UBS Aktie: Kapitalbedarf steigt auf 33 Milliarden

Symbolbild, KI-generiert

Der Ständerat verlangt höhere Kapitalpolster für systemrelevante Banken. Die UBS kritisiert den Beschluss; der Nationalrat berät als Nächstes über die Vorlage.

Auf einen Blick:
  • 90 Prozent CET1 für Auslandstöchter gefordert
  • UBS-Aktie verlor 2,2 Prozent
  • Zusätzlicher Kapitalbedarf von 16 Milliarden Dollar
  • Nationalratsentscheid frühestens Ende 2026 erwartet

Der Schweizer Ständerat hat gestern die politischen Weichen für die künftige Bankenregulierung gestellt und fordert deutliche Verschärfungen für systemrelevante Institute. Ausländische Tochtergesellschaften sollen künftig zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital (CET1) unterlegt werden. Dieser Schritt trifft die UBS direkt.

Die Schweizer Großbank reagierte mit scharfer Kritik und bezeichnete den Parlamentsentscheid als exzessiv. Im gestrigen Handel geriet der Titel spürbar unter Druck und verbuchte ein Minus von 2,2 Prozent auf einen Schlusskurs von 42,06 Euro. Für Investoren markiert das Berner Votum den Auftakt zu einer langwierigen Debatte, die das Ertragsprofil der Bank über Jahre hinweg prägen könnte.

Milliardenschwere Puffer belasten die Eigenkapitalrendite

Für den weiteren Kursverlauf steht vor allem eine Zahl im Mittelpunkt: das zusätzlich geforderte harte Kernkapital. Nach eigenen Berechnungen der Großbank würde die 90-Prozent-Regelung bei der Schweizer Muttergesellschaft ein zusätzliches CET1-Polster von rund 16 Milliarden US-Dollar erzwingen.

Zählt man Anpassungen an der Eigenmittelverordnung mit etwa zwei Milliarden Dollar sowie die bereits bestehenden Verpflichtungen aus der Notübernahme der Credit Suisse in Höhe von 15 Milliarden Dollar hinzu, wächst der gesamte Kapitalbedarf seit der CS-Transaktion auf rund 33 Milliarden US-Dollar an.

Jedes zusätzliche Milliardendepot an hartem Eigenkapital bindet Mittel, die dem Institut für rentablere Geschäfte oder Ausschüttungen an die Eigner fehlen. Die Bank beziffert die jährlichen Gesamtkosten aus der Übernahme und den damit verknüpften Auflagen auf rund 2,5 Milliarden US-Dollar.

Im Kern dreht sich die Bewertung der Aktie darum, ob dieser enorme Kapitalabzug das Geschäftsmodell dauerhaft verteuert. Sollte diese Summe dauerhaft festgeschrieben werden, gerät die Eigenkapitalrendite unter Druck, während das Management seine mittelfristigen Finanzziele verteidigen muss.

Hoffnung auf Mäßigung im Nationalrat stützt das Aufwärtspotenzial

Auf der Seite der Optimisten steht die begründete Erwartung, dass der Ständeratsbeschluss noch nicht das letzte Wort der Schweizer Bundespolitik darstellt. Die Gesetzesvorlage wandert nun in die zweite Parlamentskammer.

Beobachter wie der Bankenrechtsexperte Peter V. Kunz von der Universität Bern gehen davon aus, dass der Nationalrat eine bankenfreundlichere Haltung einnehmen und den harten Kurs abschwächen könnte. Ein denkbarer Kompromiss im Gesetzgebungsprozess könnte sich im Bereich von 60 bis 75 Prozent Kernkapitalunterlegung einpendeln, was den Kapitalbedarf spürbar senken würde.

Ein solches Abfedern der Reform würde der UBS mehr operativen Handlungsspielraum bewahren. Gelingt es den Wirtschaftsverbänden, den Gesetzgeber von den Risiken für den Finanzplatz zu überzeugen, bliebe der Kapitalabfluss überschaubarer. Dies würde der Bank erlauben, die geplante Integration der Credit Suisse ohne übermäßige Einschnitte in die operative Ertragskraft abzuschließen.

In diesem Szenario bestünde Potenzial für eine spürbare Kurserholung, zumal das Papier mit einem Abstand von minus 13 Prozent zu seinem 52-Wochen-Hoch bereits beträchtliche regulatorische Risiken eingepreist hat.

Drohende Kürzungen bei Aktienrückkäufen und Dividenden

Das negative Szenario droht, falls der Nationalrat dem Kurs des Ständerats weitgehend folgt oder die Bundesratslinie einer vollständigen Unterlegung wieder Auftrieb erhält. Roland Pfänder vom Analysehaus Oddo BHF warnt bereits davor, dass sich das Geschäft der Bank ganz klar verteuern werde. Müssen 16 bis 17 Milliarden US-Dollar an zusätzlichem Kernkapital aufgebaut und dauerhaft gehalten werden, trifft dies unmittelbar die Aktionäre.

Das Institut müsste seine Kapitalrückführungsprogramme empfindlich zurückschrauben. Geplante Aktienrückkäufe stünden dann zur Disposition, und auch das künftige Dividendenwachstum verlöre an Schwung.

Zudem warnten Vertreter von Wirtschaftsverbänden wie Economiesuisse vor steigenden Kosten bei Krediten und Dienstleistungen sowie vor Wettbewerbsnachteilen gegenüber globalen Konkurrenten aus den USA oder der Europäischen Union.

Sollten führende Manager des Instituts zudem erneut über eine Verlegung von Unternehmensteilen oder des Hauptsitzes ins Ausland nachdenken, würde eine anhaltende Phase politischer Unsicherheit den Bewertungsabschlag der Aktie verfestigen.

Geduldprobe bis zum finalen Gesetzesbeschluss

Solange das politische Tauziehen in Bern anhält, bleibt die UBS-Aktie in Geiselhaft der Regulierungsdebatte. Findet der Nationalrat zu einer moderateren Regelung mit reduzierten Unterlegungssätzen, dürfte der Titel seine fundamentale Stärke und die Ertragschancen aus der CS-Integration wieder voll ausspielen können.

Setzen sich hingegen die Hardliner durch, müssen Marktteilnehmer ihre Rendite- und Ausschüttungserwartungen dauerhaft nach unten korrigieren. Der maßgebliche politische Katalysator lässt allerdings auf sich warten: Die Beratungen im Nationalrat und der endgültige Beschluss über die Vorlage werden frühestens gegen Ende 2026 oder im Laufe des Jahres 2027 erwartet.

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