Bei der Schweizer Großbank UBS werden offenbar strategische Ausweichszenarien für den Fall einer übermäßigen Verschärfung der heimischen Regulierung durchgespielt.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters gestern unter Berufung auf drei mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtete, prüft das Institut Optionen für den Fall, dass künftige Schweizer Kapitalvorschriften aus Sicht der Bank zu restriktiv ausfallen.
Zu den theoretisch erwogenen Schritten gehören demnach eine Verlegung des Konzernsitzes ins Ausland sowie eine Fusion. Aktive Gespräche über derartige Schritte gebe es derzeit jedoch nicht.
Die Diskussion um den regulatorischen Rahmen der verbliebenen Schweizer Großbank gewinnt damit eine neue Dimension. Marktbeobachter werten solche Planspiele vor allem als Signal an die heimische Politik, die nach dem Zusammenbruch der Credit Suisse über schärfere Leitplanken für das vergrößerte Institut berät.
An der Börse reagierten die Anleger verhalten: Die UBS-Aktie beendete den Handel am Freitag mit einem leichten Minus von 0,5 Prozent bei 42,43 Euro. Seit Jahresbeginn verzeichnet der Titel dennoch ein Plus von 6,7 Prozent.
Zusätzlicher Druck durch geplante Notfall-Gebühr
Die Berichte über mögliche Abwanderungs- oder Fusionsszenarien fallen in eine Phase konkreter gesetzgeberischer Weichenstellungen in Bern. Am Mittwoch stellte sich die Wirtschaftskommission des Ständerats hinter Pläne für eine Vorab-Gebühr, die Banken für den Zugang zum geplanten staatlichen Liquiditäts-Backstop entrichten sollen. Dieser sogenannte Public Liquidity Backstop soll im Krisenfall zusätzliche Liquidität absichern.
Nach dem Willen der Kommission soll diese Abgabe ausschließlich auf systemrelevante Banken mit bedeutendem Auslandsgeschäft beschränkt bleiben. Unter den aktuellen Gegebenheiten wäre die UBS das einzige Institut, das unter dieses Kriterium fällt.
Die Kommission regte zudem eine breitere Berechnungsgrundlage für die Gebühr an. Damit drohen dem Institut zusätzliche finanzielle Belastungen im heimischen Markt, die über reine Eigenkapitalquoten hinausgehen.
Fokus richtet sich auf Quartalsbericht
Neben den regulatorischen Debatten richtet sich der Blick der Anleger auf das operative Geschäft. In einer Erhebung unter US-Investoren und Unternehmern stellte die Bank am Mittwoch fest, dass 64 Prozent der befragten US-Investoren für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten in den kommenden zwölf Monaten sehr optimistisch gestimmt sind. Vor zwei Jahren lag dieser Anteil noch bei 55 Prozent.
Klarheit über die geschäftliche Entwicklung der Großbank selbst steht kurz bevor. Am 28. Oktober wird die UBS ihre detaillierten Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 vorlegen. Die Zahlen dürften Anlegern konkrete Anhaltspunkte über das Tempo der laufenden CS-Integration sowie die Ertragskraft der kombinierten Vermögensverwaltung liefern. Zugleich wird das Management um eine Einordnung der regulatorischen Diskussionen kaum herumkommen.
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