Die TUI-Aktie hat am Freitag ein deutliches Lebenszeichen gezeigt: Das Papier legte um 3,60 Prozent zu und schloss bei 6,86 Euro. Der Sprung kommt, nachdem Medienberichte in dieser Woche über eine spürbare Buchungszurückhaltung europäischer Urlauber im laufenden Sommergeschäft den Kurs belastet hatten. Als Gründe für die Zurückhaltung nennen die Berichte geopolitische Spannungen im östlichen Mittelmeerraum sowie eine allgemeine Konsumzurückhaltung der Verbraucher.
Trotz der Freitagserholung bleibt die Bilanz der vergangenen Monate für Anleger ernüchternd: Seit Jahresbeginn steht bei der TUI-Aktie ein Minus von 23,41 Prozent zu Buche. Der jüngste Kursanstieg ändert daran wenig, zeigt aber, dass Käufer bei den aktuellen Niveaus wieder zugreifen.
Charttechnik sendet Kaufsignal
Parallel zur fundamentalen Nachrichtenlage hat sich auch das technische Bild aufgehellt. Am Freitag durchbrach die Aktie im Handelsverlauf den gleitenden Durchschnitt der vergangenen 100 Tage nach oben – ein Signal, das Charttechniker traditionell als Hinweis auf eine mögliche Trendwende werten. Bereits zuvor hatten Analysten auf Ansätze einer unteren Trendwende hingewiesen, nachdem das Papier Ende Juni am Widerstand bei 8,00 Euro gescheitert war. Ob daraus eine nachhaltige Erholung wird, dürfte sich erst in den kommenden Wochen zeigen.
Konzern baut Kapazitäten nach FTI-Insolvenz aus
Fernab der Kursbewegung arbeitet TUI operativ an einer Ausweitung der Marktposition. Nach der Insolvenz des Wettbewerbers FTI Group weitet der Konzern seine Kontingente in Kernmärkten deutlich aus, um frei gewordene Marktanteile zu sichern. Die Strategie zielt darauf ab, Kunden des insolventen Konkurrenten für die eigenen Reiseangebote zu gewinnen – ein Vorhaben, das angesichts der aktuell verhaltenen Buchungslage zusätzliches Gewicht bekommt.
Zugleich fordert der Konzern eine Reform des Deutschen Reisesicherungsfonds. TUI verlangt eine Aussetzung der laufenden Einzahlungen, da das Fondsvolumen mit rund einer Milliarde Euro nach eigener Einschätzung bereits ausreichend dotiert ist. Eine solche Aussetzung würde die Liquidität des Unternehmens spürbar entlasten, sollte die Forderung Gehör finden.
Gesenkte Gewinnprognose noch nicht verdaut
Im Hintergrund wirkt weiterhin die im April erfolgte Senkung der Gewinnprognose nach. Der Vorstand hatte das Ziel für das bereinigte EBIT im Geschäftsjahr 2025/26 auf eine Spanne von 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro reduziert, nachdem zuvor noch ein Wachstum gegenüber dem Vorjahreswert von 1,41 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden war. Diese Korrektur dürfte einer der Gründe sein, warum Investoren die aktuellen Berichte über schwache Buchungszahlen besonders aufmerksam verfolgen.
Blick auf den Q3-Bericht am 12. August
Entscheidende Klarheit über den tatsächlichen Geschäftsverlauf dürfte der Quartalsbericht für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 bringen, den TUI am 12. August veröffentlicht. Anleger werden dann insbesondere darauf achten, ob sich die berichtete Buchungszurückhaltung in den Zahlen niederschlägt und ob die im April gesenkte Prognose weiterhin Bestand hat. Auch die Wirkung der ausgeweiteten Kapazitäten nach dem FTI-Ausfall dürfte erstmals konkreter messbar werden. Bis dahin bleibt die Aktie zwischen kurzfristiger technischer Erholung und mittelfristiger fundamentaler Unsicherheit gefangen.
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