Unicredit Aktie: Nur 12,51% bei Commerzbank-Annahmefrist

UniCredit kontrolliert nach erster Annahmefrist über 42 Prozent der Commerzbank, doch politischer und rechtlicher Widerstand bleibt bestehen.

Auf einen Blick:
  • Erste Angebotsfrist endet verhalten
  • Staatsanwaltschaft prüft mögliche Marktmanipulation
  • Rekordgewinn von 3,2 Milliarden Euro
  • Mehrheit der Analysten rät zum Kauf

Zwölf Prozent angedient, Berliner Widerstand ungebrochen, Staatsanwaltschaft ermittelt — und die Aktie notiert trotzdem nahe ihrem Allzeithoch. Bei UniCredit laufen gerade mehrere Spannungsbögen gleichzeitig.

Erste Annahmefrist: Verhaltenes Ergebnis

Die erste Annahmefrist für das 42-Milliarden-Euro-Angebot auf Commerzbank endete am 16. Juni. Nur 12,51 Prozent der Commerzbank-Aktionäre haben ihre Papiere angedient. UniCredit kann damit insgesamt mehr als 42 Prozent der Commerzbank kontrollieren — aber ein klarer Durchbruch sieht anders aus.

Das Kernproblem ist strukturell. UniCredits implizierter Angebotspreis liegt deutlich unter dem aktuellen Börsenkurs der Commerzbank. Wer annimmt, realisiert einen Verlust gegenüber dem Marktpreis. Große institutionelle Investoren haben das schlicht abgelehnt.

Seit Freitag läuft die zweite Annahmefrist — bis zum 3. Juli. Zwischenergebnisse wird UniCredit nicht veröffentlichen. Das endgültige Ergebnis folgt Anfang Juli.

Rechtliche und politische Gegenwinde

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat ein Vorermittlungsverfahren wegen möglicher Marktmanipulation eingeleitet. Bislang hat sie kein Fehlverhalten festgestellt. Commerzbank wirft UniCredit vor, den Markt in die Irre geführt zu haben — mit dem Hinweis, dass viele der angedienteten Aktien von Geschäftspartnern wie Nomura stammten, nicht von unabhängigen Investoren. BaFin soll den Vorgang prüfen.

Berlin bleibt hart. Die Bundesregierung, die noch rund 12 Prozent an der Commerzbank hält, hat das Angebot formal abgelehnt. Die Prämie sei unzureichend, der Ansatz zu aggressiv. UniCredit rechnet ohnehin nicht vor 2027 mit einem Abschluss — regulatorische Genehmigungen brauchen Zeit, unabhängig vom Ausgang.

Rekordquartal stützt den Kurs

Trotz allem läuft die Aktie stark. In den vergangenen sieben Handelstagen legte sie rund 9 Prozent zu und schloss am Freitag bei 79,91 Euro — nur 1,24 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 80,91 Euro.

Der Grund liegt nicht nur im Commerzbank-Drama. UniCredit meldete für das erste Quartal 2026 einen Nettogewinn von 3,217 Milliarden Euro. CEO Andrea Orcel sprach vom „besten Quartal in unserer Geschichte“. Die Erlöse stiegen um 4,9 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro, die Aufwandsquote sank auf 33,4 Prozent. Das Gewinnziel für das Gesamtjahr hob die Bank auf mindestens 11 Milliarden Euro an.

Analysten bleiben optimistisch

Die Analystengemeinde zeigt sich wenig beeindruckt von den Risiken rund um Commerzbank. Von 16 Analysten empfehlen zwölf die Aktie zum Kauf, keiner rät zum Verkauf. JPMorgan bestätigte am 11. Juni sein Overweight-Rating mit einem Kursziel von 89 Euro. BNP Paribas stufte UniCredit zuletzt auf Outperform hoch.

Ob die zweite Annahmefrist mehr Bewegung bringt, hängt vor allem an einer Frage: Schließt UniCredit die Bewertungslücke — durch ein verbessertes Angebot oder einen Kursrückgang bei Commerzbank? Ohne eine der beiden Entwicklungen dürfte der institutionelle Widerstand am 3. Juli genauso groß sein wie heute.

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