Ein einziger Preis entscheidet gerade über Wohl und Wehe der TUI-Aktie: der Ölpreis. Rutscht er unter 100 US-Dollar je Barrel, jubeln Anleger. Genau das geschah am Freitag – und der Reisekonzern gehörte prompt zu den größten Gewinnern des Tages.
Hoffnung auf Deeskalation treibt den Kurs
Auslöser war die Aussicht auf eine Annäherung zwischen den USA und dem Iran. Die Hoffnung auf weniger Spannungen am Persischen Golf ließ den Ölpreis unter die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar fallen. Für TUI zählt jeder Cent beim Öl direkt zu den Kosten fürs Kerosin – ein Rückgang wirkt sich daher unmittelbar positiv auf die Gewinnaussichten aus.
Die Aktie schloss am Freitag bei 6,86 Euro, ein Plus von 3,60 Prozent zum Vortag. Auf Jahressicht bleibt der Titel dennoch deutlich im Minus: Seit Jahresbeginn steht ein Rückstand von 23,41 Prozent zu Buche. Der Tagesgewinn ändert daran wenig – er zeigt vor allem, wie sensibel die Aktie auf geopolitische Nachrichten reagiert.
Kein nachhaltiger Befreiungsschlag
Von einer echten Trendwende kann noch keine Rede sein. Der Kurs bewegt sich weiterhin unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 6,99 Euro und bleibt damit im mittelfristigen Abwärtstrend gefangen. Das Risiko einer erneuten Eskalation am Golf bleibt bestehen. Käufer trauen sich deshalb bislang nur zögerlich aus der Deckung.
Gewinnwarnung wirkt nach
Der eigentliche Belastungsfaktor liegt tiefer als der Ölpreis. TUI hatte die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr bereits im April deutlich zurückgenommen. Statt des ursprünglich angepeilten Wachstums rechnet der Konzern nun mit einem bereinigten operativen Ergebnis von 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro – nach 1,41 Milliarden Euro im Vorjahr.
Grund waren schwächere Buchungen im Sommergeschäft. Der Nahost-Konflikt spielt dabei eine Rolle, ist aber nicht die einzige Ursache. Am 13. Mai bestätigte der Konzern in Hannover, dass sich das kurzfristige Buchungsverhalten der Kunden verfestigt hat. Zu diesem Zeitpunkt hatte noch knapp die Hälfte der Sommerreisenden gar nicht gebucht.
TUI-Chef Sebastian Ebel setzt seither auf höhere Durchschnittspreise. Damit will er die schwächeren Buchungszahlen ausgleichen. Eine neue Umsatzprognose traut sich Ebel trotzdem weiterhin nicht zu.
Analysten bleiben trotz Prognosekürzung optimistisch
Nicht alle Beobachter sehen die Lage düster. Barclays hob das Kursziel für TUI am 8. Juli von 9 auf 10 Euro an und bestätigte die Einstufung „Overweight“. Die Investmentbank verweist dabei auf einen konkreten Vorteil: TUI hat den Kerosinbedarf für den Sommer 2026 bereits zu 83 Prozent abgesichert. Das verschafft dem Konzern Planungssicherheit bei einem der größten Kostenblöcke – unabhängig davon, wie sich der Ölpreis in den kommenden Monaten entwickelt.
Ausblick
Der Rahmen bleibt vorerst unverändert. Solange sich das Buchungsverhalten der Kunden nicht sichtbar normalisiert, dürfte auch das Chartbild kaum nachhaltig drehen. In der kommenden Woche entscheidet vor allem eines über die Richtung: die weitere Entwicklung der Nahost-Diplomatie und des Ölpreises. Hält die Deeskalation an, könnte TUI weiteren Rückenwind bekommen. Flammt der Konflikt dagegen wieder auf, droht ein Rückfall unter die 7-Euro-Marke.
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