Ein humanoider Roboter, der zusammen mit menschlichen Tänzern Szenen aus „Schwanensee“ tanzt: Mit diesem Auftritt seines Modells Walker C1 sorgt Ubtech Robotics für Aufsehen in der chinesischen Robotikbranche. Der Auftritt fällt in eine Woche, in der sich der Wettbewerb um die Vorherrschaft im Markt für humanoide Roboter deutlich verschärft.
Ballett als Bühne für Serienreife
Walker C1 soll nach den Plänen des Unternehmens künftig in Hotels und an Flughäfen als Service-Roboter zum Einsatz kommen. Der Tanzauftritt demonstriert die Beweglichkeit der Maschine – und dient zugleich als Werbung für die industrielle Reife der Baureihe. Ubtech gibt an, die Produktionskapazität für Walker C1 bis 2026 auf bis zu 10.000 Einheiten pro Jahr steigern zu können.
Für 2025 verbuchte das Unternehmen mit dem Modell Aufträge von rund 800 Millionen Yuan, umgerechnet etwa 113 Millionen Dollar. Zu den Abnehmern zählen die Autobauer BYD, Geely und FAW-Volkswagen. Bei der industriellen Umsetzung arbeitet Ubtech mit Siemens Digital Industries Software zusammen.
Parallel zur Bühnenshow bringt Ubtech mit dem Cruzr Y1 einen weiteren humanoiden Roboter für den Industrieeinsatz auf den Markt. Das Modell fährt auf 360-Grad-Rädern, verfügt über zwei Arme und ein sogenanntes VLA-Modell zur Steuerung, läuft laut Unternehmensangaben vier Stunden im Dauerbetrieb und lädt automatisch nach.
Die parallel angebotene U1-Serie kostet 30.000 Dollar pro Einheit und verzeichnete innerhalb einer Woche auf der Handelsplattform JD.com mehr als 2.100 Vorbestellungen.
Die Konkurrenz zieht nach
Der Rummel um Walker C1 und Cruzr Y1 kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der chinesische Rivale Unitree mit einem Börsengang an die Öffentlichkeit drängt. Die IPO-Bewertung von Unitree liegt bei 9,04 Milliarden Dollar.
Der Umsatz des Unternehmens hat sich 2025 auf 1,7 Milliarden Yuan vervierfacht, humanoide Roboter bilden dabei den Haupttreiber. Allerdings verlangsamte sich das Wachstum im ersten Quartal 2026 bereits merklich, und 13,3 Prozent des Umsatzes stammen aus dem US-Markt – ein Anteil, der angesichts möglicher Handelsbeschränkungen als Risiko gilt.
China dominiert die weltweite Produktion humanoider Roboter ohnehin klar: Nach Angaben von Bank of America und Reuters wurden 2025 rund 95 Prozent der weltweit etwa 20.000 verkauften Einheiten in China gefertigt.
Wettbewerber wie Booster Robotics oder Unitree bieten deutlich günstigere Modelle im Bereich von 1.600 bis rund 6.000 Dollar an und zielen primär auf Bildungs- und Forschungseinrichtungen.
Ubtech positioniert sich mit Walker C1 und der neuen UWORLD-U1-Reihe dagegen stärker im Premium- und Industriesegment sowie im Bereich Pflege und Senioren-Assistenz, wofür das Unternehmen auf den demografischen Wandel in China verweist – mehr als 90 Millionen alleinlebende Erwachsene und 118 Millionen Senioren ohne Kinder im Haushalt gelten als Zielgruppe.
Kurs bleibt unter Druck
An der Börse kommt die Produktoffensive bislang nicht an. Die Aktie fällt am heutigen Dienstag um 2,9 Prozent auf 8,99 Euro und nähert sich damit ihrem 52-Wochen-Tief von 8,50 Euro, das erst Ende Juli markiert wurde. Seit den am vergangenen Sonntag veröffentlichten Halbjahreszahlen hat das Papier rund 6,8 Prozent verloren.
Der Wert notiert damit 47 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 17,00 Euro aus dem Januar und klar unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 12,08 Euro. Anleger scheinen die operative Dynamik – starkes Umsatzwachstum bei Vollgrößen-Robotern, aber anhaltende Verluste – vorerst skeptischer zu bewerten als die technologische Schlagkraft der jüngsten Produktvorstellungen.
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