Die TUI-Aktie schloss am Freitag bei 7,19 Euro, ein Plus von 1,58 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Zuwachs von 10 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn bleibt aber ein Minus von 19,43 Prozent stehen.
Zwei politische Entscheidungen sollen die Kosten des Konzerns senken. Gleichzeitig wächst der Ärger der Kunden. Für Anleger stellt sich die Frage, welcher Effekt am Ende stärker wiegt.
Die Acht-Euro-Marke bleibt hartnäckig
Charttechnisch zeigt der Titel ein gemischtes Bild. Mit 4,11 Prozent liegt die Aktie über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 6,91 Euro. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 7,64 Euro fehlen aber 5,92 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 9,50 Euro, erreicht im Februar, trennen den Titel noch rund 24 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 6,11 Euro beträgt der Abstand knapp 18 Prozent. Der RSI von 52,4 zeigt ein neutrales Bild, die Volatilität von 33 Prozent signalisiert weiterhin nervöse Handelstage.
Die Marke von acht Euro bleibt die entscheidende Hürde. Mehrere Anläufe sind zuletzt daran gescheitert, obwohl sich operativ einiges zugunsten des Konzerns bewegt.
Zwei staatliche Entlastungen senken die Kosten
Seit dem 1. Juli ist die Luftverkehrsteuer gesunken. Kurzstreckenflüge kosten nun 13,03 statt 15,53 Euro Steuer, Mittelstreckenflüge 33,01 statt 39,34 Euro. Bei Langstreckenflügen sinkt die Abgabe von 70,83 auf 59,43 Euro.
Die Bundesregierung hatte sich im November 2025 im Koalitionsausschuss auf ein Maßnahmenpaket für die Luftverkehrsbranche geeinigt. Die aktuelle Steuersenkung setzt dieses Paket um. TUI profitiert direkt, da der Konzern mit seiner eigenen Airline-Sparte Ticketsteuer zahlt.
Der Bund verzichtet dadurch auf bis zu 355 Millionen Euro Einnahmen pro Jahr. Ob TUI die Ersparnis an die Kunden weitergibt oder in der eigenen Marge behält, ist noch offen.
Eine zweite Entlastung folgt im Herbst. Der Deutsche Reisesicherungsfonds senkt zum 1. November seine Entgelte auf 0,25 Prozent des absicherungspflichtigen Umsatzes. Das entspricht einer Halbierung des aktuellen Satzes. Der nach der Thomas-Cook-Pleite eingerichtete Fonds gilt inzwischen als überkapitalisiert.
Kunden beschweren sich häufiger
Diesen Kostenvorteilen steht eine wachsende Belastung gegenüber. Die Schlichtungsstelle „Reise & Verkehr“ registrierte im ersten Halbjahr 2026 rund 29.000 neue Anträge. Das sind über 50 Prozent mehr als in den Vorjahreszeiträumen.
Im ersten Halbjahr 2024 lagen die Anträge noch bei 19.492, 2025 bei 18.836. Extremwetter im Frühjahr und der Krieg in der Golfregion führten zu erheblichen Reiseeinschränkungen. Die Folge: zahlreiche Konflikte zwischen Reisenden und Anbietern.
Rund 24.000 der Anträge betreffen den Bereich Flug, das sind etwa 83 Prozent. Für TUI als größten europäischen Reisekonzern bedeutet das mehr Aufwand für Umbuchungen und Entschädigungen. Gleichzeitig steht das Kundenvertrauen in Pauschalreisen auf dem Prüfstand.
Was für die kommende Woche zählt
Charttechnisch bleibt die Acht-Euro-Marke der entscheidende Prüfstein. Fundamental verbessern die sinkenden Fixkosten aus Luftverkehrsteuer und Reisesicherungsfonds die Kostenbasis im laufenden Geschäftsjahr. Die Rekord-Beschwerdezahlen und anhaltend hohe Kerosinpreise wirken dem entgegen.
Ob sich der politische Rückenwind im Kurs niederschlägt, hängt auch davon ab, ob TUI die Einsparungen selbst behält oder an Kunden weitergibt. Bis dahin bleibt die Acht-Euro-Marke der nächste Testpunkt für den Titel.
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