Die italienische Großbank UniCredit hat bei der Reduzierung ihrer verbliebenen Russland-Aktivitäten einen entscheidenden Schritt nach vorn gemacht. Gestern unterzeichnete der russische Präsident Wladimir Putin ein Dekret, das die gesellschaftsrechtliche Aufspaltung der russischen Tochtergesellschaft und den Verkauf von Unternehmensteilen genehmigt.
Für die geplante Eigentümerstruktur sind dem Erlass zufolge keine weiteren Genehmigungen nach russischem Recht erforderlich. An der Börse legte das Papier heute um 0,8 Prozent auf 80,80 Euro zu.
Aufteilung in Zahlungsabwicklung und Kernbank
Der Plan sieht vor, das bisherige Institut in zwei eigenständige Einheiten aufzuteilen. UniCredit beabsichtigt, eine neu ausgegliederte Gesellschaft vollständig zu behalten. Diese Einheit soll sich auf die internationale Zahlungsabwicklung in Euro und US-Dollar für westliche sowie russische Unternehmenskunden konzentrieren, gegen die keine Sanktionen verhängt wurden.
Das verbleibende operative Bankgeschäft soll hingegen vollständig an einen privaten Investor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten übertragen werden. Erste unverbindliche Eckpunkte für diesen Verkauf hatte UniCredit im Mai vereinbart. Der Vollzug der Transaktion wird im ersten Halbjahr 2027 erwartet, steht jedoch noch unter dem Vorbehalt bindender Vertragswerke, der tatsächlichen Trennung der Geschäftsbereiche und behördlicher Zustimmungen.
Seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine im Februar 2022 hatte das Institut seine Risiken vor Ort schrittweise abgebaut. Das grenzüberschreitende Kreditrisiko, das im März 2022 noch bei 4,5 Milliarden Euro lag, wurde inzwischen vollständig abgebaut. Die lokalen Kredite sanken von 7,1 Milliarden Euro auf rund 0,5 Milliarden Euro.
Belastung der GuV trifft auf Kapitalentlastung
Der finanzielle Preis für den Schnitt ist allerdings beträchtlich. UniCredit beziffert die kumulierte negative Auswirkung auf das Finanzergebnis auf 3,0 bis 3,3 Milliarden Euro. Davon entfallen etwa 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro auf Währungsreserven, die erfolgswirksam aufgelöst werden, aber nicht zahlungswirksam sind und daher die regulatorische Kapitalquote nicht belasten.
Trotz des buhalterischen Ergebnisabschlags rechnet das Mailänder Institut unter dem Strich mit einem regulatorischen Kapitalgewinn von rund 35 Basispunkten. Dieser ergibt sich im Wesentlichen aus der massiven Reduzierung der risikogewichteten Aktiva und dem Wegfall möglicher Extremverlustrisiken in Russland. Die Ausschüttungspläne sowie die bis zum Jahr 2030 gesteckten Nettogewinnziele bleiben von der Maßnahme unberührt.
Strategische Tragweite für Vorstandschef Orcel
Für UniCredit-Chef Andrea Orcel bringt das Dekret vor allem strategische Planungssicherheit. Der Stillstand im Russlandgeschäft galt am Kapitalmarkt lange als Belastungsfaktor, der auch die weiteren europäischen Expansionsschritte der Bank überschattete. UniCredit drängt parallel dazu auf Führungsebenenwechsel bei der Commerzbank; vor gut drei Wochen hatte die Bundesregierung bereits Auflagen für eine mögliche Commerzbank-Übernahme formuliert.
Mit dem schrittweisen Vollzug in Moskau gewinnt die Mailänder Führung nun Handlungsspielraum zurück. Seit Jahresanfang verzeichnet die UniCredit-Aktie ein Kursplus von 14 Prozent, während Investoren auf die Veröffentlichung der Quartalszahlen am 21. Oktober blicken. Das verbleibende Restrisiko besteht vor allem in der präzisen technischen Entflechtung beider Einheiten bis zum anvisierten Abschluss im kommenden Jahr.
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