Man muss sich das kurz vorstellen: 19,15 Milliarden Euro Quartalsgewinn, zwei Milliarden mehr als Analysten erwartet hatten, der neunte zweistellige prozentuale Anstieg in Folge, und die Aktie fällt. Mehr als 2 Prozent gaben die in Frankfurt notierten TSMC-Aktien nach. Fünfter Rekordquartalsgewinn in Folge, und der Markt zuckt mit den Schultern.
Zahlen, die eigentlich keine Fragen offen lassen
Dabei sind die Zahlen wirklich nicht mehrdeutig. Der Umsatz legte im zweiten Quartal um 36 Prozent auf knapp 35 Milliarden Euro zu. Für das laufende Quartal stellt TSMC zwischen 38,9 und 40 Milliarden Euro in Aussicht, rund 38 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Und das Gesamtjahr? Wachstum von 40 Prozent, nicht die bislang avisierten 30. Das Unternehmen hebt seine eigenen Ziele an, und zwar kräftig.
Der Treiber dahinter ist bekannt: Hochleistungschips für KI-Anwendungen. Ihr Anteil am Gesamtumsatz liegt inzwischen bei etwa einem Viertel. Im dritten Quartal 2023 waren es noch 6 Prozent. Nvidia und Apple gehören zu den Kunden, die Kapazitäten laufen nach Angaben von Konzernchef C.C. Wei am Limit.
Samsung hat Spuren hinterlassen
Warum also der Kursrücksetzer? Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets, benennt es direkt: Trotz starker Zahlen bleibe die Skepsis der Investoren über die weitere Entwicklung im KI- und Rechenzentrumsgeschäft vorhanden. Vergangene Woche hatten enttäuschende Zahlen von Samsung Ängste vor einem Abflauen des KI-Booms geschürt und Technologiewerte weltweit unter Druck gesetzt. Dieser Schatten liegt noch über dem Sektor.
Dabei notiert die TSMC-Aktie immer noch rund 60 Prozent über dem Niveau zu Jahresbeginn. Wer vor zwölf Monaten gekauft hat, sitzt auf einem Plus von knapp 120 Prozent. Der Konzern ist an der Börse inzwischen fast zwei Billionen Dollar wert und liegt damit als erster nicht-amerikanischer Konzern auf Rang sechs der wertvollsten Unternehmen der Welt, hinter Nvidia, Apple, Alphabet, Microsoft und Amazon.
265 Milliarden Dollar für Amerika
TSMC denkt derweil nicht kleiner. Zu den bereits angekündigten 165 Milliarden Dollar für mehrere Werke in Arizona kommen nun weitere 100 Milliarden Dollar hinzu. Vier zusätzliche Fabriken könnten dort entstehen. Und auch die Investitionen in die eigene Produktionskapazität steigen: 52 bis 56 Milliarden Euro will TSMC 2026 ausgeben, 14 Prozent mehr als bislang geplant. Als Grund nennt das Unternehmen unter anderem gestiegene Maschinenpreise.
Preiserhöhungen für Chips schloss C.C. Wei nicht aus. Drastische Anhebungen, wie bei Speicherchips zuletzt zu beobachten, lehnte er allerdings ab. Was bleibt, ist ein Unternehmen, das an seiner eigenen Kapazitätsgrenze produziert, die Ziele anhebt und trotzdem fällt. Der Markt ist eben gerade nicht in der Stimmung, gute Nachrichten einfach gut zu finden.
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