In der Debatte um die künftigen Eigenkapitalregeln für die Schweizer Großbank hat Colm Kelleher deutliche Töne angeschlagen. Am Donnerstag bezeichnete er den Vorschlag eines Schweizer Parlamentsausschusses, der UBS zur Erfüllung neuer Kapitalanforderungen den Rückgriff auf AT1-Anleihen gestattet, als einen Kompromiss, mit dem die Bank leben könne.
Gleichzeitig mahnte Kelleher jedoch Konsequenzen an, sollten die Vorschriften überzogen werden: Werde das Regelwerk derart restriktiv, dass die globale Wettbewerbsfähigkeit verloren gehe, müsse die UBS ihre Zukunft am Standort Schweiz sorgfältig überprüfen.
Finanzielle Tragweite des AT1-Kompromisses
Die Empfehlungen des Wirtschaftsausschusses des Ständerates (WAK-S) betreffen vor allem die Absicherung ausländischer Konzerntöchter. Demnach soll die UBS AG künftig verpflichtet werden, entsprechende Beteiligungen mit 50 Prozent hartem Kernkapital (CET1) und bis zu 50 Prozent AT1-Kapital zu unterlegen. Bislang galten Quoten von 45 Prozent CET1 und 17 Prozent AT1.
Unternehmensangaben zufolge zieht diese Neuregelung einen zusätzlichen Tier-1-Kapitalbedarf bei der UBS AG von rund 13 Milliarden US-Dollar nach sich. Da dieser Betrag vollständig über nachrangige AT1-Anleihen dargestellt werden darf, fällt die bilanzielle Belastung für das Institut deutlich milder aus als bei einer reinen Eigenkapitalforderung.
Laut Reuters rechnen Investoren vor, dass der erweiterte Einsatz dieser Papiere der Bank jährlich Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe im Vergleich zu reinem harten Kernkapital ermöglicht.
Politischer Prozess vor der Entscheidung
Vor der anstehenden Abstimmung im Ständerat über die Detailausgestaltung formierte sich im Parlament zusätzliche Unterstützung. Medienberichten zufolge sprach sich eine Gruppe von Abgeordneten am Mittwoch dafür aus, die konkrete Festlegung der neuen Bankenregeln an die Regierung zu übertragen. Für das Institut geht es in dem Verfahren darum, Nachteile im Vergleich zu angelsächsischen Wettbewerbern abzuwenden.
An den Finanzmärkten sorgte das Ringen um die künftigen regulatorischen Puffer zuletzt für Zurückhaltung. Am Freitag ging die UBS-Aktie mit einem Schlusskurs von 43,71 Euro aus dem Handel. Trotz der jüngsten Konsolidierung verzeichnet das Papier seit Jahresanfang ein Plus von 9,9 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 48,19 Euro verbleibt ein rechnerischer Abstand von 9,3 Prozent.
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