Uber: Weltmarktführer zum Ausverkaufspreis

Trotz Robotaxi-Sorgen zeigt Ubers Kerngeschäft starkes Wachstum. Die Aktie notiert günstig, während Umsatz und Gewinn steigen.

Auf einen Blick:
  • Umsatz steigt auf 14 Milliarden Dollar
  • Gewinn je Aktie wächst um 35 Prozent
  • Waymo-Konkurrenz belastet Aktienkurs
  • Bewertung unter Marktdurchschnitt

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Robotaxis machen bislang gerade einmal ein Prozent aller Fahrten in den USA aus. Ein einziges Prozent. Und doch hat genau dieses eine Prozent die Wall Street in einen Ausnahmezustand versetzt. Die Angst vor den fahrerlosen Autos hat die Aktie von Uber Technologies auf die niedrigste Bewertung seit dem Börsengang 2019 gedrückt. Bei rund 76 Dollar notiert das Papier heute. Ein Kurs, der stutzig machen sollte.

Denn hier bekommen Anleger den unangefochtenen Weltmarktführer im Mitfahrgeschäft zum Ausverkaufspreis. Ein Unternehmen, das im vergangenen Quartal 14 Milliarden Dollar umsetzte und dessen Gewinn um 35 Prozent zulegte. Ein Unternehmen mit über 200 Millionen aktiven Kunden im Monat. Die Frage lautet also: Übertreibt der Markt gerade seine eigene Angst?

Warum die Uber Aktie unter der Robotaxi-Angst leidet

Die Sorge der Investoren ist im Kern nachvollziehbar. Selbstfahrende Autos könnten das klassische Geschäft mit menschlichen Fahrern verdrängen. Und schlimmer noch: Kunden könnten künftig direkt die App von Waymo öffnen, statt über Uber zu buchen. Damit verlöre Uber seine dominierende Rolle als Vermittler.

Diese Furcht bekam Ende Juli neue Nahrung. Nach Berichten der Financial Times prüfte Waymo den Ausstieg aus der Zusammenarbeit in Austin und Atlanta. Uber bestätigte kurz darauf, dass Waymo ab Januar 2028 in beiden Städten mit einer eigenen App an den Start gehen will. Der Kurs rutschte an einem einzigen Handelstag um rund vier Prozent ab. Zeitweise fiel die Aktie im Juli sogar auf 65 Dollar.

Das Verhältnis zwischen den einstigen Partnern hat sich merklich abgekühlt. Waymo betreibt seine Robotaxis inzwischen in elf US-Metropolen ohne Uber und liefert über 500.000 bezahlte Fahrten pro Woche. Bei dieser Größe braucht der Marktführer im autonomen Fahren keinen Vermittler mehr. Er will die Kundenbeziehung selbst kontrollieren.

Die Fundamentaldaten erzählen eine andere Geschichte

Doch wer nur auf die Robotaxi-Schlagzeilen schaut, übersieht das eigentliche Geschäft. Und dieses Geschäft brummt. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um elf Prozent auf 14 Milliarden Dollar. Die Bruttobuchungen kletterten um 22 Prozent auf 58 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie legte um 35 Prozent auf 81 Cent zu. Für das dritte Quartal stellte Uber ein ähnliches Wachstum in Aussicht.

Besonders bemerkenswert ist die Finanzkraft. Der freie Mittelzufluss betrug in den vergangenen zwölf Monaten zehn Milliarden Dollar. Für 2027 rechnen Marktbeobachter mit 13 Milliarden Dollar. Das entspräche einer Rendite auf den freien Cashflow von acht Prozent. Uber zahlt keine Dividende, will aber die Hälfte dieses Geldstroms für Aktienrückkäufe verwenden.

Die Bilanz ist kerngesund. Barmittel und Investments von 27 Milliarden Dollar stehen Schulden von lediglich elf Milliarden Dollar gegenüber. Für ein Wachstumsunternehmen dieser Größenordnung ist das ein komfortables Polster.

Uber ist längst mehr als ein Taxidienst

Ein zentraler Denkfehler vieler Anleger liegt in der Wahrnehmung. Uber gilt als reiner Fahrdienst. Tatsächlich stammen nur rund 55 Prozent der Erlöse aus dem Mitfahrgeschäft. Weitere 35 Prozent liefert Uber Eats, der führende Anbieter im Bereich der Essenslieferungen. Die restlichen zehn Prozent kommen aus dem Frachtgeschäft.

Gerade das Liefergeschäft baut Uber konsequent aus. Erst im Vormonat sicherte sich der Konzern mit der Übernahme des europäischen Anbieters Delivery Hero für 15 Milliarden Dollar den Zugang zu neuen Märkten. Der Wert dieser Sparte wird an der Börse leicht unterschätzt. Der Rivale DoorDash, der ausschließlich in der Essenslieferung tätig ist, wird mit dem 31-fachen des für 2027 erwarteten Gewinns bewertet.

Rechnet man Uber Eats mit demselben Bewertungsmaßstab, ergibt sich eine erstaunliche Schlussfolgerung. Das eigentliche Fahrgeschäft von Uber wäre dann noch günstiger bewertet als der Gesamtkonzern mit seinem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17. Diese Rechnung verdeutlicht, wie preiswert die Aktie derzeit gehandelt wird.

Die Kooperation statt Konkurrenz im autonomen Fahren

Interessant ist, wie Uber selbst mit der Robotaxi-Bedrohung umgeht. Der Konzern setzt nicht allein auf Waymo. Über zehn Milliarden Dollar hat Uber für die kommenden Jahre bereitgestellt, um 120.000 selbstfahrende Fahrzeuge auf die eigene Plattform zu bringen. Zu den Partnern zählen Nuro, Wayve und Zoox. Bekannte Namen sind das nicht, doch die Strategie dahinter ist durchdacht.

Denn die Nachfrage nach Fahrten schwankt stark. Am Samstagabend ist sie hoch, nachts hingegen niedrig. Eine reine Robotaxi-Flotte stünde einen großen Teil der Zeit ungenutzt herum. Ein Mischmodell aus menschlichen Fahrern und autonomen Fahrzeugen ist deshalb wirtschaftlich überlegen. Genau hier liegt Ubers strukturelle Stärke. Der Konzern bündelt die Nachfrage von 200 Millionen Kunden. Diese Reichweite ist für jeden Anbieter autonomer Technik wertvoll.

Der Ausrollprozess der Robotaxis verläuft ohnehin langsamer als von Befürwortern erhofft. Technische Hürden, regulatorische Fragen und politischer Widerstand bremsen die Verbreitung. Hinzu kommt das Misstrauen vieler Amerikaner gegenüber fahrerlosen Autos. Aktuell sind die Fahrzeuge in etwa sieben Städten unterwegs. Bis Jahresende sollen es 15 werden. Von einer flächendeckenden Verdrängung ist das weit entfernt.

Warum die Bewertung nicht zur Realität passt

Die entscheidende Beobachtung betrifft die Diskrepanz zwischen Kurs und Substanz. Uber wird mit dem 17-fachen des für 2027 erwarteten Gewinns gehandelt. Zum Vergleich: Der breite US-Aktienmarkt und selbst der Versorgersektor liegen beim rund 20-fachen. Uber wächst deutlich schneller als beide, wird aber mit einem Abschlag bewertet. Das ist eine ungewöhnliche Konstellation.

Auch prominente Investoren sehen diese Lücke. Ein bekannter Vermögensverwalter hält Uber zu seinen größten Positionen und verwies vergangene Woche darauf, dass die Bewertung sich zunehmend von den Fundamentaldaten entkoppelt habe. Marktbeobachter sprechen von einem hochwertigen Titel, der schlicht aus der Mode geraten ist. Runtergedrückte Kurse bei erstklassigen Unternehmen sind an der Börse selten von Dauer.

Die große Erkenntnis lautet daher: Der Markt preist bei Uber mehr Robotaxi-Schaden ein, als die tatsächliche Entwicklung rechtfertigt. Die Angst vor einem Prozent Marktanteil hat den Blick auf ein hochprofitables, wachsendes Kerngeschäft verstellt. Genau in solchen Momenten der Übertreibung nach unten entstehen die interessantesten Einstiegsgelegenheiten. Ob Sie diese nutzen, entscheiden Sie selbst. Die Fakten aber liegen nun offen vor Ihnen.

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