Die Debatte um die regulatorische Sicherheit der Schweizer Großbank UBS gewinnt an neuer Dynamik. Antoine Martin, Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), sprach sich gestern in Basel öffentlich für eine Verschärfung der Kapitalvorschriften aus.
Im Kern geht es darum, die ausländischen Tochtergesellschaften der Bank künftig vollständig mit hartem Kernkapital (CET1) zu unterlegen. Dieser Schritt würde die Liquiditätsreserven des Instituts signifikant erhöhen, stellt die Bank jedoch gleichzeitig vor die Herausforderung, massiv zusätzliche Mittel binden zu müssen.
Höhere Anforderungen an Auslandstöchter
In seinem Referat an der Universität Basel bekräftigte Martin einen entsprechenden Vorschlag der Regierung. Die Forderung nach einer vollständigen Unterlegung der Auslandseinheiten mit Eigenkapital zielt darauf ab, die Stabilität des Finanzplatzes in Krisenzeiten zu erhöhen.
Nach aktuellen Schätzungen müsste die UBS durch diese Neuregelung rund 20 Milliarden US-Dollar an zusätzlichem Kapital vorhalten. Die politische Entscheidung hierüber rückt näher: Bereits am kommenden Montag sucht das Parlament nach einem Kompromiss in dieser zentralen Regulierungsfrage.
Die Diskussion findet vor dem Hintergrund einer bereits vor rund zwei Wochen thematisierten Verschärfung der Kapitalanforderungen statt. Dass nun auch die Spitze der Nationalbank diesen Kurs ausdrücklich unterstützt, verdeutlicht den Druck auf das Kreditinstitut.
Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen wird auch durch die gewachsene Bedeutung der Bank am heimischen Markt begründet. Während die UBS vor wenigen Jahren noch einen geringeren Anteil an Krediten und Einlagen hielt, hat sich ihre Marktpräsenz im Zuge der Konsolidierung der Schweizer Bankenlandschaft deutlich ausgeweitet.
Flexibilität beim Kapitalpuffer gefordert
Neben den spezifischen Vorgaben für die UBS plädierte Martin für eine Weiterentwicklung der allgemeinen Aufsichtsinstrumente. Er warb dafür, die gesetzliche Obergrenze des antizyklischen Kapitalpuffers anzuheben. Dieser liegt derzeit bei 2,5 Prozent der risikogewichteten Aktiven und ist seit Anfang 2022 voll aktiviert. Die SNB sieht hier Bedarf für eine Verfeinerung des Systems, um flexibler auf Risiken im Immobiliensektor reagieren zu können.
Zusätzlich schlug der SNB-Vize die Einführung eines sogenannten „positiven zyklusneutralen“ Puffers vor. Damit folgt die Nationalbank auch Empfehlungen des Internationalen Währungsfonds (IWF), der ähnliche Anpassungen angeraten hatte.
Innerhalb der Branche stoßen diese Pläne jedoch auf geteiltes Echo; Ökonomen äußerten zuletzt Zweifel an der Wirksamkeit einer weiteren Erhöhung dieser Puffer, da die bisherigen Instrumente bereits weitgehend ausgeschöpft seien.
Analysten-Urteile und Marktlage
Parallel zu den regulatorischen Diskussionen sorgten aktuelle Einschätzungen der UBS-Analysten für Bewegung in anderen Sektoren. So stufte Analyst Michael Briest die Aktie des Softwarekonzerns SAP auf „Neutral“ herab.
Als Gründe nannte er fehlende Impulse durch das Thema Künstliche Intelligenz sowie eine erwartete Verlangsamung im zweiten Halbjahr. Im Gegensatz dazu hob die Analystin Xian Deng das Kursziel für das Biotech-Unternehmen Argenx deutlich an und sieht dort weiterhin erhebliches Wachstumspotenzial.
An der Börse zeigt sich die UBS-Aktie von den politischen Diskussionen am heutigen Donnerstag weitgehend unbeeindruckt und notiert bei 46,51 Euro. Das Papier weist damit seit Jahresbeginn eine positive Wertentwicklung von 17 Prozent auf.
Mit dem aktuellen Kursniveau bleibt der Wert in Schlagdistanz zu seinem 52-Wochen-Hoch, von dem ihn derzeit ein Abstand von rund 3,5 Prozent trennt. Anleger richten ihr Augenmerk nun auf die parlamentarischen Beratungen am Montag, die Klarheit über den Umfang der künftigen Kapitalbindung bringen könnten.
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