Während Halbleiterwerte weltweit unter Druck stehen, fährt Taiwan Semiconductor Manufacturing Company sein Investitionsprogramm hoch. Der Auftragsfertiger hat seine Kapitalausgaben für 2026 nach Berichten von United Daily News und Liberty Times auf 60 bis 64 Milliarden Dollar angehoben, zuvor waren rund 50 Milliarden Dollar geplant. Parallel dazu will TSMC die Foundry-Preise für fortgeschrittene Prozesse unterhalb von 7 Nanometern ab 2027 um 5 bis 10 Prozent erhöhen, wie Aju Press berichtet. Für Kunden wie Qualcomm und Samsung bedeutet das steigende Kosten bei Flaggschiff-Chips.
Neue Verpackungstechnik soll Kunden binden
Ein zentraler Treiber der höheren Ausgaben ist die Advanced-Packaging-Sparte. Laut The Herald Business entwickelt TSMC gemeinsam mit dem taiwanischen Zulieferer Kinsus eine Verpackungstechnologie, die dem EMIB-Verfahren von Intel ähnelt. Der Schritt soll Kundenabwanderung verhindern, nachdem Lieferzeiten für das CoWoS-L-Verfahren auf bis zu 78 Wochen gestiegen sind. Aufträge für CoWoS-L sind bereits bis 2027 ausgebucht. Intels EMIB-T-Technologie erreicht mittlerweile eine Ausbeute von rund 90 Prozent und soll etwa halb so teuer sein wie CoWoS – ein Argument, das TSMC offenbar ernst nimmt, auch wenn die Substratausbeute bei Intel noch bei nur rund 50 Prozent liegt.
2-Nanometer-Rampe und Kumamoto in der Gewinnzone
Beim Ausbau der fortschrittlichsten Fertigung macht TSMC laut Berichten von Economic Daily News deutliche Fortschritte. Die 2-Nanometer-Produktion in Fab 20 soll von aktuell 20.000 auf 100.000 Wafer pro Monat bis Ende 2026 steigen. Gleichzeitig zieht TSMC das Ziel für die 3-Nanometer-Fertigung auf 180.000 Wafer monatlich vor das vierte Quartal 2026 vor. Der 2-Nanometer-Knoten trug im dritten Quartal 2026 bereits 3 Prozent zum Umsatz bei und verzeichnet viermal so viele Tape-outs wie der 3-Nanometer-Prozess zu einem vergleichbaren Zeitpunkt. Zu den Kunden zählen Nvidia, AMD, Broadcom und Apple, dessen A20 Pro für das iPhone 18 Pro im September in die 2-Nanometer-Fertigung startet.
Auch außerhalb Taiwans zeigt sich Fortschritt: Das japanische Werk in Kumamoto (JASM) erzielte im ersten Quartal 2026 erstmals einen Gewinn von umgerechnet rund 29 Millionen Dollar, nachdem im Vorquartal noch ein Verlust angefallen war. Ein Erdbeben der Stärke 7,1 Ende Juli sorgt laut TechTimes nun aber für Unsicherheit beim Bau der zweiten Kumamoto-Fabrik, die auf 3-Nanometer-Technik ausgelegt ist und ursprünglich 2028 anlaufen sollte.
Kurskorrektur trifft gesamten Sektor
An der Börse spiegelt sich die Investitionsoffensive bislang nicht in der Kursentwicklung. Die TSMC-Aktie notiert aktuell bei 351,00 Euro und damit rund 11 Prozent unter dem Niveau von vor 30 Tagen, während sie seit Jahresbeginn noch immer ein Plus von 36,58 Prozent aufweist. Der Halbleitersektor insgesamt ist laut einer Analyse von The Motley Fool binnen eines Monats um mehr als 22 Prozent von seinem Hoch eingebrochen. Auch der Sektor-ETF SMH, in dem TSMC mit rund 9,5 Prozent gewichtet ist, verlor in diesem Zeitraum 18 Prozent nach einem vorherigen Jahresplus von 75 Prozent.
Goldman Sachs berichtet laut eigenen Prime-Brokerage-Daten, dass Hedgefonds Halbleiterwerte zuletzt so stark verkauft haben wie kein anderes US-Subsegment – bei gleichzeitig historisch hoher Positionierung in KI-Werten insgesamt. The Motley Fool sieht in der Korrektur trotzdem eine Kaufgelegenheit: TSMC halte laut Counterpoint Research einen Marktanteil von 73 Prozent in der Auftragsfertigung und handle aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 28 auf Basis der erwarteten Gewinne. Die von TSMC selbst ausgegebene langfristige Umsatzwachstumsprognose von 25 Prozent jährlich bis 2029 werde vom Markt sogar als zu konservativ eingeschätzt.
Unter den Analystenhäusern zählt Barclays mit einem Kursziel von 650 Dollar zu den optimistischeren Stimmen, Susquehanna sieht das Papier bei 600 Dollar. Der breitere Konsens liegt im Schnitt bei 496,25 Dollar. Institutionelle Anleger positionierten sich zuletzt uneinheitlich: Während einzelne Fonds ihre TSMC-Bestände deutlich reduzierten, bauten andere neue Positionen auf – ein Zeichen dafür, dass die Einschätzungen zum weiteren Kursverlauf trotz der jüngsten Schwäche auseinandergehen.
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