und Fonds im Streubesitz haben lediglich etwas mehr als ein Prozent das Angebot angenommen. Der große Rest der angedienten Aktien stamme von Banken, die als Partner direkt mit der Unicredit verflochten sind.
Eine breite Abwehrfront
Die Abwehrfront gegen die Italiener ist breit aufgestellt. Die Bundesregierung ist mit rund zwölf Prozent der zweitgrößte Aktionär der Commerzbank. Die Finanzagentur des Bundes hat offiziell klargestellt, dass sie ihre Aktien nicht an die Unicredit übertragen wird, da der Preis zu niedrig und das aggressive Vorgehen von Unicredit-Chef Orcel unangemessen sei.
Zudem laufen die Gewerkschaft ver.di und der Betriebsrat Sturm gegen die Fusion, da sie den Abbau von bis zu 10.000 Arbeitsplätzen befürchten. Sie haben angekündigt, im Falle einer Übernahme jegliche konstruktive Zusammenarbeit im Konzern einzustellen.
Anfang nächster Woche wird das offizielle Endergebnis feststehen. Es wird sich zeigen, wie viele freie Aktionäre trotz der fehlenden Prämie schwach geworden sind. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die BaFin müssen offiziell prüfen, ob die Unicredit ihren Anteil überhaupt legal über die wichtige 30%- bzw. 50%-Schwelle hieven darf. Ein endgültiger Vollzug der Übernahme wird von Experten ohnehin nicht vor 2027 erwartet.
Sollte Andrea Orcel am Ende des Tages über 30 % oder gar 40 % der Stimmrechte kontrollieren, wird er versuchen, auf der nächsten Hauptversammlung Druck auszuüben, um den Commerzbank-Aufsichtsrat und den Vorstand mit eigenen Leuten zu besetzen, um die Fusion so zu erzwingen.
Die Unicredit hat sich zwar über Finanzkonstrukte viel Macht eingekauft, rennt aber politisch gegen eine Wand. Solange die Italiener ihr Angebot nicht finanziell drastisch nachbessern (also eine echte Bar-Prämie drauflegen), bleibt die Übernahme blockiert.
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