Am Vorabend der Veröffentlichung der Quartalszahlen für das zweite Jahresviertel 2026 blickt die Halbleiterbranche gespannt auf die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC). Der weltweit führende Auftragsfertiger steht laut Analystenberichten vor dem fünften Rekordergebnis in Folge. Getragen wird dieses Wachstum maßgeblich von der ungebrochenen Nachfrage nach KI-Infrastruktur und fortschrittlichen Fertigungsprozessen wie der 3-Nanometer- und der kommenden 2-Nanometer-Technologie.
Rekordjagd bei Umsatz und Gewinn
Für das am 16. Juli zur Veröffentlichung anstehende Zahlenwerk rechnen Marktbeobachter laut Daten von LSEG mit einem Nettogewinn von 632,6 Milliarden Neuen Taiwan-Dollar (NT$), was einer Steigerung von 59 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entsprechen würde. Der Umsatz wird auf 1,27 Billionen NT$ geschätzt, ein Plus von 36 Prozent. Bereits vorliegende Daten für den Monat Juni unterstreichen diesen Trend: Mit Erlösen von 442,68 Milliarden NT$ verzeichnete das Unternehmen einen Zuwachs von 67,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – der stärkste monatliche Anstieg im bisherigen Jahresverlauf 2026.
Die Bruttomarge für das zweite Quartal wird am oberen Ende der Prognosespanne von 65,5 bis 67,5 Prozent erwartet, wobei einige Analysten wie von der Bank of America (BofA) Niveaus von bis zu 67 Prozent prognostizieren. Die BofA-Experten gehen zudem davon aus, dass TSMC die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf ein Wachstum von über 30 Prozent anheben könnte. In der ersten Jahreshälfte summierte sich der Umsatz bereits auf 2,4 Billionen NT$, was einem Anstieg von 35,6 Prozent entspricht.
Massive Investitionen in die Zukunft
Parallel zu den Ertragszahlen rückt die Investitionsstrategie (Capex) in den Fokus. TSMC hat die Prognose für die Investitionsausgaben im Jahr 2026 bereits auf eine Spanne von 52 bis 56 Milliarden US-Dollar angehoben. Marktteilnehmer halten eine weitere Aufstockung auf bis zu 58 Milliarden US-Dollar für möglich. Ein Großteil dieser Mittel fließt in den Ausbau der CoWoS-Kapazitäten (Chip-on-Wafer-on-Substrate), die als zentrales Nadelöhr in der Produktion von KI-Beschleunigern gelten. Bernstein prognostiziert eine Steigerung der CoWoS-Kapazität von 135.000 Wafern pro Monat Ende 2026 auf 195.000 Wafer bis Ende 2027.
Positive Signale kommen zudem vom wichtigen Ausrüster ASML, der am Mittwoch starke Quartalszahlen vorlegte und seine Umsatzprognose für 2026 auf 43 bis 45 Milliarden Euro anhob. Laut ASML-CEO wird das Wachstum durch die KI-Nachfrage getrieben, was die optimistischen Erwartungen für TSMC stützt. Sorgen über eine mögliche Verzögerung der neuen Vera-Rubin-Plattform von Nvidia trat dessen CEO Jensen Huang entgegen: Er bestätigte, dass sich die Systeme im Zeitplan befinden und die Produktion bereits läuft.
Kursentwicklung und Analysteneinstufungen
An der Börse notiert die TSMC-Aktie aktuell bei 364,50 €, was einer Tagesveränderung von -0,82% entspricht. Trotz dieses leichten Rücksetzers verzeichnet der Wert seit Jahresbeginn eine positive Entwicklung von 33,52%. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 420,50 €, das am 01.07.2026 markiert wurde, beträgt derzeit -13,32%. Zum 52-Wochen-Tief bei 196,00 € notiert das Papier hingegen mit einem deutlichen Plus von 85,97%.
Das Gros der Analysten bleibt zuversichtlich. Bernstein stuft den Titel mit „Outperform“ und einem Kursziel von 2.780 NT$ ein. Weitere internationale Häuser rufen ebenfalls hohe Ziele aus: Citigroup sieht die Aktie bei 3.800 NT$, während Goldman Sachs ein Ziel von 3.000 NT$ ausgibt. JP Morgan setzt das Kursziel bei 3.100 NT$ an, und Morgan Stanley liegt bei 2.888 NT$. Risiken bestehen laut Branchenexperten weiterhin in geopolitischen Spannungen und Exportbeschränkungen, wobei das Unternehmen durch den Ausbau neuer Verpackungsanlagen in Chiayi seine Marktposition weiter festigen möchte.
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