UBS legt Rekordzahlen vor. Trotzdem hängt die Kursrally an einer einzigen offenen Frage aus Bern.
Die Aktie schloss am Donnerstag bei 46,18 Euro. Bis zu ihrer Bestmarke aus Mitte Juli fehlten damit nur noch 4,17 Prozent. Auslöser der jüngsten Rally war der Halbjahresbericht vom 29. Juli.
Im zweiten Quartal verdiente die Bank 2,80 Milliarden US-Dollar. Das sind 17 Prozent mehr als im Vorjahr.
Der Nettoneugeldzufluss in der Vermögensverwaltung erreichte 35,5 Milliarden Dollar. Die verwalteten Vermögen kletterten auf 7326 Milliarden Dollar.
Parallel startete UBS ein neues Aktienrückkaufprogramm über 3 Milliarden Dollar. Die eigentliche Kursfrage entscheidet sich aber nicht an diesen Zahlen — sie entscheidet sich im Schweizer Parlament.
Die entscheidende Frage
Bern berät über schärfere Kapitalanforderungen für UBS. Im Kern geht es um die vollständige Eigenkapitalunterlegung der Auslandstöchter. Erste Weichenstellungen erwartet die Bank im August.
UBS selbst hat ihre Rückkaufpläne an diesen Prozess geknüpft. Tempo und Ausmaß künftiger Rückkäufe hängen laut Konzern von drei Faktoren ab. Dazu zählen die kurzfristige finanzielle Performance, eine CET1-Quote von rund 14 Prozent und die Klarheit aus den Parlamentsberatungen.
Ob die Aktie ihr 52-Wochen-Hoch testet oder überwindet, entscheidet damit am Ende die Politik.
Bullisches Szenario
Das operative Geschäft läuft. Der Vorsteuergewinn stieg im Jahresvergleich um 64 Prozent auf 3,59 Milliarden Dollar. Auch die Integration der Credit Suisse liegt im Plan.
Die Bank hat die geplanten Kosteneinsparungen bis Mitte 2026 größtenteils erreicht und die letzte Integrationsphase gestartet. Sie soll „im Wesentlichen“ abgeschlossen werden.
Selbst bei der Kapitalfrage gibt es ein Entlastungssignal. Die Schweizerische Nationalbank bestätigt: Die geplante Regel würde die CET1-Anforderungen zwar um rund 20 Milliarden Dollar erhöhen. Die tatsächliche Lücke liegt aber nur bei 9 Milliarden Dollar – und die kann UBS bereits mit vorhandenen Kapitalreserven bis Ende 2025 decken.
Für das dritte Quartal beschreibt die Bank das Umfeld als konstruktiv. Sie verweist auf solide Kundenaktivität und eine historisch hohe Dispersion am Aktienmarkt. Signalisiert das Parlament im August moderate Übergangsregeln, dürfte der Bewertungsabschlag der Aktie weiter schrumpfen.
Bärisches Szenario
Der Konflikt ist nicht gelöst. Selbst UBS bleibt bei ihrem Rückkauf-Zeitplan vorsichtig, trotz der guten Zahlen.
Der Streit um die neuen Kapitalregeln belastet den Kurs seit Monaten. UBS-Manager argumentieren, die zusätzlichen Anforderungen würden das Geschäftsmodell wettbewerbsunfähig machen. Eine endgültige Entscheidung des Parlaments steht weiterhin aus.
Beschließt Bern strengere Vorgaben ohne ausreichende Übergangsfristen, dürfte das die Rückkäufe bremsen. Die Aktie hat nach dem starken Lauf auch technisch wenig Puffer: Der RSI liegt bei 56,6, die annualisierte 30-Tage-Volatilität bei 24,25 Prozent. Das deutet auf erhöhte Schwankungsanfälligkeit bei negativen Nachrichten hin.
Ausblick
Solange Gewinnwachstum, Neugeldzuflüsse und CS-Integration weiterlaufen und Bern keine strengeren Signale sendet, spricht mehr für eine weitere Annäherung ans 52-Wochen-Hoch. Der Analysten-Konsens sieht mit einem Kursziel von 52,20 Euro noch 13 Prozent Aufwärtspotenzial.
Kippt die politische Lage zugunsten strengerer Vorgaben ohne Übergangsfristen, bremst das die von UBS selbst formulierte Abhängigkeit von CET1-Quote und Parlamentsberatungen. Der nächste konkrete Prüfstein liegt im dritten Quartal, wenn erste Signale aus Bern erwartet werden. Bis dahin bleibt der Kapitalstreit der zentrale Unsicherheitsfaktor für die Aktie.
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