Wer im Frühjahr an Twilio geglaubt hat, darf sich jetzt freuen. Der Anbieter von Kommunikationssoftware hat seit Jahresbeginn mehr als 80 Prozent zugelegt und gehört damit zu den größten Profiteuren einer Rückkehr der Anleger in den lange gemiedenen Softwaresektor. Bei rund 250 Dollar je Aktie bringt das Unternehmen einen Unternehmenswert von gut 36 Milliarden Dollar auf die Waage.
Was hinter dem starken Quartal steckt
Im zweiten Quartal legte der Umsatz um 22 Prozent auf 1,50 Milliarden Dollar zu und übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich. Twilio verdient sein Geld nutzungsbasiert, das heißt, Kunden zahlen nach tatsächlichem Verbrauch. Besonders wichtig ist die sogenannte Nettoexpansionsrate von 116 Prozent. Sie zeigt, dass bestehende Kunden im Schnitt 16 Prozent mehr auf der Plattform ausgeben als ein Jahr zuvor. Genau diese Kennzahl ist derzeit heiß begehrt, weil viele Softwarefirmen fürchten, dass Künstliche Intelligenz ihnen Kunden abgräbt.
Der Blick auf den freien Cashflow
Twilio hat seine Jahresprognose spürbar angehoben und rechnet nun mit einem organischen Wachstum von 13 bis 13,5 Prozent. Wichtiger noch für viele Investoren, die Prognose für den freien Cashflow, also das Geld, das nach allen Investitionen übrig bleibt, kletterte auf eine Marge von rund 19 Prozent. Im zweiten Quartal sprang dieser Wert um 34 Prozent auf 352,6 Millionen Dollar.
Ein Teil des Umsatzwachstums geht allerdings auf durchgereichte Gebühren amerikanischer Mobilfunkanbieter zurück, die keinen Gewinn abwerfen. Rechnet man diesen Effekt heraus, bleibt das Wachstum überwiegend aus eigener Kraft getrieben.
Twilio Aktie Chart
Vom Schnäppchen zum Premiumpreis
Der schnelle Kursanstieg hat die Bewertung verändert. Vor wenigen Monaten galt Twilio noch als günstig, inzwischen zahlen Anleger einen Aufschlag, der sonst KI-Werten vorbehalten ist. Das Unternehmen verbindet stabile Umsätze mit geringem Kapitalbedarf und wachsender Profitabilität, ein Profil, das im Softwaresektor selten geworden ist.
Doch je höher die Bewertung klettert, desto größer wird die Fallhöhe. Für das kommende Jahr wartet zudem ein schwierigerer Vergleichsmaßstab, unter anderem weil in diesem Jahr Umsätze rund um die US-Wahl anfielen. Die entscheidende Frage für Anleger lautet also, ob Twilio das Tempo halten kann, oder ob die Rally bereits einen großen Teil der guten Nachrichten vorweggenommen hat.
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