Die Reichsten der Welt rücken von ihren bisherigen Anlagestrategien ab. Und zwar mit einer Wucht, die es so noch nie gab. Der aktuelle „Global Family Office Report“ der UBS dokumentiert einen beispiellosen Umbruch. 60 Prozent der befragten Family Offices planen innerhalb der kommenden zwölf Monate eine grundlegende Neuausrichtung ihrer Portfolios. Vor einem Jahr waren es erst 35 Prozent.
Im Kern der Bewegung steht ein klarer Trend: weg vom Dollar. Rund ein Drittel der Investmentfirmen hat seine US-Anlagen bereits reduziert oder bereitet diesen Schritt vor. Die Hälfte der Manager sieht sich im Greenback „überexponiert“. Auslöser ist weder Inflation noch eine Rezessionsangst. Sondern die Sorge vor geopolitischer Zersplitterung.
Geopolitik verdrängt die alten Risiken
Für 64 Prozent der Befragten stellen geopolitische Konflikte das größte Risiko für das kommende Jahr dar. Selbst auf Fünf-Jahres-Sicht bleibt dieser Wert mit 61 Prozent extrem hoch. Die klassischen Treiber wie Teuerung oder Konjunkturabschwung treten in den Hintergrund. Die Family Offices agieren nicht mehr reaktiv, sondern proaktiv. Sie sehen strukturelle Risiken als neuen Normalzustand.
Die Auswirkungen zeigen sich in der konkreten Portfoliogestaltung. Industrieaktien und Anleihen aus entwickelten Ländern bilden mit 41 Prozent weiterhin das Fundament. Doch die Wachstumsdynamik verschiebt sich: Infrastrukturprojekte und Gold gewinnen an Bedeutung. Immobilienbestände hingegen werden leicht abgebaut. Regulatorische Hürden und hohe Kosten bremsen die einstige Lieblingsanlage der Superreichen.
UBS-Aktie bleibt im Aufwind
Die Publikation des Reports fällt an der Börse verhalten aus. Das UBS-Papier notiert am Donnerstag bei 40,35 Euro, ein Minus von 0,3 Prozent. Der leichte Rücksetzer relativiert sich im größeren Bild: Auf Monatssicht gewann die Aktie rund zwölf Prozent hinzu. Gemessen am 52-Wochen-Hoch von 42,00 Euro fehlen nur knapp vier Prozent.
Analysten blicken gelassen auf die Kursbewegung. Für das laufende Jahr erwarten sie einen Gewinn von 3,41 US-Dollar je Aktie, die Dividende soll bei 1,25 US-Dollar liegen. Die UBS verwaltet ein Vermögen von über sechs Billionen US-Dollar und nutzt ihre Research-Stärke, um Trends der reichsten Kundengruppe frühzeitig zu erkennen. Die detaillierten Quartalszahlen für das zweite Quartal folgen im Juli. Sie werden zeigen, ob die Bank selbst von dem von ihr dokumentierten Trend profitiert — oder ob die Neuausrichtung der Family Offices auch ihre eigene Bilanz erreicht.
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