Schiffe werden festgesetzt, Militäraktionen häufen sich in der Straße von Hormuz. Eigentlich Nachrichten, die Reisekonzerne belasten sollten. Die TUI-Aktie tut genau das Gegenteil: Sie klettert weiter nach oben.
Am Dienstag schloss das Papier bei 7,27 Euro, ein Plus von 1,68 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 6,76 Prozent zu Buche. Diese Kursstärke überrascht viele Marktteilnehmer angesichts der Lage im Nahen Osten.
Warum die Aktie die Krise wegsteckt
Die Nachrichtenlage aus der Golfregion bleibt volatil. Am vergangenen Wochenende meldeten Berichte erneute Zwischenfälle in der Straße von Hormuz. Trotzdem reagiert die TUI-Aktie robust auf diese Meldungen.
Analysten führen das auf die operative Aufstellung des Konzerns zurück. TUI hat einen Großteil seines Kerosinbedarfs für die Sommersaison bereits zu günstigeren Konditionen abgesichert. Das schützt die Margen vor kurzfristigen Ölpreisspitzen. Hinzu kommt eine hohe Nachfrage nach Zielen im westlichen Mittelmeerraum und auf den Kanaren – sie dienen vielen Urlaubern derzeit als Ausweichziel für den östlichen Mittelmeerraum.
Der FTI-Effekt
Ein zweiter Treiber wirkt strukturell und dürfte länger anhalten als jede Nahost-Meldung: die Konsolidierung des europäischen Reisemarktes. Nach dem Marktaustritt der FTI-Gruppe im vergangenen Jahr baute TUI seine Kapazitäten in der Türkei und in Griechenland konsequent aus. Der Konzern übernahm laut Schätzungen signifikante Kontingente des insolventen Wettbewerbers, was die Auslastung in der eigenen Hotel- und Flugsparte verbessert.
Die britische Investmentbank Barclays honoriert das: Sie hob ihr Kursziel für TUI zuletzt auf 10 Euro an und beließ die Einstufung bei „Overweight“. Die Experten verweisen dabei auf die verbesserte Bilanzstruktur und das Potenzial für steigende Cashflows.
Charttechnik zeigt Kaufsignal
Die Aktie hat zuletzt ein wichtiges technisches Signal geliefert: Sie durchbrach den gleitenden 100-Tage-Durchschnitt bei 6,91 Euro nachhaltig nach oben. Aktuell notiert der Titel auch über der 50-Tage-Linie bei 7,03 Euro.
Der nächste Widerstand wartet bei 7,62 Euro – dem 200-Tage-Durchschnitt. Bis dahin fehlen noch 4,59 Prozent. Ein Ausbruch über diese Marke würde das übergeordnete Bild deutlich aufhellen.
Der RSI steht bei 57,4 und damit im neutralen Bereich. Das lässt theoretisch noch Raum für weitere Kursgewinne, bevor die Aktie als überkauft gilt.
Die nächsten Quartalszahlen erscheinen voraussichtlich im August. Der Bericht zum dritten Geschäftsviertel wird zeigen, ob gestiegene Buchungen und ausgebaute Kapazitäten die Zusatzkosten aus der Krisenregion kompensieren konnten.
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