Kanada wählt TKMS als bevorzugten Bieter für bis zu zwölf neue U-Boote. Der Auftrag hat ein Volumen von rund 20 Milliarden Euro. Für Analysten ist die Sache klar: mwb research hebt das Kursziel auf 135 Euro an.
Kanada setzt auf deutsche Technologie
Am Rande des NATO-Gipfels in Ankara wurde die Entscheidung bekannt. Im Rahmen des „Canadian Patrol Submarine Project“ setzt Kanada auf die Klasse 212CD aus deutscher Fertigung. Der Auftrag umfasst den Bau der U-Boote plus jahrzehntelange Wartung.
Das Bauvolumen liegt bei etwa 20 Milliarden Euro. Über den gesamten Lebenszyklus der Flotte rechnet man mit bis zu 100 Milliarden Kanadischen Dollar, umgerechnet knapp 62 Milliarden Euro.
Der Auftragsbestand von TKMS springt damit laut Marktberichten auf über 40 Milliarden Euro. Das sichert die Produktion rechnerisch für mehr als ein Jahrzehnt ab. Die ersten U-Boote sollen zwischen 2033 und 2035 an die kanadische Marine gehen.
Analysten erhöhen die Kursziele
mwb research reagiert prompt auf die Bestätigung des „Preferred Supplier“-Status. Die Analysten heben ihr Kursziel von 125 auf 135 Euro an und bestätigen die Kaufempfehlung. Begründung: deutlich bessere Sichtbarkeit künftiger Cashflows und ein erwartetes Jahreswachstum von rund 13 Prozent.
Die Aktie selbst zeigte sich im gestrigen Handel nervös. Nach einem Kurssprung von bis zu 13 Prozent setzten Gewinnmitnahmen ein. Zeitweise fiel der Kurs wieder unter 92 Euro.
Marktbeobachter werten das als klassische „Sell the News“-Reaktion nach der vorangegangenen Rally. Die fundamentale Stärkung des Unternehmens bleibt davon unberührt.
TKMS schlägt südkoreanische Konkurrenz
Im Bieterverfahren setzt sich TKMS gegen den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean durch. Die Reaktion an der Börse in Seoul fällt heftig aus: Hanwha Ocean verliert über 22 Prozent.
Die Entscheidung Kanadas ist auch ein politisches Signal. Sie stärkt die transatlantische Rüstungskooperation innerhalb der NATO. Zusammen mit Deutschland und Norwegen entsteht durch baugleiche Typ-212CD-U-Boote ein logistischer Verbund im Nordatlantik.
Norwegen bekommt dabei eine zentrale Rolle. Im norwegischen Bergen soll ein neues Instandsetzungszentrum entstehen. Norwegische Partnerunternehmen werden in die Lieferkette eingebunden.
Tausende neue Jobs an deutschen Standorten
Für die deutschen Werften bedeutet der Auftrag eine langfristige Auslastung. Laut Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern entstehen allein in Wismar bis zu 1.500 neue Arbeitsplätze. Die Fertigung teilen sich die Werften in Kiel und Wismar.
Wirtschaftsminister Wolfgang Blank nennt den Auftrag einen Wendepunkt für den maritimen Industriestandort im Nordosten. Die Formulierung ist deutlich – und angesichts der Auftragsgröße nicht übertrieben.
Die finalen Vertragsverhandlungen dürften 6 bis 18 Monate dauern. Kanada strebt einen endgültigen Vertragsabschluss bis spätestens Ende 2027 an. Scheitern die Gespräche, hält sich Kanada Hanwha Ocean als Rückfalloption offen – Analysten stufen dieses Risiko als gering ein.
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