Jefferies traut UBS mehr zu als der Markt. Das Analysehaus hat das Kursziel für die Schweizer Großbank von 55 auf 60 Franken angehoben und bekräftigt seine Kaufempfehlung — ein Signal, das über eine routinemäßige Anpassung hinausgeht.
Analyst Joseph Dickerson begründet seinen Optimismus mit einer ungewöhnlich konkreten Abweichung vom Konsens: Seine Ergebnisschätzung für das zweite Quartal liegt 18 Prozent über dem Marktdurchschnitt, für die Jahre bis 2028 kalkuliert er 13 Prozent mehr als andere Analysten. Den Treiber sieht er im Zusammenspiel aus Vermögensverwaltung — besonders im US-amerikanischen und asiatischen Markt — und dem Investmentbanking.
Regulierung als Bewertungshemmnis
Ein zentrales Argument Dickersons ist die Kapitalfrage. UBS werde gemessen an möglichen Szenarien für die Eigenkapitalanforderungen ausländischer Töchter zu niedrig bewertet, schreibt er. Im ungünstigsten Fall könnte die Regulierung die Bank einen mittleren einstelligen Milliarden-Dollar-Betrag kosten — doch selbst dieses Risiko sei im aktuellen Kurs bereits übermäßig eingepreist.
Das trifft auf ein politisch aufgeheiztes Umfeld. Eine repräsentative Umfrage zeigt, dass 75 Prozent der Schweizer Bevölkerung strengere Eigenkapitalvorschriften für Großbanken befürworten. Der Bundesrat hat damit politischen Rückenwind für eine schärfere Regulierung. Für UBS bedeutet das: Die Unsicherheit über den künftigen Kapitalrahmen bleibt — und könnte die Bewertung weiter belasten, solange keine Klarheit herrscht.
Zwischen Aufwärtspotenzial und regulatorischem Druck
Das Spannungsfeld ist klar umrissen. Auf der einen Seite ein Analysehaus mit deutlich optimistischeren Gewinnerwartungen als der Konsens, das die Aktie für unterbewertet hält. Auf der anderen Seite eine Öffentlichkeit, die strengere Regeln fordert, und ein Gesetzgeber, der diese Forderungen ernst nehmen dürfte.
Wann und in welcher Form der Schweizer Bundesrat konkrete Regulierungsvorschläge vorlegt, wird maßgeblich bestimmen, ob die Bewertungslücke, die Jefferies identifiziert, sich tatsächlich schließt — oder ob regulatorische Risikoprämien den Kurs noch länger unter Druck halten.
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