Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
während alle Welt auf Nvidia und die Magnificent Seven starrte, spielte sich 2025 eine der spektakulärsten Kursexplosionen am Aktienmarkt ab. Drei Unternehmen, die lange als langweilige Value-Titel galten, verdreifachten ihren Börsenwert. Seagate Technology, Western Digital und Micron Technology sicherten sich die ersten drei Plätze im S&P 500. Was steckt hinter diesem Comeback? Und noch wichtiger: Kann die Rally 2026 weitergehen?
Von Ladenhütern zu Börsenlieblingen
Noch zu Jahresbeginn 2025 fristeten diese drei Unternehmen ein Schattendasein. Western Digital wurde zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,2 gehandelt. Damit war die Aktie gerade einmal teurer als Bunge Global, ein Unternehmen, das hauptsächlich Sojabohnen verarbeitet. Micron stand bei einem KGV von 11,2, Seagate bei 11,6. Diese Bewertungen wirkten absurd niedrig für Firmen, die Hightech-Komponenten in Reinräumen im Nanometerbereich fertigen.
Dann kam die Wende. Western Digital legte 282 Prozent zu, Micron 239 Prozent und Seagate 219 Prozent. Diese drei Namen führten die Performance-Rangliste des S&P 500 an und ließen die hochgelobten Magnificent Seven weit hinter sich. Was war passiert?
Künstliche Intelligenz frisst Speicher zum Frühstück
Die Antwort liegt in der explosionsartigen Nachfrage nach Speicherkapazitäten durch künstliche Intelligenz. Nvidia-Prozessoren mögen die Schlagzeilen dominieren, doch ohne Arbeitsspeicher und Datenspeicher wären diese Chips nutzlos. KI erzeugt und verschlingt gigantische Datenmengen. Autonome Fahrzeuge generieren permanent Videodaten, Sprachmodelle benötigen riesige Trainingsdatensätze, Rechenzentren speichern Unmengen von Informationen.
Western Digital rechnet damit, dass sich die Datenerzeugung in den kommenden Jahren verdreifachen wird. Gleichzeitig steigt der Anteil der Daten, die Unternehmen langfristig aufbewahren, von niedrigen einstelligen Prozentsätzen auf mittlere einstellige Bereiche. Diese Entwicklung klingt unspektakulär, bedeutet aber eine massive Ausweitung des Speicherbedarfs.
Die drei Unternehmen decken unterschiedliche Bereiche ab. Western Digital und Seagate konzentrieren sich auf Langzeitspeicher. Dazu gehören klassische Festplatten mit rotierenden Magnetscheiben und moderne Solid State Drives ohne bewegliche Teile. Seagate kündigte 2007 die erste Ein-Terabyte-Festplatte an. Heute bietet das Unternehmen Hyperscale-Kunden Festplatten mit über 30 Terabyte Kapazität. Die nächste Generation soll noch 2026 über 40 Terabyte erreichen.
Micron hingegen produziert vor allem Arbeitsspeicher, sogenanntes DRAM. Zusätzlich fertigt das Unternehmen Flash-Speicher für SSDs. Besonders lukrativ ist ein spezieller Hochleistungsspeicher namens HBM, der für KI-Anwendungen unverzichtbar ist. Dieser High-Bandwidth Memory ist deutlich schneller als normaler Arbeitsspeicher und entsprechend teurer.
Ein Markt explodiert
Der Markt für HBM könnte bis 2028 jährlich um 40 Prozent wachsen. Das Volumen würde von 35 Milliarden Dollar auf 100 Milliarden Dollar steigen. Diese Zahlen verdeutlichen, warum Speicherhersteller plötzlich im Rampenlicht stehen. Sie beliefern die Infrastruktur, ohne die KI nicht funktionieren kann.
Die Profitabilität hat schwindelerregende Höhen erreicht. Micron prognostiziert Bruttomargen von 68 Prozent. Analysten erwarten, dass Festplattenhersteller Bruttomargen von über 50 Prozent erzielen können. Zum Vergleich: Apple erwirtschaftet mit seinen hochpreisigen Produkten und Dienstleistungen eine Bruttomarge von 47 Prozent. Die Speicherbranche übertrifft damit eines der profitabelsten Unternehmen der Welt.
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Diese Entwicklung ist historisch außergewöhnlich. Speicherhersteller erlebten in der Vergangenheit immer wieder Boom-und-Bust-Zyklen. Stieg die Nachfrage, erhöhten sie die Produktion. Kunden orderten doppelt, um sich gegen Lieferengpässe abzusichern. Das täuschte noch höhere Nachfrage vor. Sobald sich das Wachstum verlangsamte, saßen Kunden auf Überbeständen. Preise stürzten ab, Hersteller schrieben rote Zahlen.
Dieses Mal ist alles anders – oder doch nicht?
Der berühmte Fondsmanager John Templeton nannte einmal „Dieses Mal ist alles anders“ die vier gefährlichsten Wörter beim Investieren. Dennoch sprechen Faktoren dafür, dass die aktuelle Situation anders sein könnte. Der entscheidende Unterschied liegt in der Marktstruktur. Über Jahrzehnte tummelten sich Hunderte Speicherhersteller am Markt. Durch Pleiten und Übernahmen schrumpfte die Zahl auf eine Handvoll relevanter Akteure.
Bei Festplatten dominieren Western Digital und Seagate mit jeweils etwa 40 Prozent Marktanteil. Toshiba hält knapp 20 Prozent. Im DRAM-Geschäft teilen sich Samsung Electronics und SK Hynix jeweils ein Drittel des Marktes. Micron kommt auf etwa ein Viertel. Diese Oligopol-Struktur verändert die Dynamik grundlegend.
Oligopole können theoretisch in Preiskämpfe oder Produktionsschlachten verfallen. Die Spieltheorie beschreibt, wie selbst Märkte mit wenigen Teilnehmern zu gegenseitiger Zerstörung neigen können. Die legale Lösung besteht darin, dass Unternehmen der Führung anderer folgen, ohne formale Absprachen zu treffen. Western Digitals CEO erklärte im Dezember, das Unternehmen werde keine zusätzlichen Produktionskapazitäten aufbauen. Stattdessen konzentriere man sich auf die Verbesserung der Speicherdichte pro Fläche.
Diese Disziplin könnte die Versorgung knapp halten. Analysten erwarten, dass die angespannte Lage bis 2026 und darüber hinaus anhält. Das würde die hohen Margen stabilisieren.
Die Bewertung bleibt erstaunlich niedrig
Trotz der spektakulären Kursgewinne erscheinen die Bewertungen moderat. Western Digital und Seagate handeln bei Kurs-Gewinn-Verhältnissen im niedrigen 20er-Bereich. Das liegt nur leicht unter dem Gesamtmarkt, obwohl Analysten rapides Gewinnwachstum prognostizieren. Micron wird mit einem KGV von nur neun gehandelt, was außergewöhnlich günstig wirkt.
Die breite Analystengemeinde zeigt sich überwiegend optimistisch. Die meisten Experten stufen die Aktien als Kauf ein. Sie argumentieren, dass die strukturellen Veränderungen in der Branche nachhaltiges Wachstum ermöglichen.
Interessanterweise profitieren auch südkoreanische Investoren von diesem Trend. Samsung und SK Hynix dominieren den DRAM-Markt. Der iShares MSCI South Korea ETF stieg 2025 um 95 Prozent. Die Speicher-Rally ist also kein rein amerikanisches Phänomen.
Was bringt das neue Jahr?
Der Januar könnte richtungsweisend werden. Vom 6. bis 9. Januar findet die Consumer Electronics Show statt. Vergangenes Jahr lobte Nvidias CEO öffentlich Micron-Speicher. Die Aktie schoss daraufhin an einem Tag um zehn Prozent nach oben. Ende Januar veröffentlichen die Festplattenhersteller ihre Quartalszahlen. Etwa zur gleichen Zeit könnten die Magnificent Seven ihre Pläne für Rechenzentren-Ausgaben kommentieren.
Western Digital hält traditionell Anfang Februar einen Investorentag ab. Aus steuerlichen Gründen wird das Unternehmen wahrscheinlich vor dem 21. Februar seinen verbleibenden Anteil an Sandisk verkaufen. Mit dem Erlös könnte mehr als die Hälfte der Nettoverschuldung von 2,6 Milliarden Dollar getilgt werden.
Fazit: Unterschätzte Profiteure der KI-Welle
Drei Unternehmen, die lange als unattraktiv galten, entwickelten sich zu den Top-Performern des Gesamtmarkts. Die Kombination aus explodierender Nachfrage, oligopolistischer Marktstruktur und diszipliniertem Kapazitätsmanagement schafft ein außergewöhnliches Umfeld.
Die Bewertungen bleiben trotz der Kursexplosion moderat. Das deutet darauf hin, dass der Markt dem Aufschwung noch nicht vollständig traut. Die Geschichte der Speicherbranche mahnt zur Vorsicht. Doch die strukturellen Veränderungen könnten dieses Mal tatsächlich einen Unterschied machen. Seagate, Western Digital und Micron liefern die unsichtbare Infrastruktur für die KI-Revolution. Ohne sie bleiben selbst die leistungsfähigsten Prozessoren stumm.
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