398 Milliarden Dollar. So viel hat Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC) in nur zwölf Monaten an Börsenwert zugelegt. Das ist mehr als der gesamte Marktwert von Volkswagen, BMW und Siemens zusammen. Plötzlich steht der Auftragsfertiger auf Platz neun der wertvollsten Unternehmen der Welt – und ist der einzige taiwanesische Vertreter in den Top 100.
Der Grund ist kein Geheimnis: Künstliche Intelligenz. TSMC produziert die Chips, die Rechenzentren, Smartphones und Industrieanlagen antreiben. Und während die Nachfrage nach KI-Beschleunigern explodiert, profitiert niemand so direkt wie der taiwanische Konzern.
Zahlen, die beeindrucken – und Fragen aufwerfen
Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 35 Prozent auf 35,9 Milliarden Dollar. Der Vorstand hob die Jahresprognose an: Jetzt rechnet TSMC mit einem Plus von über 30 Prozent. Parallel dazu fließen Milliarden in neue Fabriken. Allein für 2026 sind Investitionen von bis zu 56 Milliarden Dollar geplant – 80 Prozent davon für die modernsten Fertigungstechnologien.
Doch die Börse zeigt sich aktuell skeptisch. Die Aktie notiert bei 370 Euro – fünf Prozent unter ihrem Rekordhoch von Anfang Juni. Gleichzeitig liegt sie 36 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Die Volatilität bleibt hoch: 55 Prozent annualisiert in den letzten 30 Tagen.
Arizona als Testfall
Ein besonderes Augenmerk gilt dem US-Standort in Phoenix. Bis zu 20 Milliarden Dollar will TSMC dort investieren. Die Fabrik soll ab 2027 Chips für den amerikanischen Markt liefern – ein strategischer Zug, der politische Spannungen entschärfen und Lieferketten diversifizieren soll.
Doch der Zeitplan ist ambitioniert. Bisher hinkt das Projekt hinterher. Sollte sich die Inbetriebnahme weiter verzögern, könnte das die Bewertung belasten. Gleichzeitig sichert sich TSMC damit langfristige Aufträge von US-Techkonzernen wie Apple und Nvidia.
Was Anleger jetzt wissen müssen
Die Aktie bleibt ein hochriskantes Investment. Der Relative-Stärke-Index von 58 signalisiert weder Überkauf noch Überverkauf – ein neutrales Zeichen. Die kurzfristige Korrektur von 3,7 Prozent in der vergangenen Woche könnte eine Einstiegschance sein. Oder der Beginn einer längeren Konsolidierung.
Eines ist sicher: Die Nachfrage nach TSMCs Chips wird so schnell nicht nachlassen. Am 10. Juli folgen die Halbjahreszahlen. Sie werden zeigen, ob die Rekordjagd weitergeht – oder ob die Börse eine Pause einlegt.
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