UBS ist an diesem Mittwoch nicht nur als Aktie gefragt, sondern auch als Taktgeber für den europäischen Aktienmarkt. Gleich zwei Ratingänderungen der Bank sorgten für deutliche Kursreaktionen bei anderen Schwergewichten – und lenken den Blick auf die Analyseabteilung des Schweizer Finanzkonzerns.
SAP verliert Kaufempfehlung
UBS-Analyst Michael Briest stufte SAP von „Buy“ auf „Neutral“ zurück, hob das Kursziel aber von 164 auf 201 Euro an. Auslöser ist die schleppende Auslieferung der angekündigten Joule-KI-Agenten: Bis zum 25. August waren erst 17 von mehr als 200 geplanten Agenten verfügbar, weitere 15 befanden sich in der Testphase.
Briest sieht die Integration agentischer KI bei SAP ins Stocken geraten und rechnet in der zweiten Jahreshälfte mit einer Verlangsamung beim Cloud-Auftragsbestand. Zur Einordnung nannte die Bank auch operative Details: Das organische Cloud-Wachstum lag im zweiten Quartal bei 24,6 Prozent, die Austrittsrate wird auf rund 23 Prozent geschätzt.
Zudem sank die Bruttomarge im Cloud-Geschäft erstmals seit 2021, was UBS zu einer Kürzung der Ebit-Prognose 2026 um 100 Millionen Euro veranlasste. Die SAP-Aktie reagierte mit Abschlägen von rund 3,7 Prozent.
Argenx dagegen hochgestuft
Ganz anders fiel das Urteil zum belgischen Biotech-Unternehmen Argenx aus: Analystin Xian Deng hob die Einstufung von „Neutral“ auf „Buy“ und das Kursziel von 960 auf 1.400 US-Dollar an. Sie begründet dies mit einem Umsatzpotenzial von rund 20 Milliarden Dollar für das Medikament Vyvgart.
Die Aktie legte daraufhin um mehr als 3,5 Prozent zu. Die gegensätzlichen Voten unterstreichen, wie genau die Analysten von UBS derzeit einzelne Geschäftsmodelle sezieren – während SAP wegen KI-Verzögerungen Kritik einstecken muss, sieht die Bank bei Argenx erhebliches ungenutztes Potenzial.
UBS-Aktie selbst mit solider Performance
Für die UBS-Aktie selbst hat sich das Bild der vergangenen Monate kaum eingetrübt. Mit 46,82 Euro notiert das Papier nur rund 2,8 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Auf Zwölfmonatssicht steht ein Kursplus von 34 Prozent zu Buche – ein Wert, der die breite Erholung der Bank seit dem Tief im März widerspiegelt.
Operativ hatte UBS im zweiten Quartal einen Gewinn je Aktie von 0,72 Franken ausgewiesen, nach 0,62 Franken im Vorjahresquartal, bei einem nahezu stabilen Umsatz von 16,13 Milliarden Franken.
Die nächste Bilanzvorlage steht für den 28. Oktober an, wenn die Bank ihre Zahlen zum dritten Quartal präsentiert. Bis dahin dürfte die Analyseabteilung der Bank mit weiteren Einzeltiteleinschätzungen für Schlagzeilen sorgen – ein Geschäftsfeld, das für die Investmentbank der UBS traditionell zum Kerngeschäft zählt und die eigene Marktrelevanz jenseits des Bankgeschäfts unterstreicht.
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