Die Zeiten des rasanten China-Geschäfts sind für Tokyo Electron vorerst vorbei. Steigende Exportkontrollen und wachsende Konkurrenz aus dem Inland drücken den Umsatzanteil der Volksrepublik. Gleichzeitig setzt der japanische Chipausrüster nun voll auf die KI-Infrastruktur.
Der Aktienkurs schloss am Freitag bei 413,90 Euro, ein Minus von 3,74 Prozent. Damit notiert das Papier rund vier Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 432,95 Euro. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt immer noch über 100 Prozent – der langfristige Aufwärtstrend ist intakt.
China-Geschäft schrumpft drastisch
Tokio Electron verbuchte im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres China-Einnahmen von 175,5 Milliarden Yen. Im Vorquartal waren es noch 279,4 Milliarden Yen. Der Anteil am Gesamtumsatz fiel auf 31,8 Prozent. Zuvor hatte das Management noch mit 41 bis 42 Prozent gerechnet.
Analysten führen den Rückgang auf zwei Faktoren zurück. Zum einen verschärfen die USA und ihre Verbündeten die Exportbeschränkungen, etwa für Immersion-DUV-Lithografieanlagen. Zum anderen weichen chinesische Hersteller zunehmend auf heimische Anbieter aus. Tokyo Electron rechnet für das zweite Halbjahr 2026 mit einer Stabilisierung bei rund 30 Prozent.
Parallel zu dieser Delle im China-Geschäft sucht sich das Unternehmen neue Wachstumsfelder. Die Antwort: Künstliche Intelligenz.
KI soll 40 Prozent der Erlöse bringen
Das Management peilt an, dass KI-bezogene Nachfrage künftig 40 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Ein zentraler Baustein ist eine neue Partnerschaft mit dem US-Testdienstleister Teradyne.
Beide Unternehmen gaben im Juni 2026 eine gemeinsame Entwicklung bekannt. Sie integrieren Teradynes Testsystem „UltraFLEXplus“ mit Tokio Electrons Prober „Prexa SDP“. Die Lösung adressiert Zuverlässigkeitsprobleme bei 2,5D- und 3D-Chip-Architekturen – den Grundbausteinen moderner KI-Prozessoren.
Die Wette ist klar: Wer in den Segmenten HBM-Speicher und 2-Nanometer-Logikchips führend ist, profitiert vom KI-Boom. Tokyo Electron muss die schwächelnde China-Nachfrage durch Aufträge globaler Technologieriesen kompensieren. Die vergangenen 30 Tage mit einem Kursplus von 59 Prozent zeigen, dass der Markt diesen Plan zunächst honoriert.
Doch die Bewertung bleibt ambitioniert. Die Volatilität von über 66 Prozent signalisiert, wie schnell sich die Stimmung drehen kann. Noch reicht der KI-Optimismus, um die geopolitischen Risiken zu überdecken.
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