Taiwan Semiconductor Manufacturing Company dominiert die globale Chipfertigung wie kein zweites Unternehmen. Hinter dieser Stärke verbergen sich jedoch handfeste Probleme auf der Heimatinsel — und die könnten das Wachstumstempo bremsen.
Talent und Wasser: Die drängendsten Sorgen
CEO C.C. Wei hat fünf kritische Engpässe benannt, die Taiwans Halbleiterindustrie gefährden: Wasser, Strom, Arbeitskräfte, Land und Fachkompetenz. Den größten Handlungsbedarf sieht Wei beim Mangel an qualifizierten Fachkräften. Knapp dahinter folgt die Wasserversorgung.
Das Unternehmen erwog zuletzt sogar den Einsatz von Wassertankwagen, um die Produktion aufrechtzuerhalten. Das erinnert an die Dürre von 2021, als Taiwan strenge Wasserrestriktionen verhängte. Jüngere Regenfälle haben die Lage kurzfristig entspannt — die langfristige Versorgungssicherheit bleibt aber ein strategisches Problem.
Regierung sichert Infrastruktur zu
Taiwans Präsident Lai Ching-te hat beim Spatenstich für den neuen Wissenschaftspark in Pingtung konkrete Maßnahmen angekündigt. Die Regierung plant, regionale Stauseen zu vernetzen, um eine stabile Wasserversorgung zu gewährleisten. Die Stromreserven sollen dauerhaft über 20 Prozent gehalten werden. Für neue Industrieparks stehen 1.305 Hektar Land bereit.
Beim Fachkräftemangel setzt die Regierung auf Öffnung: Arbeitserlaubnisse für ausländische Spezialisten sollen leichter zugänglich werden.
Marktmacht und Preiserhöhungen
TSMC hat seinen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz zuletzt deutlich ausgebaut. Im ersten Quartal 2026 hielt das Unternehmen laut TrendForce einen Marktanteil von 72,3 Prozent im Foundry-Segment. Samsung Foundry kam auf 6,5 Prozent. Kein Wunder, dass TSMC diese Machtstellung nun nutzt.
Ab der zweiten Hälfte 2026 plant das Unternehmen Preiserhöhungen von rund 15 Prozent für seinen fortschrittlichen 3-Nanometer-Prozess. Rückenwind liefern die Zahlen: Im Mai erzielte TSMC einen Rekordumsatz von umgerechnet rund 11,6 Milliarden Euro — ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Treiber ist die ungebremste Nachfrage nach KI-Beschleunigern.
Trotz milliardenschwerer Investitionen in neue Werke in Arizona hält TSMC an Taiwan als Zentrum für Forschung, Entwicklung und Spitzenfertigung fest.
Kurs mit Schwung, Klage im Hintergrund
Die Aktie notiert aktuell bei 366,50 Euro — ein Plus von rund 1,4 Prozent gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast 34 Prozent zugelegt, auf Zwölfmonatssicht sogar knapp 97 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch von 389,50 Euro liegt noch rund sechs Prozent entfernt.
Parallel läuft ein US-Patentstreit: Die Unternehmen Longitude Licensing und Marlin Semiconductor klagen gegen TSMC. Taiwans Wirtschaftsministerium äußerte sich zuversichtlich und verwies auf den hohen Stellenwert geistigen Eigentums im Unternehmen. Ein erster Richterspruch wird noch im Juni 2026 erwartet.
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