Ausgangslage
Die UBS-Aktie hat den gestrigen Handelstag mit einem Kursverlust von 4,8% beendet und notiert nun bei 45,70 Euro. Auslöser war die Debatte um einen möglichen Kompromiss bei den von der Schweizer Regierung geforderten Kapitalregeln, über den ein parlamentarischer Ausschuss am Montag beraten hat.
Der Rückgang wiegt schwerer, weil er direkt in eine Phase fällt, in der sich die politische Entscheidung über die künftige Eigenkapitalausstattung der Bank konkretisiert. Der Gesetzesentwurf soll im September weiter im Ständerat beraten werden – damit rückt der Zeitpunkt, an dem Anleger Klarheit erhalten, greifbar näher.
Im Kern geht es um die Frage, ob UBS ihre Auslandstöchter künftig mit 100% des harten Kernkapitals (CET1) unterlegen muss, wie es die Regierung fordert, oder ob ein Kompromiss mit lediglich 50% möglich wird.
Parlamentarier prüfen laut Reuters diese Variante, die den Umfang der zusätzlichen Kapitalanforderung gegenüber den ursprünglich veranschlagten rund 20 Milliarden US-Dollar deutlich relativieren könnte.
Ergänzend wird diskutiert, ob ein Teil der neuen Anforderungen über Additional-Tier-1-Instrumente statt ausschließlich über hartes Kernkapital erfüllt werden könnte, wie Bloomberg und Reuters berichteten.
Die entscheidende Frage
Für die Bewertung der Aktie läuft alles auf eine Kennzahl hinaus: den tatsächlichen CET1-Mehrbedarf, den der finale Gesetzestext UBS auferlegt. Jeder Prozentpunkt, um den sich die Unterlegungspflicht der Auslandstöchter von der geforderten 100%-Marke löst, senkt die Kapitallücke und damit den Druck auf Gewinnausschüttungen, Aktienrückkäufe und die Bilanzstruktur der Bank.
Die Schweizerische Nationalbank stellte sich Ende August erneut hinter die strengeren Pläne der Regierung – ein Signal, dass der politische Widerstand gegen eine zu weiche Lösung nicht verschwunden ist. Der Ausgang dieser Auseinandersetzung dürfte in den kommenden Wochen die Kursrichtung stärker prägen als operative Nachrichten aus dem Bankgeschäft.
Bullisches Szenario
Setzt sich der diskutierte Kompromiss durch, würde die Kapitallücke gegenüber der ursprünglichen 20-Milliarden-Dollar-Marke voraussichtlich kleiner ausfallen als von Kritikern befürchtet.
Eine Lösung über Additional-Tier-1-Kapital statt ausschließlich über hartes Kernkapital würde zusätzlichen Spielraum schaffen, ohne die Kapitalbasis über Gebühr zu verwässern. Für die Aktie spräche das doppelt: Erstens sänke die regulatorische Unsicherheit, die zuletzt für Volatilität sorgte – die 30-Tage-Volatilität liegt bei 22%.
Zweitens würde Kapital frei, das UBS an Aktionäre zurückgeben oder ins Wachstum investieren könnte. Der Investor Sentiment Index für die Schweiz stieg im August bereits auf +12,1 nach +10,0 im Juli, ein Hinweis auf eine grundsätzlich freundlichere Stimmung unter Schweizer Anlegern, die von einer entschärften Regulierung zusätzlich profitieren könnte.
Bärisches Szenario
Bleibt die Nationalbank mit ihrer Unterstützung für die strengeren Pläne der Regierung erfolgreich und setzt sich im Ständerat die 100%-Unterlegung durch, müsste UBS den vollen Kapitalbedarf von rund 20 Milliarden US-Dollar stemmen. Das würde die Ausschüttungspolitik über Jahre belasten und die Bewertung der Aktie gegenüber europäischen Wettbewerbern mit laxeren Kapitalanforderungen strukturell benachteiligen.
Der gestrige Kursrückgang zeigt, wie empfindlich der Markt auf Signale in Richtung einer härteren Regulierung reagiert. Sollte sich im September zeigen, dass der Kompromiss politisch keine Mehrheit findet, dürfte die Aktie das bereits erreichte Kursniveau erneut testen.
Die Aktie notiert derzeit exakt auf ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 45,75 Euro und damit an einer technisch sensiblen Marke – ein Rutsch darunter könnte kurzfristig weiteren Verkaufsdruck auslösen.
Ausblick
Solange die Kompromissvariante mit reduzierter Unterlegung der Auslandstöchter im parlamentarischen Prozess Rückhalt findet, bleibt der Boden für eine Erholung der Aktie intakt – der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 48,19 Euro beträgt aktuell 5,2%, also nicht dramatisch.
Kippt die Debatte hingegen zugunsten der von der Nationalbank unterstützten härteren Linie, dürfte die Unsicherheit über die Kapitalausstattung noch länger auf der Bewertung lasten. Der nächste konkrete Prüfstein ist die für September angesetzte weitere Beratung im Ständerat.
Bis dahin dürfte die Aktie ihre Richtung stärker aus politischen Nachrichten als aus fundamentalen Daten beziehen – ein Umstand, der die im Jahresverlauf aufgebaute Kursstärke von 15% seit Jahresbeginn kurzfristig auf die Probe stellen kann.
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