Ein kalter Winter, volle Nachfrage nach Flüssiggas und eine unruhige Golfregion: Für TotalEnergies laufen mehrere Treiber zusammen. Experten der DZ BANK sehen den Konzern gut aufgestellt, weil er Öl, Gas und LNG gleichermaßen abdeckt.
Hormus hält die Preise volatil
Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases läuft durch die Straße von Hormus. Europa bezieht nur etwa fünf Prozent seiner Lieferungen direkt über diese Route, spürt die Preise aber über den Weltmarkt. Anhaltende Angriffe auf Schiffe, hohe Frachtkosten und ein knappes Angebot an Raffinerieprodukten halten den Ölpreis schwankungsanfällig. Eine nachhaltige Entspannung zeichnet sich nicht ab.
Die Folgen sind in Deutschland sichtbar. Die Inflation lag im September bei 3,3 Prozent, im Februar waren es noch 1,9 Prozent. Haupttreiber sind Heizöl und Sprit.
Beim Gas kommt der Preisdruck erst jetzt näher. Die deutschen Speicher waren Anfang Oktober nur zu knapp 60 Prozent gefüllt, deutlich weniger als vor früheren Heizperioden. Ein kalter Winter würde den Verbrauch zusätzlich treiben.
Zwei Seiten für den Konzern
Für Energiekonzerne hat die Lage zwei Gesichter. Hohe Preise erhöhen die Einnahmen, im Nahen Osten fällt dagegen ein Teil der Fördermenge aus. TotalEnergies ist dort stark engagiert. Nach Einschätzung der DZ-BANK-Experten haben die Preiseffekte die Ausfälle bisher mehr als ausgeglichen.
Der französische Konzern fördert Öl und Gas und setzt einen Schwerpunkt auf LNG. Das dürfte vor dem Winter gefragt sein, weil die Speicher zügig aufgefüllt werden müssen. Käme es bei niedrigen Füllständen und Kälte am europäischen Gasmarkt zu Extremsituationen, würde der Konzern nach Einschätzung der Analysten profitieren.
Rückenwind mit Verfallsdatum
Bleibt der Winter mild und beruhigt sich die Lage am Golf, fällt dieser Effekt schwächer aus. Wie schnell sich der Wind drehen kann, zeigte der Ölpreis bereits im Sommer. Eine Normalisierung von Preisen und Liefermengen würde den stark gestiegenen Aktienkurs belasten.
Als Gegengewicht wirkt die Politik: Seit dem 1. Oktober gilt an der Zapfsäule erneut eine befristete Entlastung, die Energiesteuer auf Benzin und Diesel sinkt bis zum 31. Dezember 2026 um 14 Cent je Liter. Für die Aktie bleiben damit Wetter, Speicherstände und die Lage am Golf die maßgeblichen Faktoren bis zum Jahresende.
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