Unicredit Aktie: Knapp vor der Mehrheit

Unicredit kommt dem Ziel einer Mehrheit an der Commerzbank durch hohe Annahmequoten im Übernahmeangebot deutlich näher.

Auf einen Blick:
  • Annahmequote übertrifft Erwartungen
  • Direkter Anteil steigt auf 44 Prozent
  • Orcel plant europäische Großbank
  • Aufsichtsrechtliche Hürden bleiben bestehen

Andrea Orcel war so nah an seinem Ziel noch nie. Das Übernahmeangebot von Unicredit für die Commerzbank hat in der verlängerten Annahmefrist deutlich mehr Zuspruch gefunden als von der italienischen Großbank selbst erwartet — und rückt eine Mehrheit an der Frankfurter Bank in greifbare Nähe.

Bis zum Ablauf der weiteren Annahmefrist am 3. Juli wurden Unicredit 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient, nach 12,51 Prozent zum Ende der regulären Frist am 16. Juni. Zusammen mit dem bereits gehaltenen Anteil von 26,77 Prozent steigt die direkte Beteiligung damit auf gut 44 Prozent. Über Kaufoptionen und Derivate kommt Unicredit nach eigenen Angaben sogar auf mehr als 47 Prozent — umgerechnet auf die Stimmrechte liegt der Wert bei 49,65 Prozent, da die eigenen Aktien der Commerzbank nicht stimmberechtigt sind.

Ergebnis übertrifft eigene Erwartungen

Unicredit selbst spricht davon, dass das Resultat die eigenen Prognosen deutlich übertroffen habe. Das Institut kann nun an der Börse weitere Commerzbank-Aktien zukaufen, steht dabei aber unter Beobachtung der Finanzaufsicht. Bis zu einer tatsächlichen Übernahme bleiben trotz des Sprungs mehrere Hürden bestehen: Neben zusätzlichen Zukäufen bräuchte es grünes Licht von der EZB-Bankenaufsicht sowie den Wettbewerbshütern der EU-Kommission.

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lehnt eine Übernahme weiterhin ab, ebenso wie der Bund als Ankeraktionär. Unicredit hatte bereits angedeutet, bei ausreichender Aktionärsunterstützung das Commerzbank-Management auf der Hauptversammlung im Frühjahr 2027 absetzen zu wollen. Orcels Kalkül dahinter: eine europäische Großbank formen, die als Gegengewicht zu US-Häusern taugt — inklusive Milliardeneinsparungen und dem Abbau von 7.000 Stellen bei der Commerzbank.

An der Börse reagierten beide Aktien zunächst mit leichten Abschlägen auf die Nachricht. Der eigentliche Fahrplan bleibt aber der aufsichtsrechtliche: Erst wenn EZB und EU-Kommission ihre Prüfungen abgeschlossen haben, entscheidet sich, ob aus der knapp verfehlten Mehrheit tatsächlich eine Übernahme wird.

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