Nach fast zwei Jahren zähem Ringen zeichnet sich für UniCredit ein Erfolg im Übernahmepoker um die Commerzbank ab. Die Führung des deutschen Instituts lenkt einem Handelsblatt-Bericht zufolge offenbar ein und bereitet sich auf die Kontrollübernahme durch die Italiener vor. Für die Anleger von UniCredit verschiebt sich damit die entscheidende Frage. Es geht nicht mehr darum, ob die Übernahme gelingt, sondern nur noch zu welchen Bedingungen.
Vom Widerstand zur Verhandlung
Der Weg dorthin verlief über den freien Markt statt über ein klassisches Angebot. Zum Fristende Anfang Juli hatten Commerzbank-Aktionäre der UniCredit nur rund 17,6 Prozent ihrer Anteile angedient. Statt aufzugeben, kaufte UniCredit weiter zu und hält inzwischen knapp die Hälfte der Anteile. Auf der nächsten Hauptversammlung der Commerzbank würde diese Größenordnung faktisch für die Mehrheit reichen. Genau diese Zahl zwang die Commerzbank-Spitze an den Verhandlungstisch. UniCredit-Konzernchef Andrea Orcel hat damit ein Ziel erreicht, das lange Zeit unerreichbar schien.
Orcels Pläne für die Zukunft
Orcel will mehr als nur die Kapitalmehrheit. Nach eigenen Angaben plant er, in Deutschland rund 7.000 Vollzeitstellen zu streichen und das weit verzweigte Auslandsnetz zu straffen, das derzeit rund 40 Länder umfasst. Die aufsichtsrechtliche Genehmigung durch die EZB erwartet er zum vierten Quartal 2026, seine Pläne will er ab Anfang 2027 umsetzen.
Eine Verschmelzung mit der italienischen Tochter HypoVereinsbank soll frühestens in zwei bis drei Jahren folgen. Für die Bewertung von UniCredit dürfte entscheidend sein, wie schnell sich diese Synergien tatsächlich heben lassen.
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Chancen und offene Fragen
Für Anleger überwiegt zunächst die strategische Logik. Eine einvernehmliche Übernahme lässt sich in aller Regel reibungsloser umsetzen als eine feindliche, weil Synergien schneller realisiert werden können. Doch die eigentliche Bewährungsprobe steht noch aus. Die Commerzbank-Seite fordert eine zweistellige Übernahmeprämie sowie den Erhalt zentraler Geschäftsstärken, und wie schnell sich die angepeilten Einsparungen tatsächlich heben lassen, muss sich erst zeigen.
Am 6. August steht mit einem Gespräch zwischen den Vorständen der nächste wichtige Termin an. Ob daraus konkrete Leitplanken hervorgehen oder nur ein weiterer Zeitplan, dürfte darüber entscheiden, in welche Richtung sich die Aktie als Nächstes bewegt.
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