Ein möglicher Wegzug der UBS hätte nach Einschätzung des Schweizerischen Bankpersonalverbands erhebliche Folgen für den Schweizer Arbeitsmarkt. In einem heute bekannt gewordenen Schreiben an Abgeordnete warnt der Verband vor zusätzlichen Stellenverlusten bei einer Verlagerung, einem Verkauf oder einer Fusion. Damit rücken die Beschäftigungsfolgen in den Mittelpunkt des Streits über strengere Kapitalregeln. Eine Verlagerung ist nicht beschlossen.
Reuters berichtet unter Berufung auf die NZZ am Sonntag über das Schreiben. Im ungünstigsten Fall könnten nach Einschätzung des Verbands 10.000–12.000 der rund 34.000 UBS-Stellen in der Schweiz wegfallen. Diese möglichen Einschnitte kämen zu den laufenden Kürzungen im Zuge der Credit-Suisse-Integration hinzu.
Die Warnung ist damit keine Ankündigung eines neuen Stellenabbauprogramms der Bank. Sie beschreibt ein bedingtes Szenario, mit dem der Arbeitnehmerverband für einen tragfähigen politischen Kompromiss wirbt.
Kapitalvorgaben als Auslöser der Standortdebatte
Der Ständerat schlug im September eine CET1-Kapitalunterlegung von 90 % für ausländische UBS-Tochtergesellschaften vor. Die UBS hält diese Vorgabe für überzogen. Als nächster politischer Schritt soll ein Ausschuss des Nationalrats die Kapitalanforderungen beraten.
Für Anleger geht es dabei nicht allein um die Adresse des Hauptsitzes. Eine höhere Eigenkapitalbindung könnte die Eigenkapitalrendite sowie den Spielraum für Dividenden und Aktienrückkäufe belasten. Die Ausgestaltung der Regeln berührt damit sowohl die künftige Kapitalverwendung als auch die Standortentscheidung der Bank.
Der Verwaltungsratspräsident erklärte, bei zu strengen Vorgaben müsse die UBS ihre Zukunft in der Schweiz prüfen. Einige Aktionäre fordern einen Weggang. Laut Reuters prüfen banknahe Kreise zufolge diskutierte Notfallpläne eine Hauptsitzverlagerung oder Fusion. Diese Optionen sind jedoch von einer beschlossenen Umsetzung zu unterscheiden.
Zusätzliche Risiken neben der Integration
Unabhängig vom regulatorischen Streit erwartet die UBS im Zusammenhang mit der Credit-Suisse-Integration weiterhin rund 3.000 Entlassungen in der Schweiz über mehrere Jahre. Reuters nennt in diesem Zusammenhang natürliche Fluktuation, Frühpensionierungen und die Wiedereingliederung ausgelagerter Stellen.
Der Arbeitnehmerverband trennt diese laufende Integration ausdrücklich von den möglichen zusätzlichen Folgen eines Standortwechsels. Seine Forderung nach einem Kompromiss richtet sich deshalb an die politische Ausgestaltung der Kapitalregeln.
UBS-Chef Sergio Ermotti betonte am 9. Oktober gegenüber CNBC, der Schweizer Standort komme der Schweizer Wirtschaft zugute. Für Anleger bleibt die zentrale Unterscheidung: Die Kapitalvorgaben werden politisch beraten; Verlagerung und Fusion sind bislang Notfalloptionen. Die heutige Warnung erhöht den Druck auf eine Einigung, belegt aber keinen unmittelbar bevorstehenden Wegzug.
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